Leihen, mieten, tauschen

Viele Menschen nennen eine große Menge Hausrat ihr Eigen. Doch vieles wird nur selten gebraucht oder steht seit Jahren unnütz herum. Braucht man wirklich eine eigene Skiausrüstung, wenn es nur alle paar Jahre in den Ski-Urlaub geht? Eine Alternative wäre da das Ausleihen vor Ort. Das spart Platz bei der Anreise und ist ökonomisch sinnvoller.

Beim Stichwort "Ausleihen" fällt vielen zunächst das persönliche Umfeld ein. Und tatsächlich können Familienmitglieder oder Freunde oftmals mit Dingen aushelfen. Schon aus Gründen der Kosten lohnt es sich also, zunächst zu überlegen, wer was vielleicht sein Eigen nennt und eine entsprechende Anfrage zu starten. Im Familien- und Freundeskreis wird man für die Gefälligkeit sicher auch selbst irgendwann etwas verleihen. Anders als beim Tauschen ist es jedoch nicht der Kern des Geschäfts.

Tauschens, das ein wechselseitiges Geben und Nehmen ist, hatte seine institutionelle Blütezeit in der Wirtschaftskrise der zwanziger und dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. 1979 wurde in Kanada diese Tauschring-Idee unter der Bezeichnung "Local Exchange Trading System (LETS)" wiederbelebt. Dabei lässt sich der Begriff "Tauschring" als organisierter Austausch von Gütern und Dienstleistungen innerhalb eines bestehenden Teilnehmerkreises beschreiben. Geld oder andere gesetzliche Zahlungsmittel fließen innerhalb solcher Tauschringe nicht.

Auch in Deutschland gibt es lokale Tauschsysteme, also langfristig angelegte private Zusammenschlüsse, innerhalb derer getauscht wird. Begriffe wie Tauschbörse, Tauschgemeinschaft, Tauschnetz, Waren- und Dienstleistungsbörse, Tauschkreis, Aktivbörse, Zeittauschring, Zeittauschbörse, Talente-Zirkel, Talentemarkt, Tauschzirkel, erweiterte Nachbarschaftshilfe, Nachbarschaftshilfeverein oder Verrechnungsring sind oft Synonyme für solche Zusammenschlüsse. Sie alle unterscheiden sich zwar in ihrer Organisation, ihre Ziele lassen sich jedoch nach Angaben der Tauschringzentrale wie folgt beschreiben:
  • Unabhängigkeit von Arbeitsmarkt und Geld.
  • Förderung sozialer Netze und der Gemeinschaft.
  • Beitrag zu einer gerechteren Verteilung von Arbeit und Werten.
  • Unterstützung der sozialen Kompetenz, Eigenverantwortlichkeit, Selbsthilfe sowie des kommunikativen Handelns ihrer Mitglieder.
  • Förderung lokaler Ökonomien und eines ökonomischen Umdenkens.
  • Entwurf neuer Konsummuster und Lebensstile.Erprobung neuer Arbeitsformen.
  • Aufbau einer Kultur des Gebens und Nehmens.

Wer sich fürs Mitmachen in einem Tauschring interessiert, sollte sich in seiner Umgebung sehr genau erkundigen. Oft nämlich sind sie recht instabil und funktionieren lediglich als Ausnahmelösungen für Extremsituationen. Sie können zudem kaum eine breite, verlässliche Versorgung mit den benötigten Dienstleistungen oder Gütern gewährleisten. Von Fall zu Fall kann es aber dennoch lohnenswert sein, sich aktiv in einen Tauschring einzubringen.