Initiativen für Nachhaltigkeit in Unternehmen

Ökologisches und sozial gerechtes Handeln ist keineswegs reine Privatsache. Gerade Unternehmen sind, im Kleinen wie im Großen, ebenfalls in der Pflicht. Zahlreiche Organisationen und Initiativen setzen sich dafür ein, die Verantwortung auf der Seite der Unternehmen hervorzuheben, sie in die Pflicht zu nehmen oder sie in ihrem Bemühen um nachhaltiges Handeln zu unterstützen. Beispielhaft stellen wir Ihnen hier drei solcher Initiativen vor.


Nachhaltigkeit in Unternehmen: MIMONA
Nur wenn die Mitarbeiter gut informiert und vor allem motiviert sind, lässt sich der Begriff der Nachhaltigkeit als Leitbild für Unternehmen etablieren und mit Leben füllen. Das Projekt MIMONA gibt dabei Hilfestellung für Unternehmen.

Seit der weltweiten Umweltkonferenz in Rio de Janeiro im Jahr 1992 hat sich der Begriff der nachhaltigen Entwicklung zunehmend in der politischen Diskussion etabliert. Er umschreibt das Ziel, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entscheidungen auch an ihren ökologischen und sozialen Auswirkungen zu messen. Das Wirtschaften der Menschen in aller Welt soll sich demnach an den Grenzen der natürlichen Ressourcen orientieren. Sie sollen so bewirtschaftet werden, dass auch folgende Generationen noch Nutzen daraus ziehen können. Inzwischen fühlen sich zunehmend auch Unternehmen diesem Leitbild verpflichtet. Für ihre Praxis bedeutet Nachhaltigkeit, ihr Handeln und die Entscheidungen so auszurichten, dass sie langfristigen gesellschaftlich-sozialen, ökologischen und ökonomischen Interessen gerecht werden. Die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit - Soziales, Umwelt und Ökonomie - müssen gleichermaßen betrachtet werden, wenn unternehmerische Entscheidungen in ihrer Gesamtwirkung beurteilt und optimiert werden sollen. Minimalanspruch ist dabei, dass Maßnahmen einer Dimension nicht eine andere beeinträchtigen, dass also beispielsweise eine ökonomische Entscheidung keine ökologischen Schäden nach sich zieht. Wirken sich Maßnahmen und Entscheidungen auf zwei oder sogar alle drei Dimensionen der Nachhaltigkeit günstig aus, ist das Maximalziel erreicht.

Nachhaltigkeit lässt sich jedoch nur dann als Leitbild für unternehmerisches Handeln etablieren, wenn die Mitarbeiter gut informiert und vor allem motiviert sind, das Leitbild umzusetzen. Schon heute haben zahlreiche Unternehmen nicht nur Entscheidungen im Sinne eines nachhaltigen Wirtschaftens getroffen, sondern auch wirksame Maßnahmen zur Information und Motivation ihrer Mitarbeiter ergriffen. Jedoch haben andere kaum die Möglichkeit, von diesen guten Beispielen zu erfahren und zu lernen. Damit gute Vorbilder den Impuls für andere Unternehmen geben können, baut das Projekt MIMONA eine Datenbank auf, in der erfolgreiche Praxisbeispiele der Motivation von, Kommunikation mit und Einbindung von Mitarbeitern zu nachhaltigem Handeln im Betrieb erfasst werden. Interessierte Unternehmen können auf diese Informationen direkt über die Datenbank, über einen E-Mail-Informationsdienst und im Rahmen einer Veranstaltungsreihe zurückgreifen.

MIMONA steht für "Mitarbeiter-Motivation zur Nachhaltigkeit". Mit diesem Projekt stellen der Bundesdeutsche Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management e.V. (B.A.U.M. e.V.) und die Stiftung Arbeit und Umwelt der IG Bergbau, Chemie, Energie Unternehmen eine Datenbank zur Verfügung, in der erfolgreiche Praxisbeispiele zu finden sind. Unternehmen treffen zahllose Entscheidungen gesellschaftlich-sozialer, ökologischer oder ökonomischer Natur, die längst nicht alle Wirkung im Sinne der Nachhaltigkeit entfalten. MIMONA stellt daher unter www.mimona.de allen Interessierten eine Übersicht der Bereiche zur Verfügung, in denen Maßnahmen wünschenswerte Wirkungen auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit entfalten können. So werden unter anderem Maßnahmen zur Verbesserung der Unternehmenskultur, zur Umsetzung der Arbeitnehmerrechte, der Familien- und Jugendförderung und des Arbeitsschutzes sowie regionales, nationales oder internationales soziales Engagement als gewinnbringend für die Nachhaltigkeitsdimension Soziales aufgeführt. Maßnahmen wie diejenigen zum Klimaschutz, zur Verringerung von Lärm, zur Baubiologie, des Tierschutzes, der Ökologie im Büro oder auch der Umweltbildung können positive Umweltwirkungen entfalten.

Mehr Informationen und die Praxisbeispiele finden Sie online unter www.mimona.de.


Kleine Idee, große Wirkung: Die Faire Kiste
Über 800 Weltläden, 27.000 Supermärkte und zahlreiche Bioläden sind gute Bezugsquellen für alle, die mit dem Kauf fair gehandelter Produkte einen Beitrag zu gerechtem Welthandel leisten wollen. Wer seine Kollegen, Freunde und andere Menschen zum Beispiel in Schulen, Büros, Kirchengemeinden oder Cafeterias von der Qualität fair gehandelter Lebensmittel überzeugen möchte, kann zusätzlich auf eine einfache Idee aus Berlin zurückgreifen: Die Faire Kiste.

Eine einfache Holzkiste wird zum transportablen Schaufenster umgestaltet, in dem der jeweilige "Inhaber" direkt vor Ort Kaffee, Tee, Schokolade oder andere Lebensmittel aus Fairem Handel zum Verkauf anbietet. Die Vorteile liegen auf der Hand: Wer den Fairen Handel unterstützen will, kann dies ohne Umwege tun, wer die Produkte noch nicht kennt, kann sie probieren und seine Lieblingssorten entdecken. 

Der Inhaber der Fairen Kiste bezieht seine Ware von einer gepa-Regionalstelle zu Großhandelspreisen oder über einen Weltladen, wo er die Waren auf Kommission einkaufen kann. Das Design der Kiste muss sich nur nach dem zur Verfügung stehenden Platz richten und kann in Schulen zum Beispiel im Werkunterricht hergestellt werden. In Berlin bewähren sich inzwischen über 20 Faire Kisten in Schulen, Gewerkschaftshäusern und Bundestagsbüros. Für alle, die selbst aktiv werden wollen, ist der Miniweltladen Faire Kiste eine einfache Idee mit großer Wirkung, die zur Nachahmung empfohlen wird.


Unternehmen in die Verantwortung nehmen: CorA
Die Arbeit trans- und international agierender Unternehmen hat Auswirkungen auf die weltweite ökologische und soziale Entwicklung sowie auf politische Entscheidungen. Sie gestaltet Arbeitsbedingungen ebenso wie Produktions- und Konsummuster. Vor diesem Hintergrund setzt sich das Netzwerk CorA dafür ein, dass transnationale Unternehmen und ihre Zulieferer in ihrem Handeln die Menschenrechte sowie international vereinbarte Sozial- und Umweltstandards respektieren.

Hunger, Armut, Ausbeutung, Gewalt, illegale Kinderarbeit, gesundheitsschädliche Arbeits- und Lebensbedingungen sowie ökologische Schäden sind weltweit für Millionen Menschen Alltag. Ein Teil davon lässt sich auch auf die Arbeit transnational agierender Unternehmen zurückführen. Freiwillige Selbstverpflichtungen im Rahmen einer "Corporate Social Responsibility" können diese globalen Probleme allein nicht lösen. Im Netzwerk CorA - die Abkürzung steht für Corporate Accountability (zu deutsch: Unternehmensverantwortung) - engagieren sich daher neben Menschenrechtsorganisationen, Gewerkschaften, kirchlichen und entwicklungspolitischen Organisationen auch Verbraucher- und Umweltverbände für eine am Gemeinwohl orientierte Unternehmensverantwortung. Gemeinsam wollen sie eine gesellschaftliche Debatte über das wirtschaftliche und politische Handeln transnationaler Unternehmen gestalten und auf politische Entscheidungen im Sinne eines verantwortungsvollen unternehmerischen Handelns hinwirken. Ziel ist die langfristige Veränderung politischer und wirtschaftlicher Strukturen, um so über Staatengrenzen hinweg zu einer menschrechtskonformen Wirtschaftsweise zu kommen, die sozial und ökologisch verträglich ist. Die dafür notwendigen Regulierungen sind aus Sicht des Netzwerks nicht nur aus ethischen, sondern auch aus Gründen des Gemeinwohls notwendig. Das Netzwerk fordert insbesondere:

  • Rechenschafts- und Veröffentlichungspflicht für Unternehmen
    Die Unternehmen sollen belegen, dass sie in ihrem Handeln die Menschenrechte sowie Sozial- und Umweltnormen entlang der Wertschöpfungskette respektieren. Im Rahmen dieser Rechenschaftspflicht soll die Öffentlichkeit zudem Zugang zu den Energie- und Umweltbilanzen sowie den Aufstellungen der Ausgaben für Sponsoring, Lobby-Arbeit der Unternehmen erhalten. 
  • Vergabe öffentlicher Aufträge an gesellschaftliche Anforderungen knüpfen
    Öffentliche Aufträge sollen nur an Unternehmen gehen, die (ebenso wie ihre Zulieferer) Menschenrechte sowie Sozial- und Umweltstandards respektieren und ihre Rechenschaftspflichten erfüllen. Darüber hinaus sollen die Schritte der öffentlichen Beschaffung und der Vergabe von Aufträgen durch die öffentliche Hand der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. 
  • Verankerung von Unternehmenspflichten im Rahmen der Wirtschaftsförderung sowie in internationalen Wirtschaftsabkommen
    Staatliche Bürgschaften, Zuschüsse, staatlicher Investitionsschutz und andere Hilfen aus öffentlichen Kassen sollen nur jenen Unternehmen gewährt werden, die sich nachweislich verantwortungsvoll verhalten. 
  • Gerechte Besteuerung von Unternehmen zum Nutzen der Gesellschaft
    Regierungen sollen Unternehmen entsprechend ihrer wirtschaftlichen und ökologischen Leistungen besteuern. Notwendige Voraussetzung dafür sind harmonisierte Steuerregeln, konsequentes Vorgehen gegen Steuerflucht und Steuervermeidung sowie die wirksame Verfolgung von Steuerhinterziehungen.
  • Stärkung der Produktverantwortung und Förderung zukunftsfähiger Konsum- und Produktionsmuster
    Neben einer gesellschaftlichen Auseinandersetzung über sozial- und umweltverträgliche Konsummuster sollen die Regierungen klare Vorgaben zum Ressourcenverbrauch entwickeln und gegen die Herstellung und Verbreitung sozial- und umweltschädlicher Produkte vorgehen.
  • Sanktionen und Haftungsregeln für Unternehmen.

Weitere Informationen finden Sie unter www.cora-netz.de.