Bleichen ohne Chlor

Zellstoff muss, um für grafische Papiere geeignet zu sein, gebleicht werden. In früheren Zeiten wurde dafür elementares Chlor eingesetzt. Da Chlor sehr reaktionsfreudig ist, entstehen bei diesem Verfahren leicht Verbindungen aus Chlor und organischen Kohlenwasserstoffen. Chlorierte Kohlenwasserstoffe, zu denen auch die Dioxine gehören, sind nur sehr schwer abbaubar und bleiben lange in der Umwelt. Weil diese so genannten chlororganischen Verbindungen leicht von lebenden Organismen aufgenommen (absorbiert) werden, reichern sie sich über die Nahrungsketten im Fettgewebe von Tieren und Menschen an und schädigen Nerven, Leber und Nieren.

Seit Ende der 1980er Jahre wird Zellstoff in Deutschland und vielen anderen Staaten nicht mehr mit elementarem Chlor gebleicht. Stattdessen wenden die Hersteller Chlordioxid (ECF-Bleiche) oder Sauerstoff und seine Verbindungen (TCF-Bleiche) an:

ECF-Bleiche (Elementary Chlorine Free)
Wird statt elementarem Chlor Chlordioxid eingesetzt, entstehen im Zuge der Zellstoffbleiche deutlich weniger Dioxine und andere chlororganische Verbindungen. Etwa 1 kg absorbierbarer halogenhaltiger Verbindungen (AOX), zu denen auch die chlororganischen Verbindungen gehören, entstehen pro Tonne hergestellten Zellstoffs. Sie lassen sich jedoch trotz aller Bemühungen nicht vollständig aus dem Abwasser der Zellstofffabriken entfernen. So gelangt unter anderem auch das Braunalgen-schädigende Chlorat in die Umwelt. Zwar ist es durchaus möglich, den so genannten AOX-Wert, also die Menge ins Abwasser gelangender halogenorganischer Verbindungen, bei der ECF-Bleiche sehr niedrig zu halten. Dafür müssen jedoch im Verfahren Komplexbildner eingesetzt werden, die ihrerseits kaum aus dem Abwasser entfernt werden können. Sie sind in der Lage, langfristige Schwermetalle aus den Böden zu lösen, die so langsam aber sicher auch ins Trinkwasser gelangen können.

TCF -Bleiche (Totally Chlorine Free)
Im Rahmen der TCF-Bleiche wird vollständig auf Chlorverbindungen verzichtet und so die Umweltbelastung gering gehalten. Das Bleichen besorgen stattdessen Sauerstoff und seine hoch reaktiven Verbindungen wie Peroxid und Ozon. Dieses Verfahren kann problemlos immer dann eingesetzt werden, wenn der Zellstoff durch sauren Aufschluss in Sulfitverfahren hergestellt wird. Wird er dagegen im Sulfatverfahren gewonnen, sind auch bei der TCF-Bleiche Komplexbildner nötig, um die noch enthaltenen Schwermetalle aus dem Zellstoff auszuschwemmen.

Trotz dieser Möglichkeiten, die Umweltbelastungen durch die Zellstoffindustrie gering zu halten, werden noch immer 20 % des weltweit erzeugten Zellstoffs mit elementarem Chlor gebleicht. Das TCF-Verfahren wird dagegen nur für 5 % des Zellstoffs angewandt. Weltweit überwiegt die nicht ganz ohne Chlor auskommende ECF-Bleiche. Zwar wird Zellstoff in Deutschland stets chlorfrei gebleicht. Doch auch hierzulande wird Zellstoff aus anderen Staaten zu Papier verarbeitet, der durchaus auf anderen Wegen gebleicht worden sein kann. Auch die Formulierung "chlorfrei gebleicht" hilft Verbrauchern da nicht weiter: Sie ist sowohl für ECF- als auch für TCF-gebleichte Papiere zulässig.