Öko-fairer Kaffee

Bio-Kaffee mit Fairtrade-Siegel
Öko-faire Initiativen der gepa
Öko-faire Initiativen von El Puente
Öko-faire Initiativen von Rapunzel

Bio-Kaffee mit Fairtrade-Siegel
Die FLO arbeitet zurzeit mit 171 Produzentengruppen aus 24 Ländern zusammen. Davon bietet ein Teil ökologisch erzeugten Kaffee an. Der Mindestpreis, den die Importeure an die Produzentenorganisationen zahlen, liegt bei 121 US-Cents pro englischem Pfund Kaffee. Ein englisches Pfund (lb) entspricht 0,454 kg (die Einheiten englisches und amerikanisches Pfund bezeichnen dieselbe Menge). Hinzu kommt ein Aufschlag auf den Weltmarktpreis, der, unabhängig von der jeweils aktuellen Höhe des Weltmarktpreises, stets bei mindestens 5 US-Cents/lb liegt. Für Kaffee aus biologischem Anbau erhalten die Produzenten einen Aufschlag von 15 US-Cents/lb. Wie bei anderen Rohstoffen auch schwankt der Kaffee-Weltmarktpreis. Im Jahresdurchschnitt 2002 lag er für Arabicas bei knapp 62 US Cents pro englischem Pfund und für Robustas bei 30 US Cents/lb. Die Lizenzgebühren von 0,11 Euro für jedes Pfundpaket Kaffee, die die Hersteller (Röster) an TransFair e. V. zahlt, werden zusätzlich zu dem festgelegten Mindestpreis bezahlt. 

Folgende Firmen bieten Bio-Kaffee mit Fairtrade-Siegel an:

  • Gepa (großes und vielfältiges Angebot)
  • Lebensbaum Ulrich Walter GmbH (bezieht fair gehandelten Kaffee aus Chiapas in Mexiko)
  • J.J. Darboven, Drie Mollen Holding (die Marke Pedro Natural) und Neuteboom
  • Kleinere Röstereien wie Anton Hensler GmbH (Naturland-zertifizierter Kaffee, über Versand)
  • Franz Niehoff GmbH (Coffea natura, Primero und Espresso unter anderen Markenamen vertrieben)

Öko-faire Initiativen der gepa
Die gepa ist seit Mitte der 70er Jahre auf dem Gebiet des fairen Kaffeehandels aktiv und hat inzwischen 31 Handelspartner in den Anbauländern Lateinamerikas und Afrikas. Der gepa-Kaffee stammt von Kleinbauern-Kooperativen, von denen ein großer Teil (ca. 16) ausschließlich oder teilweise ökologisch angebauten Kaffee anbieten oder sich in der Umstellungsphase auf ökologische Kaffeeproduktion befinden. Über die Hälfte des Kaffee-Angebots der gepa ist Bio-Kaffee. Die Bauern erhalten einen festen Aufschlag auf den Weltmarktpreis und für Kaffe aus anerkannt ökologischem Anbau zusätzlich einen Bio-Zuschlag. Durch die Einnahmen des fairen Handels kann die Finanzierung von  Gemeinschaftsaufgaben wie z. B. Gesundheitsstationen, Landwirtschaftsschulen, Frauenprojekte, landwirtschaftlich-technische Beratung und modernere Verarbeitungsanlagen ermöglicht werden. Die gepa unterstützt die Kooperativen, von denen sie den Kaffee bezieht, bei der Umstellung auf ökologischen Landbau. Dabei wird nach Möglichkeit eine Zusammenarbeit mit nationalen Verbänden für ökologischen Anbau angestrebt, wie z. B. mit BIOLATINA, einem Zusammenschluss von nationalen Zertifizierungsorganisationen aus Nicaragua, Peru und Bolivien. Deren Richtlinien entsprechen der EG-Öko-Verordnung. In anderen Ländern gibt es inzwischen entsprechende Organisationen. Partner der gepa im fairen Handel mit ökologischem Kaffee ist die Naturland Zeichen GmbH, die im Auftrag von Naturland e. V. das Zeichen und Lizenzen für Produkte vergeben. Dabei arbeitet Naturland mit den nationalen Zertifizierungsorganisationen zusammen und gibt Know-how und Erfahrungen weiter, damit in den einzelnen Ländern eigenständige Strukturen aufgebaut werden können.

Kaffeegenossenschaft Tiemelonlá Nich KŒlum, Mexiko
Der Name bedeutet "die Kaffeebohne, die uns eint". Tiemelonlá Nich KŒlum ist eine Kooperative mit 600 Kleinbauern aus 37 Gemeinden, die ausschließlich ökologischen Kaffee der Sorte Arabica in 1.000 - 1.200 m Höhe anbauen. Der Rohkaffee ist von Naturland zertifiziert. Etwa 80 % der Kaffeeernte wird vom fairen Handel abgenommen. Die Erntezeit dauert von Dezember bis März. Die Gewinnung der Kaffeebohnen mit dem nassen Verfahren erfolgt vor Ort, für die trockene Verarbeitung nutzen die Bauern die Anlage einer benachbarten Genossenschaft. Die Genossenschaft liegt in Chiapas und wurde 1986 gegründet. Dabei wurde sie anfangs von der Genossenschaft UCIRI aus dem Nachbarstaat Oaxaca unterstützt.

Inzwischen sind in der Zentrale der Kooperative fünf Mitarbeiter beschäftigt: ein Buchhalter, ein Verantwortlicher für die Lagerhaltung und drei technische Fachkräfte, außerdem in der Zeit der Kaffee-Einkäufe eine Sekretärin auf Teilzeitbasis. Die Familien der Mitglieder bauen neben Kaffee Mais, Bohnen, Gemüse und Früchte für den Eigenbedarf an. Mitsprache und Aktivitäten der Frauen werden gefördert. Es werden z. B. Weiterbildungen zu Gesundheitsfragen und Ernährung angeboten. Durch den fairen Handel haben sich die Lebensbedingungen der Kaffee-Bauern, die Mitglieder bei Tiemelonlá Nich KŒlum sind, erheblich verbessert. Viele Familien haben heute besser ausgestattete Wohnungen und können sich mit mehr Hintergrundwissen um die Erziehung, Ernährung und Gesundheit ihrer Kinder kümmern. Die Mitglieder der Genossenschaft erhalten Aus- und Weiterbildungen zu ökologischem Landbau. Mit dem Mehrpreis aus dem fairen Handel und den zusätzlichen Bio-Prämien konnte eine Baumschule für Kaffeepflanzen und ein Labor eingerichtet werden. In der Baumschule werden Kaffeepflanzen gezüchtet, die resistent gegen Schädlinge sind und gute Erträge sowie eine gute Qualität liefern. In dem Labor züchten Techniker einen Pilz zur biologischen Bekämpfung des Kaffeekirschbohrers und des Kaffeerosts, die zu gravierenden Ernteausfällen führen können. Es wurden Mitarbeiter ausgebildet, die in den Gemeinden die Bauern vor Ort bei der Anwendung dieser Methoden beraten. Die Kooperative unterhält außerdem Arbeitsbeziehungen und einen Austausch mit anderen Kaffeekooperativen wie z. B. UCIRI.

Die Genossenschaft Tiemelonlá Nich KŒlum ist ein Beispiel für einen Handelspartner für Bio-Kaffee der gepa. Weitere Produzentenorganisationen, von denen die gepa Kaffee in Bio-Qualität bezieht, sind in Mexiko:

  • UCIRI (Unión de Communidades Indigenas de la Región del Istmo) mit 2.300 Mitgliedern
  • Yeni Navan (Etnias Michiza),  "Yeni Navan" bedeutet in der indianischen Sprache "lebendiges Licht", der Begriff Etnias Michiza leitet sich von den Bezeichnungen der fünf ethnischen Gruppen ab, die in dem Gebiet der Kooperative (ca. 1.075 Mitglieder) leben. Der Bio-Kaffee trägt das Naturland-Zeichen.
  • ISMAM (Indigenas de la Sierra Madre de Motozintla, Sociedad de Solidaridad Social) mit ca. 1.500 Mitgliedern, die Kaffee mit Naturland-Zeichen liefern
  • CIRSA (Communidades Indigenas de la Región de Simjovel de Allende), eine Genossenschaft mit 500 Mitgliedern
  • UCOAAC (Unión de Cafetaleros Organicos de Angel Albino Corzo) mit 100 Mitgliedern, der Kaffee trägt das Naturland-Zeichen
  • CEPCO (Coordinadora Estatal de Productores de Café de Oaxaca) mit ca. 23.000 Mitgliedern der größte Zusammenschluss, liefert Kaffee mit Naturland-Siegel

In Kolumbien:

  • INGRUMA, ein nach einem Indio-Oberhaupt benannter Verband von Kleinbauern mit rund 1.200 Mitgliedern
  • ASPROVEGA (Asociación des Prudoctores de Alimentos des la Vega), eine Erzeugergemeinschft von 129 Kleinbauern

In Niceragua:

  • UCPCO (Unión de Cooperativas Productoras de Café Organico), besteht aus 4 Kooperativen mit etwa 100 Mitgliedern
  • CECOCAFEN (Central de Cooperativas Cafetaleras del Norte) mit 2000 Mitgliedern
  • SOPPEXCA (Sociedad de Pequenos Productores Expotadores y Compradores de Café S.A) mit 250 Mitgliedern

In Honduras:

  • RAOS (Cooperativa Regional Mixta de Agricaltores Organicos de la Sierra) mit 400 Kaffeebauern

In Guatemala:

  • Asociación Chajul, eine Genossenschaft mit 3.000 Kleinbauern
  • FEDECOCAGUA (Federatión de Cooperativas Agricolas de Productores de Café de Guatemala) mit 20.000 Mitgliedern. Eine Reihe von Kooperativen aus dem Verband haben auf ökologischen Anbau umgestellt und erzeugen von Naturland zertifizierten Bio-Kaffee

In Bolivien:

  • Kooperative Alto Salama mit ca. 71 Mitgliedern

Öko-faire Initiativen von El Puente
In Süd-Kolumbien bauen viele Kleinbauern Coca (Koka) und Mohn an, um ihren Lebensmunterhalt zu sichern. Der Kaffeeanbau ist wegen der mangelnden Absatzchancen zurückgegangen oder wurde ganz aufgegeben. Seit 1994 läuft in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) und dem Comité Departamental de Cafeteros del Cauca das Projekt "Café Organico" ("Biokaffee statt Coca") mit dem Ziel, den Kaffeeanbau in der Region wieder anzukurbeln und den Bauern eine Alternative zum illegalen Kokahandel durch ausreichende Einkommen anzubieten. Das Projekt unterstützt die beiden Genossenschaften ASPROVEGA und Nuevo Futuro. ASPROVEGA wurde 1991 gegründet und umfasst 129 Mitglieder, von denen aus finanziellen Gründen zurzeit nur 40 im Rahmen des Projektes betreut werden. Nuevo Futuro ist eine Initiative von 47 Biobauern, die 1995 gegründet wurde. 1996 schlossen sich weitere 37 Bauern an. Die Bauern werden zu Fragen des Anbaus und besonders des ökologischen Anbaus, der Erarbeitung von Umstellungsplänen und der Qualitätskontrolle beraten und geschult. Daneben wird die Kaffeeaufbereitungsanlage zur Gewinnung des Rohkaffees verbessert. Der kontrolliert biologische Kaffee wurde von anerkannten lateinamerikanischen Kontrollstellen zertifiziert. Es handelt sich um Kaffee der Sorte Arabica, der in 1.000 - 1.200 Metern Höhe angebaut wird. El Puente hat als Starthilfe die gesamte exportfähige Produktion abgenommen. Ein weiteres, von der GTZ unterstütztes "Biokaffee-statt-Coca"-Projekt läuft in Peru, von dem El Puente Bio-Kaffee bezieht.

Handelspartner für Bio-Kaffee in Nicaragua ist die Genossenschaft COSATIN (Cooperativa de Servicios Agropecuarios Tierra Nueva), die etwa 350 Mitglieder umfasst. Neben dem Bio-Kaffee werden vor allem Zitrusfrüchte, Bananen und Kakao angebaut.

Öko-faire Initiativen von Rapunzel
Rapunzel bezieht Bio-Kaffee für die Produktreihe "Gusto Café" aus der Dominikanischen Republik und arbeitet mit Miguel Mélo von der Firma Américo Melo zusammen. Miguel Mélo ist Kaffeebauer, Verarbeiter und Exporteur. Er ist verantwortlich dafür, dass die sozialen und ökologischen HAND-IN-HAND-Kriterien eingehalten werden, die Bauern und Arbeiter Mindestlöhne erhalten, sozialversichert sind, geregelte Arbeitszeiten und Urlaub haben und keine Kinder beschäftigt werden. Er überwacht den Anbau der Pflanzen. In seiner Fabrik werden auch die Bohnen von 24 weiteren Kaffee-Bauern verarbeitet, die ihre Felder auf 900-1.200 m Höhe in teilweise schwer zugänglichem Gelände in den Bergen bewirtschaften. Der Kaffeeanbau erfolgt in Mischkulturen nach ökologischen Anbaumethoden.

Bevor der Rohkaffee exportiert wird, wird er auf langen Tischen in der Fabrik von Frauen per Hand sortiert. Diese Qualitätsauslese verschafft den Frauen in der Region Arbeitsplätze, vor allem in Teilzeit. In anderen Betrieben wird überwiegend eine elektronische Sortiermaschine eingesetzt, die die Arbeitsplätze ersetzt. Der Transport des Rohkaffees nach Deutschland per Schiff dauert ca. 2 Wochen. Erst hier werden die Kaffeebohnen in einem Spezialbetrieb geröstet und verpackt. Für den Rohkaffee zahlt Rapunzel einen stabilen Mindestpreis, der von den Schwankungen des Weltmarktes unabhängig ist. Miguel Mélo gibt die Erlöse an die Bauern weiter. Durch die stabilen Preise und die langfristigen Handelsbeziehungen haben sich die Lebensbedingungen der Bauern verbessert, z. B. konnten an den Häusern Wassertanks zum Auffangen des Regenwassers angebracht werden, die Bauern und ihre Familien erhalten medizinische Versorgung und mit Hilfe von HAND-IN-HAND-Geldern konnte eine Schule errichtet werden.