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Problemabfall Plastik

Plastikflasche in Gewässer, Foto: Torsten Rempt / pixelio.de

Foto: © Torsten Rempt / PIXELIO

 

Für die Industrie ist Plastik wie eine eierlegende Wollmilchsau: wegen seiner vielseitigen Verwendbarkeit ist das Material allgegenwärtig. Kunststoff ist unter anderem so erfolgreich, weil er sehr beständig gegen Witterung oder Bakterien ist. Nachdem Plastik weggeworfen wurde, verkehren sich diese charakteristischen Eigenschaften jedoch zum Umweltproblem. Die meisten Plastikarten sind nicht biologisch abbaubar und zerfallen nur sehr langsam unter dem Einfluss von UV-Strahlen oder weil sie im Laufe der Zeit zerrieben werden. Eine Shampooflasche kann denjenigen, der sich mit ihrem Inhalt die Haare gewaschen hat, weit überdauern: Bis sie sich zersetzt hat vergehen bis zu 450 Jahre.

Japanische Forscher fanden heraus, dass dieser Zerfall im Meer deutlich schneller vonstatten gehen kann – schon innerhalb eines Jahres kann sich auf See ein großes Stück Kunststoff in viele kleine Stückchen teilen. Dass sich verwitterndes Plastik aufspaltet macht es auf den Ozeanen zu einem noch größeren Problem: Seevögel, Fische, Muscheln, Krustentiere und andere Lebewesen verwechseln Kunststoffstücke mit Nahrung und fressen sie. Zwar haben Forscher von der University of Sheffield Mikroben entdeckt, die gezielt Plastik besiedeln und möglicherweise verwerten. Für die meisten Organismen ist das Material aber unverdaulich. Sie drohen zu verhungern oder zu verdursten obwohl und gerade weil ihr Magen gefüllt ist – mit nährwertlosem Kunststoff.

Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) schätzt, dass jährlich eine Million Seevögel an den Folgen einer Plastikmahlzeit verenden. Dass Kunststoff sehr oft auf den Speiseplan der gefiederten Meeresanwohner gerät, zeigt auch die Tatsache, dass neun von zehn Küken der Laysan-Albatrosse Plastik im Magen haben. Das gefressene Plastik kann die Vögel außerdem von Wanderung und Fortpflanzung abhalten und innere Organe verletzen. Gleiches gilt für andere Meerestiere, denen Kunststoffe weitere Todesfallen stellen: Fische sterben in Knäueln aus Plastiktüten, in Plastiknetzen und Angelleinen verheddern sich Tiere, Meeresschildkröten bekommen durch Kunststoff im Bauch zu viel Auftrieb und können nicht mehr nach Nahrung tauchen. Allein im Nordpazifik sterben jährlich etwa 100.000 Meeressäuger am Plastikmüll.

Das zerfallende Plastik entfaltet im Wasser eine weitere tückische Eigenschaft: Kunststoffpartikel wirken wie Magnete auf wasserunlösliche Umweltgifte wie Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT), polychlorierte Biphenyle (PCBs) und manche Nonylphenol-Substanzen, die an ihnen haften bleiben. Die Konzentration dieser Gifte an den durch die Ozeane treibenden Plastikteilchen kann extrem hoch sein. So fanden Forscher schon Stückchen, an denen eine Million Mal mehr Gifte klebten als im sie umgebenden Wasser nachweisbar waren. Mit den Teilchen werden auch die toxischen Substanzen gefressen, lagern sich im Gewebe ein und reichern sich über die Nahrungskette hinweg in Lebewesen an bis hin zum Menschen.

Gifte wie DDT oder PCB haben eine schädliche Wirkung auf Organismen gemeinsam: Als sogenannte Umwelthormone können sie Hormonhaushalte gewaltig durcheinander wirbeln: Sie ähneln natürlichem Östrogen so stark, dass sie an seinen Rezeptoren andocken und sie blockieren können. Auch das Plastik selbst setzt bedenkliche Stoffe ins Meerwasser frei. Dazu gehört Bisphenol A, das ebenfalls zu den Umwelthormonen zählt und darüber hinaus verdächtigt wird, erbgutschädigend zu wirken. Es ist noch nicht hinlänglich erforscht und ausgewertet, wie weit der Einfluss von Umwelthormonen reicht. Allerdings wird vermutet, dass sie hinter einer Reihe von Beobachtungen stecken, wie einer geringeren Spermienzahl und dem steigenden Anteil weiblicher gegenüber männlicher Nachkommen bei verschiedenen und insbesondere am oder vom Meer lebenden Spezies bis hin zum Menschen („Verweiblichung“). Auch die in den vergangenen Jahrzehnten häufiger gewordenen Brust- und Hodenkrebserkrankungen werden mit Umwelthormonen in Verbindung gebracht.


Müllstrudel auf den Ozeanen