Rohstoff Altpapier

Schon 1774 erschien ein erstes Buch über die Möglichkeiten, gebrauchtes Papier erneut zu Papier zu verarbeiten. Und tatsächlich lohnt sich die Entscheidung für Altpapier als Rohstoff mehrfach: Zwar bleibt die Papierproduktion auch künftig auf Frischfasern angewiesen, weil die Altpapieraufbereitung die Papierfasern mechanisch beansprucht. Dadurch brechen kurze Faserstücke ab, die dann ausgewaschen werden. Wenn keine neuen Fasern, beispielsweise aus alten Zeitschriften, wieder in den Altpapierkreislauf gelangen würden, blieben bei mehrmaligem Recycling immer weniger brauchbare Fasern übrig. Doch die Verwendung von Altpapier kann den Bedarf an Primärfasern deutlich senken. Und auch insgesamt sinkt der Ressourcenverbrauch durch den Einsatz von Altpapier in der Papierproduktion erheblich: Nach Angaben des Kritischen Papierberichts 2004 sind zur Herstellung von einem Kilogramm Papier aus Primärfasern etwa 2,5 kg Holz sowie zwischen 30 und 100 Liter Wasser und etwa 3 - 6 kWh Strom nötig. Für ein Kilogramm Papier aus Altpapier-Fasern, braucht es dagegen nur 10 - 20 l Wasser und 1 - 3 kWh Strom. Zugleich fällt bei der Produktion von Recyclingpapier weniger Abfall an.

Längst nicht alle verbrauchten Papiere sind jedoch auch zur Wiederverwertung geeignet: Spezial- und Verbundpapiere etwa sind für den "Papier-Kreislauf" ebenso verloren wie Toilettenpapier, Kosmetiktücher und andere Hygienepapiere. Solche Papiere sowie verschmutzte Verpackungsmaterialien sollten daher nicht in die Altpapiersammlung gegeben werden. Darüber hinaus ist auch Altpapier von unterschiedlicher Qualität und nicht in jedem Fall für jede Form der Weiterverarbeitung geeignet. Weiße Schreib- und Druckpapiere und wenig bedruckte Papiere aus Primärfasern gehören zum guten Altpapier. Zu den mittleren Altpapiersorten werden etwa benutzte Büropapiere, Buchseiten, der Verschnitt aus Druckereien, Zeitungen und Verpackungskartons gezählt. Mit über 80 % des gesammelten Altpapiers überwiegen die unteren Sorten deutlich. Zu ihnen gehören unter anderem die gemischte Sammelware aus den Privathaushalten, alte Telefonbücher und auch Illustrierte.

In Deutschland werden etwa 14 Millionen Tonnen Altpapier pro Jahr zu neuem Papier verarbeitet. Beinahe zwei Drittel des eingesetzten Altpapiers findet sich dabei in Verpackungen und Kartonagen wieder, rund 10 % werden zu Toilettenpapier, Taschentüchern und anderen Hygienepapieren. Beinahe die Hälfte der hierzulande hergestellten Papiere haben den Zweck, bedruckt oder beschriftet zu werden (grafische Papiere). Ein Drittel davon sind Zeitungen, die zu großen Teilen aus Altpapier hergestellt werden. Der Einsatz von Altpapier für die Herstellung anderer grafischer Papiere - zum Beispiel Heften, Schreibblöcken, Briefumschlägen usw. - ließe sich jedoch deutlich steigern.

Verbraucher können sich heute bei beinahe allen Alltagsgegenständen aus Papier auch für Produkte aus Recyclingpapier entscheiden. Sie sind, entgegen sich hartnäckig haltender Vorurteile, in der Anwendung genauso gut wie ihre Gegenstücke aus Primärfasern. Im Sinne des Schutzes der Wälder und eines sparsamen Umgangs mit natürlichen Ressourcen sind Papierprodukte aus Altpapier die erste Wahl.