Problemabfall Elektroschrott

Elektroschrott: Alte Monitore, Foto: Frank-Radel / pixelio.de

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Elektronische Geräte werden in immer kürzeren Abständen angeschafft oder durch neue ersetzt. Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass in jedem Jahr auf der Welt zwischen 20 und 50 Millionen Tonnen Elektroschrott anfallen. Die Organisation „Basel Action Network“ schätzt, dass allein im Hafen von Lagos jährlich 400.000 Alt-Computer ankommen und drei Viertel davon gegen das Basler Übereinkommen verstoßender Giftschrott sind.

In Deutschland sollen Altgeräte eigentlich möglichst umfassend verwertet werden. Dennoch gelangen jährlich mehr als 155.000 Tonnen Elektrogeräte meist auf dem Seeweg in außereuropäische Länder. Das ergab eine vom Umweltbundesamt beauftragte Studie des Hamburger Instituts für Ökologie und Politik (Ökopol). Nicht jedes dieser Geräte ist schrottreif. Die Lieferungen sind gewöhnlich Mischungen aus noch funktionierenden Geräten, aus kaputten Geräten, die aber noch als Ersatzteilquelle herhalten können, und zu rund 30 Prozent aus teils gefährlichem Elektroschrott. Aber auch die noch nutzbaren Geräte sind meist in einem sehr schlechten Zustand, dürften nicht mehr lange durchhalten und bald auf einer Müllhalde landen. Die Studie geht davon aus, dass drei Viertel der ausgeführten Geräte nicht abfallwirtschaftlich behandelt, sondern auf oft dafür ungeeigneten Flächen beseitigt werden. Besonders umweltschädlich sind alte Batterien, Akkus, Quecksilberschalter, Kondensatoren und Öle.

Eigentlich ist es verboten, Elektroschrott aus der EU in Entwicklungsländer zu schicken. Doch die Vorschriften lassen sich mit einem Taschenspielertrick umgehen: Selbst defekte Elektroprodukte werden als funktionierende Gebrauchtware getarnt, deren Ausfuhr nicht verboten ist. Das Geschäft lohnt sich: In den Empfängerländern lassen sich viele noch laufende Geräte und Bauteile für mehr Geld verkaufen als bei uns. Das Zerlegen und Entsorgen dagegen ist in Ländern mit mangelhaften Schutzauflagen viel billiger als hier. So kostet es auf legalem Weg etwa 200 Euro, eine Tonne Elektroschrott wie vorgeschrieben zu recyceln. Dieselbe Menge illegal auf einem Containerschiff nach Asien zu schicken ist hingegen nur halb so kostspielig.

Die Bandbreite der Elektrogeräte-Exporteure reicht von Kleinhändlern bis zu Unternehmen, die im größeren Stil ausführen. Sogenannte „Abfalltouristen“ reisen ein, kaufen oder sammeln Altgeräte bis ein oder zwei Container gefüllt werden können, verschiffen sie und nehmen die Geräte im Empfängerland entgegen, um sie dort zu verkaufen. Solche Keinhändler tragen die Technik von Flohmärkten, über Annoncen in Printmedien, Online-Auktionen oder vom Sperrmüll zusammen. Für größere Firmen, die mit vielen Gebrauchtgeräten handeln, kann besonders die kostensparende illegale Elektroschrottverschiebung für defekte Geräte verlockend sein.

Der Welthandel mit gebrauchter und noch intakter Technik ist sinnvoll. In ärmeren Ländern werden erschwingliche Geräte dringend benötigt. Gebrauchtgeräte verschaffen mehr Menschen Anschluss an Möglichkeiten und Chancen der Moderne. Wenn ausrangierte Handys oder Computer woanders noch eine Lebensverlängerung bekommen, schont das letztendlich auch die Ressourcen. Angelieferter Elektroschrott aber hat in Entwicklungsländern nichts verloren.

Elektroschrottschmuggel ist kein Bagatelldelikt, aber es nicht sehr riskant, die Gesetze zu umgehen. Bislang gibt es keine rechtlich verbindliche Definition, was ein noch nutzbares von einem kaputten Elektro-Altgerät unterscheidet. Das macht es schwierig, dubiose Händler dingfest zu machen. Laut Umweltbundesamt setzt sich die Bundesregierung für eine Vorschrift ein, nach der ein Exporteur auf seine Kosten nachweisen muss, dass seine Elektroware noch funktioniert.

Stecken die alten Geräte erst in den Frachtcontainern, gibt es kaum eine Chance sie noch zu entdecken. Am Hamburger Hafen werden je nach Konjunktur zwischen sieben und neun Millionen Standardcontainer jährlich umgeschlagen. Die wenigen für die Containerflut zuständigen Zöllner suchen bei Stichproben vor allem nach Drogen oder Waffen - Elektroschrott entdecken sie eher nebenbei. Für einen besseren Überblick bei den Überwachungsbehörden soll seit April 2010 die elektronische Erfassung gefährlicher Abfälle sorgen. Daten zu den in Deutschland jährlich zigtausenden Nachweisen einer umweltverträglichen Entsorgung gefährlicher Abfälle sollen nun zentral gesammelt werden.

Der effektivste Weg, das Problem giftigen Elektroschrotts zu lösen wäre, schädliche Stoffe nicht mehr zu verbauen. Umweltschützer fordern, dass Elektronikhersteller wenigstens auf vermeidbare Gifte in ihren Geräten verzichten. So ist es beispielsweise möglich, PVC und bromhaltige Flammschutzmittel gegen verträglichere Stoffe auszutauschen, die allerdings mehr kosten. Greenpeace motiviert Produzenten mit dem Ranking „Leitfaden für grünere Elektronik“ („Guide to greener electronics“), sich freiwillig zu verpflichten, diese Materialien innerhalb eines bestimmten Zeitraums auszumustern. Bisher wurden die Versprechen aber von den meisten Herstellern nicht eingehalten.

Elektroschrott in Entwicklungsländern

Rückgewinnung knapper Stoffe