Seite weiterleiten

Seite weiterleiten










Pestizide

In Monokulturen wie den Bananenplantagen breiten sich Krankheiten besonders schnell aus. Ohne ein Gleichgewicht aus verschiedenen Tier- und Pflanzenarten, sind die Bananen sehr anfällig für Schimmel, Viren, Insekten und Würmer. Die Gefahr, Ernten durch Schädlinge zu verlieren oder nicht vermarkten zu können, ist groß. Häufig werden die Stauden zudem sehr dicht gepflanzt, um so den Ertrag pro Hektar zu erhöhen. Das begünstigt die Ausbreitung von Krankheiten zusätzlich. Und auch die Vermehrungsart der Bananenpflanze arbeitet den Schädlingen in die Hände: Da sie durch Schösslinge und nicht durch Samen vermehrt wird, findet kein genetischer Austausch statt. Die Gene der am meisten angebauten Sorte Cavendish ist seit Jahrzehnten unverändert. Dadurch kann die Pflanze keine Abwehrmechanismen gegen Pilze und Viren entwickeln.

Der Schutz der Bananenpflanzen vor Schädlingen und Krankheitserregern ist im konventionellen Anbau chemischer Natur. Allein gegen den berüchtigten Pilz Sigatoka negra, der problemlos komplette Plantagen ruinieren kann, werden die Pflanzen etwa 40 mal im Jahr mit speziellen Pflanzenschutzmitteln behandelt. Hinzu kommen unzählige Präparate gegen Würmer, Insekten und Unkräuter. Da die Krankheitserreger Resistenzen gegen die Gifte entwickeln, kommen immer neue, wirksamere Pestizide zum Einsatz. Allein in Costa Rica werden jährlich etwa 40 kg Pflanzenschutzmittel auf jeden Hektar der Bananenpflanzungen aufgebracht. Dabei werden die Mittel per Flugzeug aus der Luft oder direkt von Hand auf die Pflanzen gesprüht, gelangen über die Plastiksäcke auf die Fruchtstände oder gehen über den Boden in die Pflanzen. Bis zu 50 mal im Jahr fliegen Pestizid-Flugzeuge über die Anpflanzungen.

Große Monokulturen und der massive Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden versprechen auf den ersten Blick höhere Einnahmen. Während die Gewinne jedoch vor allem auf Seiten der Fruchthandelsunternehmen gemacht werden, die ihren Sitz in den USA oder Europa haben, bleiben die ökologischen Schäden bei den Bananenbauern in den Anbauregionen. Ein großer Teil der Pflanzenschutzmittel wird verweht. Auch auf die Häuser der Plantagenarbeiter. Die Gifte gelangen zudem leicht in umliegende Gewässer, wo sie Fische töten und das ökologische Gleichgewicht stören. Die zur Düngung zerkleinerten, toten Bananenpflanzen bringen Pflanzenschutzmittelrückstände in die Böden. Diese sind durch den direkten Einsatz und Verwehungen sowieso mit Düngemittel- und Pestizidrückständen belastet. Über Ausschwemmungen ins Grundwasser gehen Pestizide ihren Weg ins Trinkwasser und schließlich in die Meere. Korallenriffe und Fischbestände vor den Küsten der Bananenanbauländer werden auf diese Weise schwer geschädigt.

Auch dem umliegenden Regenwald entstehen durch die intensiven Bananenkulturen große Schäden. Die Böden, die im Regenwald von Natur aus nährstoffarm sind, laugen schnell aus. Regelmäßige Regenfälle schwemmen Boden und mit ihm die Rückstände von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln weg. Erosion und die Verunreinigung der Gewässer sind die Folgen. Um das Land weiter für den Bananenanbau nutzen zu können, wird mit mehr Düngemitteln gearbeitet. Da auch die Pflanzenwurzeln durch die ungesunde Zusammensetzung der Böden geschwächt sind, braucht es mehr Pestizide, um Schädlingen vorzubeugen.

Die rabiaten Anbaumethoden führen so zu einem Kreislauf, in dessen Verlauf die natürlichen Ressourcen der Bananenanbauregionen vernichtet werden. Auch finanziell ist dieser fatale Kreislauf schwer zu durchbrechen: Gegen Einnahmeverluste durch Ernteschäden werden Chemikalien eingesetzt, die viel Geld kosten. Um diese Kosten wieder einzuspielen, müssen Ernten und Absatz garantiert und wenn möglich noch gesteigert werden. Dafür sind wiederum leicht lösliche Dünger und Pflanzenschutzmittel nötig.