Kunsthandwerk aus Lateinamerika

Die traditionelle südamerikanische Kunst spiegelt viele Einflüsse aus der Zeit vor der Entdeckung des Kontinents durch Spanier und Portugiesen wieder. Motive, Farben und Herstellungstechniken werden seit Generationen überliefert. Das traditionelle Kunsthandwerk droht allerdings durch die schlechte Lebenssituation der Nachfahren der Indianervölker Südamerikas in die Vergessenheit zu geraten. Über gezielte Förderung des Kunsthandwerks ist es jedoch möglich, die alten Techniken vor dem Vergessen zu bewahren und gleichzeitig die besonders armen Bevölkerungsschichten zu unterstützen.

Mexiko
Peru
Chile


Mexiko

Das Kunstwerk in Mexiko zeichnet sich durch lange Tradition und unglaubliche Vielfalt aus. Fast jede Provinz bis hin zu einzelnen Familienverbünden bieten ihre eigenen Spezialitäten wie Keramiken, Textilien oder Schmuck an. Herausragend ist das mexikanische Keramikkunstwerk. Hier werden charakteristische handwerkliche und darstellerische Richtungen gepflegt und weiter entwickelt. Die Keramikproduktion bietet vielen Familien die Möglichkeit, ihre Identität und Eigenständigkeit zu demonstrieren und ihren Lebensunterhalt selbstständig zu bestreiten.

Eines der bedeutendsten Keramikzentren befindet sich in Tonalá im Bundesstadt Jalisco. Rund 600 Familien leben hier von der Herstellung keramischer Gebrauchsgegenstände und Zierprodukte. Es handelt sich um überwiegend traditionell hergestellte Hochbrand-Keramiken. Die Produzenten haben eine eigene Kreditgenossenschaft, die ihnen günstige Darlehen bietet. Das mexikanische Keramik-Sortiment finden Interessierte bei El Puente, gepa und dritte-welt partner.

Die Vermarktungsorganisation CENTRO ARTESANAL TULTENANGO fördert das traditionelle Kunsthandwerk in Mexiko und bietet den kunsthandwerklichen Familienbetrieben Unterstützung bei der Vermarktung ihrer Produkte. Die Produzenten können eine Vorauszahlung in Höhe des halben Bestellwertes in Anspruch nehmen. Die Organisation macht Öffentlichkeitsarbeit für die Kunsthandwerksprodukte und trägt so zur Bekanntmachung des traditionellen mexikanischen Kunsthandwerks bei. In Zusammenarbeit mit El Puente wurde beispielsweise in Deutschland die Keramikausstellung "ceramica mexicana" organisiert, die unter anderem in Hildesheim und München zu sehen war.


Peru

Vor der Eroberung des Amerikanischen Kontinentes durch Europäer war Peru Teil des Inka-Reiches, dessen kulturelle Hinterlassenschaft sich im traditionellen peruanischen Kunsthandwerk widerspiegelt. Die Lebenssituation der Mehrheit der Peruaner ist heute kritisch: Der langwierige Guerillakrieg, Aufstände, Misswirtschaft, gescheiterte Landreformen, Massenarbeitslosigkeit und Inflation sind die Ursachen für die extreme Armut in Peru. Diese Situation wird durch Landflucht und Drogenkonsum noch verschärft. Die Mehrheit der peruanischen Bevölkerung lebt unterhalb des Existenzminimums. Die Bewohner der Andenhochebene leben hauptsächlich von der Landwirtschaft, die handwerkliche Produktion ist ein Zusatzverdienst, der zur Sicherung ihres Lebensunterhaltes wesentlich beiträgt. Faire Projekte und Initiativen sind ein wichtiger Beitrag dazu. Gerechte und verlässliche Arbeitsbedingungen, faire Bezahlung und organisatorische Unterstützung bieten den benachteiligten Andenbewohnern eine gewisse soziale Absicherung und Zukunftsperspektiven.

Im Jahre 1986 wurde in Peru ALLPA gegründet, was in der Sprache der Quechua-Indianer "Erde" bedeutet. ALLPA ist ein Vermarktungshilfeprojekt des Peruanischen Instituts für Forschung und Entwicklung (Institúto Peruano de Investigación y Desarrollo, IPID), einer privaten Hilfsorganisation, die mit bäuerlichen Kooperativen und Handwerksbetrieben auf dem Land zusammenarbeitet.

Die Organisation arbeitet mit insgesamt rund 100 Produzentengruppen zusammen, zu denen auch kleine Familienbetriebe gehören. Bei der Auswahl der Kooperationspartner sind die soziale Lage, die Qualität und Preis der angebotenen Produkte wichtig. Auch die Mitsprache der Handwerker an allen die Gruppe betreffenden Entscheidungen ist eine Voraussetzung für die Zusammenarbeit. Die Organisation bietet ihren Vertragsproduzenten Schulungen und technische Beratung. Derzeit unterstützt ALLPA rund 700 Familien. 150 von ihnen arbeiten als Familienbetriebe, die übrigen in Handwerksgruppen oder Kooperativen. Frauen sind vorwiegend im textilen Bereich tätig, Männer in der Schmuck- und Keramikherstellung. Die Produktpalette umfasst das ganze Spektrum traditionellen peruanischen Kunsthandwerks wie Ziergegenstände, Krippenfiguren, Schmuck, Textilien, Alpakaprodukte, Keramik und Körbe. Die Zierkeramiken und Krippen werden überwiegend in den Slums von Lima hergestellt. ALLPA ist ein langjähriger Handelspartner von gepa, El Puente und von Eine Welt TEAM Versand sowie der Deutschen Welthungerhilfe die in Deutschland faire Produkte vertreiben.

Die Vermarktungsorganisation MINKA wurden 1978 gegründet und versteht sich als Fair-Handelsorganisation des peruanischen Südens. Rund 70 unterschiedliche Produzentengruppen arbeiten mit MINKA zusammen. Dazu gehören kleine Kooperativen und Familienunternehmen in Armenvierteln der Städte, wo über 70 Prozent der Gesamtbevölkerung lebt, als auch kleine Bauernfamilien in ländlichen Regionen. Neben den berühmten Alpaka-Textilien vermarktet MINKA auch traditionelles Kunsthandwerk wie Keramiken, Wandteppiche oder Musikinstrumente. Über die Direktvermarktung ohne Zwischenhändler erhalten die Produzenten bessere Preise für ihre Produkte. MINKA bietet ihnen auch organisatorische und künstlerische Beratung, um die Marktfähigkeit der Produkte zu verbessern. Außerdem können die Produzentengruppen soziale Dienste und Bildungsangebote der Fair-Handelsorganisation nutzen. Die Tonprodukte, Korbwaren und Alpakapullover, die von MINKA-Produzenten hergestellt werden, sind im Sortiment von gepa und EL Puente zu finden.

Eine weitere Vermarktungsorganisation, die sich auf die Vermarktung traditionellen Kunsthandwerks in Peru spezialisiert hat, ist CIAP (Central Interregional de Artesanos del Perú). Das traditionelle Handwerk sichert vielen Menschen, insbesondere in den Slumvierteln von Lima, eine Verdienst- und Überlebensmöglichkeit. CIAP organisiert für sie die Direktvermarktung und bietet ihnen faire Preise und langfristige Abnahmeverträge. Die angeschlossenen Handwerksgruppen stellen u.a. Keramiken, Steinschnitzereien, Musikinstrumente, Alpakatextilien und Schmuck her. CIAP bietet den Produzenten Schulungen, technische Beratung und Unterstützung beim internationalen Vertrieb der hergestellten Kunstgegenstände. Das CIAP-Sortiment finden Interessierte bei gepa.


Chile

COMPARTE ist eine gemeinnützige Organisation, deren Hauptaufgabe die Unterstützung kleinbäuerlicher Handwerksbetriebe in den ländlichen Regionen Chiles ist. Hier ist das traditionelle Handwerk eine wichtige Einkommensquelle. COMPARTE ermöglicht den Handwerksgruppen einen Zugang zum Markt und bietet ihnen faire Preise sowie Finanzierungshilfen. Die Organisation arbeitet derzeit mit 55 verschiedenen Werkstadtgruppen. Zum Sortiment gehören hier neben Schmuck auch traditionelle Specksteinprodukte: Tierfiguren, Eier, Dosen u.ä. Sie werden hauptsächlich in der Kleinstadt Combarbala hergestellt. Hier wird Combarbalita, eine besondere Specksteinart, abgebaut und verarbeitet. Wegen seiner besonderen Zusammensetzung und Struktur gehört er zu den Halbedelsteinen. Ursprünglich wurden die Combarbalita-Erzeugnisse allein auf den heimischen saisonalen Kunsthandwerkmärkten verkauft. Mit Hilfe von COMPARTE können die Specksteinproduzenten ihre Ziergegenstände und Haushaltsartikel weltweit vermarkten und ihr Einkommen weitgehend unabhängig von der Touristensaison in Chile sichern. Allerdings verdienen die Produzenten nur wenig über dem gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn. Zu den Aufgaben von COMPARTE gehören die Vermittlung von Aufträgen, Vergaben von Finanzierungshilfen, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit. Das Kunstwerksortiment von COMPARTE finden Interessierte im Sortiment von EL Puente.