Holzwerkstoffplatten

Bauherren greifen bei der Verkleidung von Decken, Wänden und Böden gern auf Holzwerkstoffe zurück. Mit ihrer guten Schalldämmung und der leichten Handhabung sind sie auch bei Heimwerkern beliebt. Marktführer ist die Spanplatte, in den letzten Jahren werden auch verstärkt mitteldichte Faserplatten und OSB-Platten verkauft.

Gefertigt werden Holzwerkstoffe aus Spänen oder Fasern, die mit einem Bindemittel verbunden sind. Als Rohstoffe dienen Abfallhölzer und Schwachhölzer aus der Durchforstung der Wälder, was maßgeblich zu ihrer insgesamt guten Umweltbilanz beiträgt. Denn Holzwerkstoffe enthalten heute rund 60 Prozent Altholz und können insofern als Recyclingprodukt bezeichnet werden.

Spanplatten bestehen aus Holzspänen, die mit einem Bindemittel unter hohem Druck zu Platten gepresst werden. OSB-Platten sind spezielle Spanplatten, die aus drei Schichten ausgerichteter Flachspäne bestehen. Sie werden mit geringem Leimanteil hergestellt und im Innenausbau wegen der dekorativen Sichtfläche naturbelassen verwendet.

Holzfaserplatten werden im Unterschied zu Spanplatten durch Hacken, Schleifen und Kochen von Restholz gewonnen. Die Fasern werden mit Kunstharzen gebunden und zu Platten gepresst. Am weitesten verbreitet sind mitteldichte Faserplatten, kurz MDF-Platten genannt.

Holzwolleleichtbauplatten (HWL-Platten) werden aus Holzwolle und mineralischen Bindemitteln wie Zement oder Magnesit hergestellt. Sie bieten für alle mineralischen Putze einen idealen Haftuntergrund. Häufig werden sie wegen ihrer guten Schall- und Wärmedämmeigenschaften zur Innen- und Außenwanddämmung eingesetzt.



Spanplatten in der Diskussion
Holzwerkstoffe sind in die Diskussion geraten, als man Ende der 80er Jahre in Spanplatten bedenkliche Mengen Formaldehyd fand. Das farblose, stechend riechende Gas löst sich aus den Klebstoffen und gelangt in die Raumluft. Erhöhte Formaldehydkonzentrationen bewirken Schleimhautreizungen in Augen und Nase und führen zu Hustenreiz, Unwohlsein, Kopfschmerzen und Atembeschwerden.

Entscheidend für die Ausgasung von Holzwerkstoffen ist die Art des verwendeten Klebers. Eingesetzt werden zum einen konventionelle Harnstoffharze, aus denen relativ viel Formaldehyd entweicht. Sie sind nicht witterungsfest und nur in Räumen mit geringer Luftfeuchte einsetzbar. Im Laden erkennt man sie an der Bezeichnung "V 20". Im Unterschied dazu enthalten die witterungsresistenten Holzplatten Phenol- oder Melaminharze, deren Formaldehydabgabe relativ gering ist. Sie werden mit "V 100" bezeichnet. Zu dieser Klasse zählen auch Spanplatten mit formaldehydfreien MDI-Harzen. Als Bindemittel fungieren hier Isocyanate, deren Herstellung zwar die Umwelt belasten kann, die jedoch fest in den Spanplatten gebunden sind und nicht in die Raumluft gelangen.

Besonders leicht tritt Formaldehyd aus unbeschichteten Holzwerkstoffplatten aus. Sie sind im Innenausbau nur erlaubt, wenn sie zur Emissionsklasse E 1 gehören. E 1 bedeutet, dass sie die Luft in einer einen Kubikmeter großen Prüfkammer mit höchstens 0,1 ppm Formaldehyd belasten. Dieser Wert entspricht einer Raumluftkonzentration von etwa 0,12 mg/m3 und wurde vom früheren Bundesgesundheitsamt (BGA) als gesundheitlich unbedenklich eingestuft. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft allerdings bereits Belastungen von unter 0,1 ppm als bedenklich ein. Außerdem können auch formaldehydarme Produkte unter ungünstigen Bedingungen Raumluftbelastungen von über 0,1 ppm hervorrufen - etwa wenn sich besonders viele Holzwerkstoffe auf engem Raum befinden.

Label für Holzwerkstoffplatten
Orientierung beim Kauf von Holzwerkstoffplatten bieten der Blaue Engel und in einigen Produktsegmenten inzwischen auch das natureplus-Zeichen. Wesentliches Vergabekriterium ist bei beiden Zeichen eine geringe Formaldehydabgabe. Der Blaue Engel setzt die Grenze bei einer maximalen Raumluftbelastung von 0,05 ppm. Darüber hinaus wird geprüft, ob Phenole oder Isocyanate aus den Platten entweichen. Natureplus setzt als Maßstab 0,03 ppm Formaldehyd und begrenzt darüber hinaus die Freisetzung flüchtiger organischer Verbindungen.