Die Blumenproduktion

Gewächshaus_by_Thomas Max Müller_pixelio.de

Wie viele Schnittblumen aus südlichen Ländern importiert werden, hängt von der Jahreszeit ab. Im Frühjahr und Sommer kann die Nachfrage zu großen Teilen aus heimischer Freilandproduktion gedeckt werden, dagegen kommen in den kalten Monaten verstärkt Blumen aus dem Ausland auf den europäischen Markt. Denn in Afrika, Mittel- und Südamerika sowie in Asien ist es das ganze Jahr über so warm, dass die Blumen auf Plantagen und Farmen in unbeheizten Gewächshäusern angebaut werden können. Diese Treibhäuser aus Kunststoff sind mit automatischen Bewässerungs- und Luftbefeuchtungssystemen ausgestattet. Die Blumen werden darin auf dem Boden oder auf Gestellen gezüchtet.

Giftige Produktion

Blumenauswahl_by_H.La._pixelio.de

Um makellose Ware zu liefern, werden bei der Produktion der Blumen Pestizide und Düngemittel eingesetzt. Darin unterscheiden sich die südlichen Anbauländern nicht von Deutschland, den Niederlanden und anderen Standorten. Allerdings ist die verwendete Menge in vielen Blumenfarmen Afrikas, Lateinamerikas und Asiens doppelt oder gar dreifach so hoch wie zum Beispiel in Deutschland. Schutzmaßnahmen bei der Anwendung der giftigen Pestizide werden dort nicht oder nur unzureichend eingehalten. Die Arbeiter sind im Umgang mit den Mitteln nicht geschult, es fehlt an Schutzkleidung und die Gewächshäuser werden gar nicht oder zu kurz geräumt, wenn die Pestizide versprüht werden. Zum Teil werden noch noch Pflanzenschutzmittel eingesetzt, die in Deutschland und Europa längst verboten sind. Die Folge sind gesundheitliche Schäden: Die Arbeiter bekommen Kopfschmerzen, Schwindel, Augenerkrankungen, sie leiden an Atembeschwerden, Asthma, Ekzemen bis hin zu Nervenleiden, Fehlgeburten und Krebs.

Harte Arbeit für unsere Blumen

In der Blumenindustrie in den Ländern des Südens arbeiten über 200.000 Menschen. Zwei Drittel von ihnen sind Frauen. Sie leisten in den Gewächshäusern schwere, körperlich anstrengende Arbeit bei der Aufzucht, Pflege und Ernte der Blumen. In riesigen Halen sortieren sie unter anderem im Akkord Blumen für den Export nach Qualität, Farbe und Größe. Auf diese Weise kommen sie meist ungeschützt mit den Pestizidrückständen in Kontakt. Hinzu kommen niedrige Löhne, lange Arbeitstage mit unbezahlten Überstunden, keine geregelten Arbeits- und Pausenzeiten, fehlender Kündigungs- und Mutterschutz sowie fehlende soziale Absicherung. Viele Arbeiterinnen und Arbeiter, die sich in Gewerkschaften organisieren, entlassen oder massiv bedroht.

Umweltverschmutzung und hoher Wasserverbrauch

Bewässerungsanlage_by_Thomas Max Müller_pixelio.de

Neben den Menschen leidet auch die Umwelt unter dem massiven Chemikalieneinsatz. Die Pflanzenschutzmittel belasten die Böden, Gewässer und das Grundwasser. Viele Schädlinge werden resistent gegen die eingesetzten Mittel. Der enorme Wasserverbrauch der Blumenfarmen lässt zudem den Grundwasserspiegel immer weiter sinken. Natürliche Wasserquellen wie Brunnen, die von Kleinbauern in der Umgebung genutzt werden, versiegen.

Ökologische Schnittblumen sind selten

Der überwiegende Teil der angebotenen Schnittblumen aus dem In- und Ausland stammt aus konventioneller Produktion. Der ökologische Anbau von Blumen nach den Richtlinien von anerkannten ökologischen Anbauverbänden wie zum Beispiel Bioland, Naturland oder Demeter macht bisher nur einen kleinen Teil der Produktion mit einem geringen Marktanteil aus.

Foto oben: © Max Müller / PIXELIO

Foto Mitte: © H.La. / PIXELIO

Foto unten: © Thomas Max / PIXELIO