Die Rohstoffe

Manch einer wird sich vielleicht sagen "Was soll schon drin sein, in einem Computer? Ein bisschen Metall, etwas weiches Plastik und viel hartes Plastik..." Was auf den ersten Blick so kompakt und übersichtlich aussieht, ist tatsächlich ein hochkomplexes Gebilde. Der Bedarf an Rohstoffen und Energie ist dafür gewaltig. Zwar fehlt bislang eine vollständige Ökobilanz. Die Schätzungen des Wuppertal-Instituts und eine UN-Studie geben jedoch eine recht deutliche Vorstellung: Etwa 19.000 kg Rohstoffe sind, einschließlich der zur Energiegewinnung nötigen Brennstoffe, insgesamt nötig, um einen einzigen PC herzustellen. Neben rund 1.500 Litern Wasser, 22 kg chemischer Stoffe und 240 kg fossile Energieträger sind es auch Edel- und Schwermetalle, die einen Rechner überhaupt erst funktionstüchtig machen: Kupfer, Zinn, Gold, Coltan-Erz und viele andere Metalle aus allen Teilen der Welt stehen so unbemerkt auf und unter Millionen Schreibtischen. Ihre Gewinnung erfolgt allzu oft unter unmenschlichen Arbeitsbedingungen und bringt nicht selten schwere ökologische Schäden mit sich.

So ist etwa Kobalt (Co, auch: Cobalt) vor allem als wichtiger Bestandteil von Batterien und Farbstoffen bekannt. Schätzungsweise ein Viertel des weltweit abgebauten Kobalts wird jedoch in Produkten der Informationstechnologie eingesetzt; in Mobiltelefonen und mp3-Playern beispielsweise aber auch in Laptops und Digitalkameras. Das grau glänzende Metall wird aus verschiedenen Erzen unter anderem in den USA, Kanada, Kuba, Neuseeland und Australien gewonnen. Die weitaus größten Kobalt-Produzenten sind jedoch die DR Kongo, Sambia, die zusammen mehr als die Hälfte des weltweit geförderten Kobalts liefern. Nach Studien der Initiative makeITfair arbeiten in den Kobalt-Minen der DR Kongo schätzungsweise 50.000 Kinder, jeder dritte Minen- und Bergarbeiter in den Kobalt-Minen der kongolesischen Region Katanga ist ein Kind oder Jugendlicher unter 18 Jahre. Ohne Schutzkleidung oder auch nur einen Atemschutz sind die Minenarbeiter den giftigen Dämpfen ausgesetzt, die bei der Kobalt-Gewinnung entstehen. Böden und Gewässer in den Minenregionen sind infolge der Abbau- und Verhüttungsprozesse verschmutzt.

Auch Gold (Au), das wegen seiner besonders guten Leitfähigkeit und Dehnbarkeit in der Elektronikindustrie unter anderem zur Herstellung von Chips und elektronischen Schaltern eingesetzt wird, wird meist unter fragwürdigen Bedingungen gewonnen. Der Abbau erfolgt unter anderem in den USA (Kalifornien), Lateinamerika, Australien, Kanada und Russland, die weitaus größten Vorkommen befinden sich jedoch in Südafrika. Dort wird das edel glänzende Metall im Tagebau aus Gestein isoliert - mit oft verheerenden ökologischen und sozialen Folgen. Nicht selten werden die Flächen für die großräumigen Tagebauten durch Zwangsumsiedlungen und Enteignungen "erschlossen". Eine angemessene Entschädigung erhalten die einstigen Siedler und Landbesitzer nur in Ausnahmefällen. Um das Gold aus dem Gestein zu gewinnen, werden die obersten Bodenschichten abgetragen und zermahlen. Im Anschluss kommen Zyanid-Verbindungen, das sind die Salze der hochgiftigen Blausäure (HCN) zum Einsatz: Mit ihrer Hilfe wird das reine Gold aus seiner Umgebung gelöst. Zwar gibt es inzwischen weniger gefährliche Methoden der Goldgewinnung - aus Kostengründen wird jedoch nach wie vor überwiegend mit Zyanid gearbeitet. Die giftigen Verbindungen werden über die Atemluft, die Haut oder durch verseuchtes Wasser aufgenommen und führen bei Menschen und Tieren zu Vergiftungserscheinungen bis hin zum Tod. Im Zuge der Goldgewinnung mittels Zyanidlaugung entstehen zudem oftmals Säuren, die auch andere giftige Elemente wie Arsen, Quecksilber oder Blei aus den Gesteinen lösen - auch sie gelangen so in die umliegenden Böden und Gewässer.

Aus Südafrika stammt auch ein Großteil des weltweit geförderten Platins (Pt), das in Computerfestplatten sowie Mobiltelefonen und Flachbild-Bildschirmen aber auch für die Herstellung von Drei-Wege-Katalysatoren eingesetzt wird. Das graue Metall, das auch in Russland, Kanada und Kolumbien vorkommt, liegt nicht als Element in der Erde. Stattdessen ist es ein kleiner Teil besonderer Erze, die außer Platin vor allem Nickel und Kupfer sowie einige Schwermetalle enthalten. Um Platin-Minen zu erschließen, wurden nach Angaben der niederländischen Nichtregierungsorganisation SOMO allein in Südafrika rund 17.000 Menschen umgesiedelt. Eine Entschädigung erhielten weder die Gemeinden noch die Familien selbst. Der Abbau der platinhaltigen Erze erfolgt in unterirdischen Stollen - Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit erschweren die gefährliche Arbeit der Bergarbeiter. Etwa 40 % der Arbeiter in den südafrikanischen Platin-Minen sind Leiharbeiter. Ihre Löhne sind noch niedriger als die der regulären Beschäftigten, Sicherheitsmaßnahmen für die Arbeiter sind generell kaum vorhanden. Das extrem selten vorkommende Platin ist das edelste und härteste Metall. Wegen der weiter hohen Nachfrage und der steigenden Preise werden inzwischen auch Minen wieder geöffnet, die bereits als unwirtschaftlich geschlossen waren.

Im Zusammenhang mit der Herstellung von IT-Produkten wird immer wieder von Coltan gesprochen. Hinter dieser Kurzbezeichnung verbirgt sich das Erz Columbit-Tantalit (= Niobit-Tantalit), das wegen der beiden Metalle Niob (Nb, auch: Columbium) und Tantal abgebaut wird. Das hitze- und säurebeständige Tantal wird in der High-Tech-Industrie unter anderem zur Herstellung von Mikroprozessoren, Mobiltelefonen und Notebooks eingesetzt. Der größte Teil der weltweit bekannten Coltan-Vorkommen liegt in Australien sowie im Osten der DR Kongo. Über kleinere Mengen verfügen zudem Kanada, Brasilien und Deutschland. In der DR Kongo kommt dem Erz eine auch politisch unrühmliche Rolle zu: Die verschiedenen Bürgerkriegsparteien finanzierten ihren Kampf unter anderem aus Einnahmen aus dem - nicht selten illegal und auch aus den Nachbarstaaten heraus organisierten - Coltan-Abbau. Die ökologischen und sozialen Folgen des ungeregelten Abbaus sind fatal. So wurde unter anderem auch in Nationalparks nach dem Erz geschürft und so der Lebensraum zahlreicher Pflanzen und Tiere, wie etwa der Gorillas, gefährdet.