Die Herstellung

Was von außen so kompakt daher kommt, ist im Inneren hochkomplex: Ein einziger Computer ist aus 1.800 bis 2.000 Einzelteilen zusammengesetzt. Sie haben, bis sie als Rechner auf dem heimischen Schreibtisch stehen oft eine regelrechte Weltreise hinter sich. Denn sie werden nicht an einem Standort gefertigt und vielleicht einem anderen montiert. Stattdessen bestehen viele Einzelteile ihrerseits selbst aus verschiedenen Komponenten, die an verschiedenen anderen Standorten hergestellt und zusammengeführt wurden. Die Arbeitsteilung im globalen Computer-Geschäft ist inzwischen so kleinteilig und die Zuliefererketten so verzweigt, dass nicht einmal die daran Beteiligten sie vollständig überblicken. Für Verbraucher bedeutet das: Sie haben keine Möglichkeit herauszufinden, unter welchen ökologischen und sozialen Bedingungen ein Rechner insgesamt hergestellt wurde. Und: Wo der Marken-Hersteller, von dem sie den PC erwerben, seinen Sitz hat, gibt keine Auskunft darüber, wo die Einzelteile gefertigt und wo sie montiert wurden.

Die Herstellung der Bauteile und die Montage von Desktop-Computern finden überwiegend in Asien statt: Laufwerke von den Philippinen, Monitore aus Japan und Festplatten aus China werden in chinesischen Sonderwirtschaftszonen zusammengesetzt. Dabei sind es überwiegend so genannte Kontraktfertiger, die Einzelteile oder ganze Geräte im Auftrag und nach den Vorgaben anderer Unternehmen unter deren Markennamen herstellen. Je nach Auftraggeber wird in diesen Fällen die Produktion angepasst. PCs zweier verschiedener Marken können daher durchaus im selben Unternehmen montiert worden sein. Die Kosten und Termine für die Lieferung werden hier vor allem von Seiten der Auftraggeber diktiert.

Der Computer am eigenen Arbeitsplatz kann aber auch von einem der vielen Eigenmarkenhersteller hergestellt worden sein. Diese so genannten OBM, own brand manufacturers, stellen die Rechner her und vermarkten sie unter ihren eigenen, oft nicht weniger bekannten Markennamen. Trotzdem auch OBM mit zahlreichen Zulieferern arbeiten, bestimmen sie maßgeblich selbst über ihre Kostenplanung und Termine. Herrschen im Falle von Desktop-PCs tatsächlich noch globale Zuliefererketten vor, ist die Konzentration der Notebook-Herstellung schon sehr viel weiter vorangeschritten. Nach Angaben des Öko-Instituts liegt die Produktion von Notebooks weltweit in den Händen von elf taiwanesischen Firmen, deren Fertigungshallen in China stehen. In den globalen Produktionsketten der IT- und Computer-Technologie nimmt China längst einen Spitzenplatz ein. Dort stehen, in eigens eingerichteten Export- und Sonderwirtschaftszonen, die allermeisten der Fertigungshallen der Computerindustrie. Ein Drittel der nach Deutschland importierten Computer und des importierten Computer-Zubehörs kam im Jahr 2006 aus China, bei steigender Tendenz. Das hat einen einfachen, aber folgenschweren Grund: Computer-Teile werden in großen Mengen produziert und sind sehr arbeitsintensiv. Die Massenfertigung der nötigen Teile erfolgt also dort, wo (bei gleicher Sorgfalt und technischer Qualität) die Produktionskosten am niedrigsten sind. Da sich die Fertigungshallen sehr schnell dorthin verlagern lassen, wo billiger produziert werden kann, versucht jedes Unternehmen an jedem Standort, die Produktionskosten auch weiterhin niedrigst zu halten. Dafür werden die Arbeits- und Sozialstandards für die Arbeiter häufig auf ein unwürdiges Niveau gedrückt.

Etwa 80 % der Beschäftigten in den chinesischen Computer-Fertigungsunternehmen sind junge Frauen. Sie tragen die Folgen der hohen Flexibilität zu niedrigsten Kosten, mit denen Computerhersteller ihre Produktion und Auftragsvergabe organisieren. Nicht Schmutz, Staub und Abfall machen ihnen in den oft laborartig reinen Fabriken zu schaffen, sondern extreme Arbeitszeiten, Überanstrengung, Erschöpfung und Monotonie. Zwar schreibt das chinesische Arbeitsrecht eine Wochenarbeitszeit von höchstens 40 Stunden und maximal 36 Überstunden pro Monat vor - in den Export- und Sonderwirtschaftszonen gelten aber das Umwelt- und Arbeitsrecht des Landes nicht. Die Folgen sind Arbeitszeiten von bis zu 12 Stunden pro Tag, in Stoßzeiten wie etwa in Vorbereitung des Weihnachtsgeschäftes wird an sieben Tagen in der Woche produziert. Löhne von monatlich 50 bis 80 US-Dollar sind keine Seltenheit. Sie liegen selbst in China unterhalb des gesetzlichen Mindestlohns. Diesen Mindestlohn von umgerechnet 87,5 US-Dollar erreichen chinesische Computer-Arbeiterinnen oftmals nur durch das Ableisten etlicher Überstunden. Für einen menschenwürdigen Lebensunterhalt reicht auch das kaum. Leiharbeit und befristete Arbeitsverhältnisse zwingen die Arbeiterinnen zum Stillhalten. In den Sonderwirtschaftszonen Chinas ist auch die staatliche Einheitsgewerkschaft nicht vertreten, da unabhängige Gewerkschaften im Reich der Mitte grundsätzlich nicht erlaubt sind, fehlt den Arbeitern der Computerindustrie jeder Zugang zu gewerkschaftlicher Organisation. Und auch andere Formen des Zusammenschlusses werden in vielen Fällen unterbunden. Nicht selten werden die Angestellten auch außerhalb der Arbeitszeiten in ihren (firmeneigenen) Schlafquartieren von privaten Sicherheitsfirmen kontrolliert.