Müllstrudel auf den Ozeanen

Plasteflasche an einer Bucht, Foto: F.-Gopp / pixelio.de

Foto: © F.-Gopp / PIXELIO

 

Innerhalb der vergangenen Jahrzehnte entstanden auf den Ozeanen gigantische Müllballungen, Forscher kennen insgesamt fünf solcher Felder. Sie wuchsen lange unbemerkt, weil sie in Regionen der Weltmeere entstanden sind, die nur selten befahren werden. Die bekannteste und größte marine Abfallzone ist der nordpazifische Müllteppich („Great Pacific Garbage Patch“), der erstmals 1997 vom Segler und Chemiker Charles Moore beschrieben wurde. Die „weltgrößte Müllhalde“ soll mindestens die Ausmaße Mitteleuropas haben.

Wie viel Unrat im Areal zwischen den USA und Hawaii dümpelt lässt sich nur erahnen, weil ein Großteil der Abfälle metertief unter der Meeresoberfläche schwimmt und dort unsichtbar für Satelliten ist. Einen Anhaltspunkt zur Dichte der Müllpartikel gibt die Algalita Stiftung für Meeresforschung. Sie hat gemessen, dass im zentralen nordpazifischen Müllstrudel die Menge der Plastikteilchen die des Oberflächen-Zooplanktons sechsfach überwiegt.

Plastik findet sich in den Ozeanen nicht nur in den Müllstrudeln, wo es von Strömungen und Winden zusammengetragen wurde. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) geht davon aus, dass mehr als 100 Millionen Tonnen Kunststoffabfall in den Weltmeeren schwimmt. Was auf und in den Meeren treibt ist uns vertraut: Plastiktüten und -flaschen, Einwegrasierer, CD-Hüllen – tonnenweise Zivilisationsmüll gelangt täglich in die See.

Längst sind Kunststoffe die in den Ozeanen am schnellsten wachsende Abfallart. Zumeist gelangen sie ins Wasser, weil Plastik in Flüsse gerät: Entweder wird es von ungeschützten Müllkippen geweht und gespült oder direkt hineingeworfen. Etwa 20 Prozent der Verschmutzung rührt von Aktivitäten auf dem Meer: Beispielsweise verlieren Schiffe bei Sturm immer wieder Frachtcontainer, hunderte von ihnen gehen jährlich über Bord. Unter anderem sollen so Millionen neuer Plastiktüten ins Wasser gelangen.

Nicht nur an den Stränden werden Plastikteilchen zurück ins Umfeld der Menschen gespült. Auch über die Nahrungskette landet ein Teil des Mülls wieder bei uns. Charles Moore, der dafür sorgte, dass die bedrohliche Vermüllung der Ozeane bekannter wird, sieht das Problem längst auf unseren Tellern und bezweifelt, dass die Natur noch einen giftfreien Fisch produzieren kann.