Die Entsorgung

Durchschnittlich drei Jahre werden Computer heute genutzt, bevor sie durch ein anderes, neueres Modell ersetzt werden. Das ist angesichts des enormen Arbeits-, Energie- und Rohstoffaufwandes für die Herstellung und den Transport der Rechner nicht viel. Aus ökologischer Sicht ist die kurze Lebensdauer der meisten PC und Notebooks doppelt problematisch: Ausrangierte Computer, Monitore, Laptops usw. lassen den Abfallberg weltweit dramatisch ansteigen. Etwa 20 bis 50 Millionen Tonnen eektronischer Abfälle fallen weltweit jedes Jahr an, allein in China werden jährlich vier Millionen PCs ausrangiert. Der Anteil des Elektroschrotts am gesamten Müllaufkommen steigt weltweit stärker als jeder andere Teil.

Diese Entwicklung stellt die Welt vor eine echte Herausforderung: Gehäuse und Elektronik enthalten nicht nur besonders wertvolle, sondern auch etliche umwelt- und gesundheitsschädliche Stoffe. Damit giftige Schwermetalle wie Blei und Quecksilber aus Röhren- und Flachbildschirmen, krebserzeugende Flammschutzmittel aus Platinen und Gehäuse-Kunststoffen oder auch das PVC aus den Kabelumhüllungen nicht nach Ende des Computerlebens Menschen und Ökosysteme gefährden, ist auch in der Entsorgung ein besonders sorgfältiger Umgang mit dem Elektroschrott notwendig. Zugleich stellt sich die Frage nach einem ökologisch verträglichen Recycling der in den Geräten enthaltenen Rohstoffe - Gold, Platin und Co. sind teuer und die Erdvorräte endlich. Sie nach kurzer Zeit auf den Müll zu werfen, steht in keinem Verhältnis zu den ökologischen und sozialen Kosten für ihre Gewinnung und Verarbeitung.

Die Europäische Union, einige US-Staaten sowie Japan, Südkorea und Taiwan reagierten auf diese Entwicklungen und erließen Gesetze zum Umgang mit Elektroschrott. Sie übertragen den Herstellern die Verantwortung für eine sachgerechte Entsorgung ihrer Produkte. Deutschland setzte mit dem "Gesetz über das Inverkehrbringen, die Rücknahme und die umweltverträgliche Entsorgung von Elektro- und Elektronikgeräten" (Elektro- und Elektronikgerätegesetz, ElektroG) zwei Europäische Richtlinien in nationales Recht um. Die eine hat das Ziel, Abfälle aus Elektro- und Elektronikgeräten zu vermeiden. Die andere verbietet den Einsatz bestimmter gefährlicher Stoffe in der Herstellung der Geräte, um so langfristig Gefahren für Umwelt und Gesundheit zu verringern. Seit dem 1. Juli 2006 dürfen Neugeräte, die Schadstoffe wie Blei, Cadmium, Quecksilber, bestimmte Chromverbindungen oder bromhaltige Flammschutzmittel enthalten, demnach nicht mehr auf dem europäischen Markt verkauft werden.

Ausrangierte Computer und kaputte Notebooks gehören also nicht in den Haus- oder Sperrmüll, sondern können (und müssen!) nun beim kommunalen Wertstoffhof abgegeben werden. Da endet für Verbraucher meist der Überblick. Was mit dem so gesammelten Elektronikschrott passiert, ist für ihn nicht nachvollziehbar. Längst sind Demontage und Deponierung des Elektroschrotts sowie die Rückgewinnung der wertvollen Metalle ebenso ein Geschäft wie die Herstellung der Geräte selbst. Der überwiegende Teil des Umgangs mit dem Elektroschrott der Welt findet in Asien und dort vor allem in China und Indien statt. Immer wieder werden zudem illegale Elektronik-Schrott-Lieferungen nach Afrika beobachtet. Selbst bei vorhandenen gesetzlichen Bestimmungen zu Arbeits- und Umweltschutzmaßnahmen in der Industrie, fehlt es dort vielfach an der Umsetzung.

Die Umweltorganisation Greenpeace untersuchte im Jahr 2005 an einigen Standorten in China und Indien die Arbeitsplatz- und Umweltbelastungen durch die Recyclingindustrie. Dabei wurden überall dort Proben von Industrie-Abfällen, Hausstaub, Fluss-Sedimenten, Böden, Grundwasser genommen, wo typische Arbeitsschritte des Recyclings von Elektronikschrott stattfinden, wie die Demontage der Geräte, die Rückgewinnung bestimmter Rohstoffe und die endgültige Entsorgung bzw. Deponierung des übrig bleibenden Abfalls. Die Analyse der Proben erbrachte ein dramatisches Bild: Auf allen Stufen des Recyclings und der Entsorgung von Elektronikschrott werden gesundheits- und umweltschädliche Stoffe frei. Vor allem Schwermetalle und organische Verbindungen gelangten an den untersuchten Standorten in die Umgebung: Von Blei und Zinn aus Lötverbindungen und Batterien über Kupfer aus Kabeln und Drähten, als Flammschutzmittel in Plastikteilen eingesetztes Antimon bis hin zu organischen Chlor-, Brom- und Phosphorverbindungen, Phtalat-Ester und PCBs.

Die Greenpeace-Untersuchungen ergaben unter anderem hohe Konzentrationen der giftigen Schwermetalle und organischen Verbindungen in Luft und Staub der Fabriken, in denen Elektronik-Komponenten auseinandergebaut und beispielsweise Lötzinn zurückgewonnen wurde. Und auch dort, wo die Kunststoff-Teile von Gehäusen usw. mechanisch zerkleinert wurden, wurden Schwermetalle und organische Verbindungen in erheblichen Konzentrationen nachgewiesen. Dass diese hohen Werte auch in den Sedimenten von Abwasserkanälen und den Abwässern selbst zu finden waren, ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass die gefährlichen Rückstände auch in die Umwelt gelangten.

Um die wertvollen Rohstoffe aus den Werkstoffen zurückgewinnen zu können, sind verschiedene Verfahren notwendig. Einige Rohstoffe können direkt aus einzelnen Komponenten wiedergewonnen werden, für andere müssen Materialien zunächst entsprechend aufbereitet werden. Die Bedingungen, unter denen dies in Asien und Afrika geschieht, sind oftmals abenteuerlich und eine echte Gefahr für die Gesundheit derer, die daran beteiligt sind ebenso wie für die Menschen in der Umgebung. So werden etwa Kabel oftmals einfach verbrannt, um das enthaltene Metall zurückzugewinnen, Batterien werden ohne Schutzmaßnahmen zerlegt. Leiter- und Festplatten werden in Säure gekocht, um die Metalle herauszulösen. Offenes Verbrennen, Säurebäder oder die "Endlagerung" nicht mehr nutzbaren Abfalls in ungesicherten Deponien sorgen dafür, dass Schwermetalle, giftige organische Verbindungen aus dem Schrott selbst sowie andere gesundheits- und umweltschädliche Substanzen in großen Mengen in die Umwelt, die Gewässer, die Atemluft der Menschen, die Böden usw. gelangen.

Selbst wenn in der Demontage und im Recycling von ausrangierter Elektronik ökologisch und ethisch einwandfreie, hocheffiziente Verfahren zum Einsatz kämen und auch die Kunststoffe als Brennmaterial weiter verwendet würden, wäre die Ausbeute insgesamt dennoch gering: Nach einer Studie der Technischen Universität Berlin ließen sich auch bei professionellem Recycling maximal 13 % der eingesetzten Energie und Rohstoffe erneut nutzen. Unter ökologischen Gesichtspunkten fällt da die Verlängerung der Lebensdauer der Geräte deutlich stärker ins Gewicht.