Niederlande: Das Umweltprogramm Zierpflanzen (MPS)

In den Niederlanden ist die konkurrenzfähige Produktion von Schnittblumen in Gewächshäusern vor allem durch Monokulturen, hochtechnisierte Produktionsabläufe und staatliche Zuschüsse für den Energieverbrauch möglich. Der enorme Einsatz an Düngemitteln, Pflanzenschutzmitteln und Energie wurde von Umweltverbänden, Politikern und Verbrauchern immer wieder heftig kritisiert. Die verheerenden Umweltfolgen wurden immer wieder angemahnt. Um diese zu reduzieren, gründeten die niederländischen Zierpflanzenproduzenten schließlich 1995 das "Milieu Programma Sierteelt (MPS)", zu deutsch: Umweltprogramm Zierpflanzen. Die Grundlage des komplexen Programms ist die Registrierung und Prüfung von Umweltkriterien der produzierenden Betriebe.

Ein Ziel ist, möglichst alle am Blumenmarkt beteiligten Betriebe von der Zucht bis zum Handel in das System zu integrieren. So können z. B. auch Blumengeschäfte an dem Programm teilnehmen, wenn sie einen festgelegten Anteil MPS-zertifizierter Ware führen. Der Anteil der MPS-Ware am Gesamtumsatz muss bei einer unabhängigen Organisation nachgewiesen werden. Seit 1999 ist MPS eine akkreditierte Organisation und berechtigt, die Siegel des Programms zu vergeben. Nicht-Regierungsorganisationen sind bei MPS bisher jedoch nicht vertreten.

Die Blumenproduktion wird beim MPS anhand des Verbrauches von Pestiziden, Düngemitteln, Wasser, Energie und Abfallaufkommen bewertet. Die teilnehmenden Betriebe führen genau Buch über ihren Verbrauch und die Abfallmenge. Sie senden die Daten einmal monatlich an MPS, wo sie gesammelt und ausgewertet werden. Die Gärtnereien werden im laufenden Prozess alle drei Monate entsprechend ihrer Umweltverträglichkeit in eine der drei Klassen MPS-A, -B oder -C eingestuft. MPS-A kennzeichnet die Betriebe, die am umweltverträglichsten arbeiten. Zu diesem Siegelprogramm gehören außerdem regelmäßige Inspektionen mit Qualitätskontrollen der zertifizierten Betriebe. Durch die Einführung von MPS konnte der Verbrauch an Dünger, Pflanzenschutzmitteln und Energie in den Betrieben um bis zu 50 % reduziert werden.

Die Kategorie "Socially Qualified" kennzeichnet eine nach international anerkannten sozialen und ökologischen Standards nachhaltige Blumenproduktion in Ländern außerhalb Europas. Eine Reihe von Blumenfarmen in Kenia, Tansania, Indien und Sri Lanka haben bisher dieses Siegel erhalten. Berücksichtigt werden Umweltfaktoren sowie die gesundheitliche Versorgung der Arbeiterschaft, die Arbeissicherheit und die Arbeitsbedingungen in den produzierenden Betrieben. Das Siegel MPS Socially Qualified basiert u. a. auf internationalen Menschenrechtskonventionen und den Vereinbarungen der Internationalen Arbeitsorganisation ILO. Damit werden wesentlich Standards des Internationalen Verhaltenskodexes für die sozial- und umweltverträgliche Produktion berücksichtigt. An der Entwicklung dieser Kategorie waren verschiedene niederländische Nicht-Regierungsorganisationen beteiligt.