Bananen aus Fairem Handel
In der langen Kette vom Bananenschössling bis ins hiesige Obstangebot sind die Arbeiter auf den Bananenplantagen das schwächste Glied. Sie tragen die gesundheitlichen Risiken und sind abhängig von den geringen Löhnen für ihre schwere Arbeit. Die Ausbeutung der ökologischen Ressourcen durch den intensiven Anbau der Früchte trifft sie unmittelbar. Alternativen bietet ihnen der Faire Handel.
Der Faire Handel ist ein alternatives Handelssystem, in dem soziale und ökologische Standards verwirklicht werden, die den Arbeitern und Bauern in den Ländern der so genannten Dritten Welt eine sichere und menschenwürdige Existenz ermöglichen. Wichtigstes Merkmal ist der faire Preis, den sie für ihre Waren erhalten. Die Bananenbauern aus Ländern Lateinamerikas und Afrikas verkaufen ihre Früchte an Partnerorganisationen und Unternehmen zu einem garantierten Mindestpreis, der für jedes Land die Markt- und Produktionsbedingungen berücksichtigt. Dieser Mindestpreis deckt in jedem Fall die Produktions- und Lebenshaltungskosten der Erzeuger. Grundlage sind dabei die Kosten für ökologisch und sozial angemessene Produktionsbedingungen. Zu den Lebenshaltungskosten werden auch Ausgaben für medizinische Versorgung und Schulbesuche der Kinder gezählt. Die konkrete Höhe wird von der internationalen Dachorganisation des Fairen Handels (Fair Trade Labelling Organizations International, FLO) in Absprache mit ihren nationalen Mitgliedsorganisationen und den Produzenten festgelegt. Zusätzlich zum Mindestpreis, erhalten die Produzenten für jede in den Fairen Handel verkaufte Kiste Bananen (ca. 18 kg) einen Fairtrade-Aufschlag. Er beläuft sich zurzeit auf 1,75 US-Dollar und dient der Finanzierung gemeinschaftlicher Projekte. Alle Mitglieder der Produzentenorganisation bzw. alle Beschäftigen einer Plantage entscheiden gemeinsam über seine Verwendung. Bildungs- oder Gesundheitsprojekte, die Verbesserung der Infrastruktur oder die Umstellung auf ökologische Landwirtschaft können mit Hilfe des Fairtrade-Aufschlags realisiert werden. Ein weiteres wichtiges Merkmal fairer Handelsbeziehungen sind langfristige Lieferverträge. Die Abnehmer der Früchte, die sie nach und in Europa mit den Gütesiegeln des Fairen Handels verkaufen, verpflichten sich auf längere Zeit zur Abnahme bestimmter Mengen. Zusammen mit dem garantierten Mindestpreis schafft dies für die Bauern eine Planungsgrundlage für ihr Unternehmen.
Die Bananenplantagen und Kleinbauerngenossenschaften, die für den Fairen Handel produzieren, müssen ihrerseits bestimmte soziale und ökologische Bedingungen einhalten. Sie sind politisch unabhängig und demokratisch organisiert. Sie weisen regelmäßig nach, dass die Entscheidung über die Verwendung der Mehrerlöse aus dem Fairen Handel demokratisch und gemeinschaftlich getroffen werden. Das Management und die Verwaltung arbeiten transparent und kontrollierbar. Die Betriebe sind verpflichtet, arbeitsrechtliche und soziale Mindeststandards einzuhalten. Dazu gehören zum Beispiel die Bereitstellung von Schutzkleidung, feste Arbeitsverträge, geregelte Pausenzeiten und bezahlte Überstunden. Zwangs- und Kinderarbeit sind verboten. Maßnahmen zum Schutz der Gewässer und der Böden vor Erosionen sind ebenfalls obligatorisch. Der Einsatz von chemisch-synthetischen Pestiziden wird auf das unbedingt notwenige Maß beschränkt, beim Umgang mit den giftigen Chemikalien werden besondere Schutzmaßnahmen ergriffen.
In Genossenschaften sind selbstständige Bauern mit eigenem Land zusammengeschlossen. Für Plantagen, auf denen Arbeiter gegen Lohn für einen bestimmten Eigentümer arbeiten, gelten im Fairen Handel zusätzliche Regeln, um die Rechte der Arbeiter zu stärken. So haben alle Plantagenarbeiter das Recht, Mitglied in einer Gewerkschaft zu sein und sich in eigenen, unabhängigen Vertretungen für das Aushandeln von Löhnen und Arbeitszeiten zusammenzuschließen.
Der Faire Handel ist international organisiert. Erzeugerorganisationen, Importeure und Händler, die Bananen nach den Richtlinien des Fairen Handels herstellen bzw. vermarkten, sind bei der FLO registriert. Die Abnehmer, die fair gehandelte Bananen nach und in Europa verkaufen, sind verpflichtet, die Ware ausschließlich bei Erzeugern einzukaufen, die bei der FLO als Partner registriert sind. Heute arbeiten weltweit 18 Erzeuger in Afrika, Lateinamerika und in der Karibik unter fairen Bedingungen. In Ghana, Brasilien, Kolumbien, Ecuador, Peru, Costa Rica, der Dominikanischen Republik und auf den Windward-Inseln arbeiten Bananenproduzenten für den Fairen Handel, elf von ihnen betreiben ökologischen Anbau: Fünf der Produzentenorganisationen in der Dominkanischen Republik, drei in Peru und vier in Ecuador. Alle aus Ecuador stammenden Bananen aus fairem Handel sind damit auch ökologisch erzeugt.
Die meisten Produzenten des Fairen Handels handeln mit Frischfrüchten. Ein faires Projekt in Costa Rica stellt aber auch getrocknete Bananen sowie Bananenpüree für die Saftindustrie her. Auch eine der ecuadorianischen Partnerorganisationen erzeugt Bananenpüree, das für Herstellung der Fruchtsaftes Batida del Mundo verwendet wird, den es in den hiesigen Weltläden gibt.
Die fairen Bananen, die Sie hierzulande in Welt- und Bioläden und seit Mai 2004 auch in Supermärkten finden, stammen aus Ecuador, der Dominikanischen Republik und Peru wo sie auf Plantagen und von Kleinbauernkooperativen ökologisch angebaut werden. Zwei Organisationen sorgen dafür, dass es diese Früchte in Deutschland gibt:
BanaFair e.V. ist seit 1986 auf den Import und die Vermarktung fairer Bananen spezialisiert. Seitdem arbeitet der Verein mit Kleinproduzenten in Lateinamerika und der Karibik zusammen, die ihre Ware auf diese Weise unabhängig von den großen Fruchthandelskonzernen nach Europa exportieren können.
Die unabhängige Siegelorganisation TransFair e.V. vergibt das TransFair-Siegel, an dem Sie beim Einkauf die fairen Bananen auf einen Blick erkennen. Weil die Früchte ökologisch angebaut und zertifiziert sind, tragen sie zusätzlich das Bio-Siegel.
Die meisten frischen Früchte aus Fairem Handel werden in Großbritannien verkauft, die Supermarktkette co-op ist dabei führend. Wie Italien, Belgien, die Schweiz und die Niederlande, zieht Deutschland langsam nach. Seit Mai 2004 sind Bananen mit dem TransFair-Siegel in allen Kaiser′s- und Tengelmann-Filialen unter der Marke Naturkind, in Edeka-Filialen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland unter der Marke Bio-Wertkost, bei Wal Mart unter dem Namen Ökofrucht, Coop Kiel sowie Dohle Hit im Sortiment. Die Früchte stammen aus Ecuador, der Dominkanischen Republik, den Winward-Inseln und Peru und sind sämtlich ökologisch erzeugt.







