Schweiz: Das Max-Havelaar-Zeichen

Die Max-Havelaar-Stiftung in der Schweiz vergibt wie TransFair in Deutschland Lizenzen zur Verwendung ihres Siegels, wenn die beteiligten Produzentengruppen, Importeure und Großhändler die Kriterien des Fairen Handels einhalten. Um die Einhaltung zu gewährleisten, werden jährliche Kontrollen durchgeführt. Zu den Zielen des Fairen Handels gehört es, direkte Handelsbeziehungen zu Kleinbauernorganisationen oder zu Plantagen aufzubauen und Zwischenhandelsstufen weitgehend auszuschalten. Es werden angemessene, kostendeckende Festpreise für die Produkte gezahlt und langfristige Handelsbeziehungen aufgebaut, um die Einkommenssituation der Arbeiterinnen und Arbeiter zu verbessern. Zusätzlich erhalten die Produzentenorganisationen eine Fair-Handels-Prämie. Sie beträgt bei Blumen acht Prozent des Importpreises.

Die Produzenten des Fairen Handels verpflichten sich, nach sozialen, arbeitsrechtlichen und ökologischen Standards zu arbeiten. Eine demokratische Struktur auf den Plantagen und Farmen gehört ebenso dazu wie garantierte Mindestlöhne, Sozialleistungen und die Förderung von umweltfreundlichen Anbau- und Verarbeitungsmethoden. Die Fair-Handels-Prämie soll direkt den Arbeiterinnen und Arbeitern zugute kommen und für die Verbesserung ihrer Lebenssituation verwendet werden. In einem demokratischen Gremium aus Arbeiterinnen, Arbeitern und Management, dem so genannten Joint Body, wird entschieden, für welche Zwecke das Geld eingesetzt wird. Die Wichtigkeit der Projekte legt die Arbeiterschaft fest. Das Geld kann z. B. in den Ausbau der Wasserversorgung, die Einrichtung eines Stromnetzes, die Aus- und Weiterbildung, die Verbesserung der medizinischen Versorgung oder in soziale Projekte wie Nähateliers investiert werden.

Seit 2001 werden in der Schweiz Rosen aus Fairem Handel mit dem Max-Havelaar-Siegel angeboten. Den Kriterien des Siegels für Blumen liegen die Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und des Internationalen Verhaltenskodexes für die soziale und umweltverträgliche Schnittblumenproduktion zugrunde. Die Kernpunkte sind:
  • Zahlung existenzsichernder Löhne, die mindestens den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlöhnen entsprechen
  • Gewerkschaftsfreiheit
  • Gleichbehandlung aller Beschäftigten
  • Geregelte Arbeitszeiten (max. 48 Stunden pro Woche) und Überstundenregelungen
  • Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit
  • Feste Arbeitsverträge und überdurchschnittliche Sozialleistungen
  • Gesundheitsschutz und Arbeitssicherheit
  • Reduktion des Einsatzes von Pestiziden, synthetischen Düngern und anderen Chemikalien
  • Einhaltung der Sicherheitsvorschriften beim Umgang mit Pestiziden
  • Umweltschutzmaßnahmen, Einhaltung ökologischer Mindeststandards

Nur Blumenfarmen, die bereits das Siegel des Flower Label Programms (FLP) oder das Siegel des Umweltprogramms Zierpflanzen (MPS) tragen, können sich an dem Programm des Fairen Handels von Max Havelaar beteiligen. Um aufwendige doppelte Kontrollen der Betriebe zu vermeiden, werden sie von FLP und MPS im Auftrag von Max Havelaar auf die Einhaltung der Kriterien des Fairen Handels überprüft. Max Havelaar selbst führt Stichprobenkontrollen durch.