Schnell und einfach durch den Label-Dschungel

Anna Stoltenberg

Verbraucher haben viele Möglichkeiten, sich über Produkte und ihre Herstellungsbedingungen zu informieren. Testergebnisse von Prüfinstituten, Medienberichte, das Internet oder der Austausch mit anderen Konsumenten sind einige der Optionen. Labels bieten für Konsumenten den „schnellen Rat“. Wir sprachen dazu mit Anna Stoltenberg, Referentin bei Label-online - einem Portal, das Labels bewertet und beschreibt.

oeko-fair.de: Was genau sind Labels?

Anna Stoltenberg: Ein Label ist erstmal ein Oberbegriff hinter dem bestimmte Informationssysteme und Marketinginstrumente stehen. Wenn man über Labels oder den gleichbedeutenden Begriff Siegel spricht, meinen wir damit einen Zusatzhinweis auf eine bestimmte Qualität eines Produktes oder einer Dienstleistung.

oeko-fair.de: Auf den Produkten stehen schon zahlreiche Angaben. Wozu dienen Labels dem Verbraucher?

Anna Stoltenberg: Verbraucher haben verschiedene Möglichkeiten, sich über Produkte und deren Qualitätsaspekte zu informieren. Ein Label bietet ihnen den schnellen Rat, da es über das Zeichen auf einen Blick wesentliche Informationen über das Produkt darstellt. Umfragen, wie beispielsweise die Otto-Trendstudie 2013 belegen dies: 77 Prozent der Befragten geben an, dass ihnen Labels wie das EU-Bio-Zeichen, das Fair-Trade-Zeichen oder der Blaue Engel die Kaufentscheidung vereinfachen. Viele Verbraucher fühlen sich allerdings von der Vielzahl der Zeichen überfordert und begrüßen Angebote, die die Komplexität und den Zeitaufwand verringern. Label-online greift diesen Wunsch der Verbraucher auf, indem es schnell und einfach einen Weg durch den Label-Dschungel zeigt. Label-online bietet sozusagen den schnellen Rat zum schnellen Rat.

oeko-fair.de: Wie kann man sich im Dschungel der Labelwelt orientieren?

Anna Stoltenberg: Viele Verbraucher berücksichtigen Labels für eine Kaufentscheidung. Viele wissen aber nicht, was ein Label genau bedeutet. Die Bekanntheit einzelner Labels ist sehr unterschiedlich. Einzelne Zeichen sind den meisten geläufig und – zumindest gefühlt – auch die Aussage dahinter. Auf Label-online erkennt der Verbraucher auf einem Blick, was ein Label bedeutet, welches Qualitätsversprechen es einhält und ob es ein empfehlenswertes Label ist.

oeko-fair.de: Was macht ein gutes Label aus?

Anna Stoltenberg: Ein seriöses Label folgt bestimmten Kriterien. Es sollte zum Beispiel einen gewissen Anspruch formulieren – das gelabelte Produkt sollte einen klaren Mehrwert gegenüber anderen Produkten aufweisen. Die Vergabe sollte dazu unabhängig vom Zeichenträger sein und möglichst von Dritten überprüft werden. Die Vergabekriterien sollten dem Verbraucher kostenlos zur Verfügung stehen. Die Labelnehmer müssen regelmäßig kontrolliert werden und die Zertifikate sollten nur für einen bestimmten Zeitraum gelten. Die Bewertung muss regelmäßig wiederholt werden, schließlich ändern sich Herstellungsbedingungen und die Ansprüche der Verbraucher. Auch sollte ein Label eindeutig erkennbar und nicht mit anderen Zeichen zu verwechseln sein.

oeko-fair.de: Wie funktioniert Label-online?

Anna Stoltenberg: Label-online folgt diesen Kriterien, bewertet und beschreibt in einem aufwendigen Verfahren Labels anhand einer transparenten Bewertungsmatrix. Diese wurde von der VERBRAUCHER INITIATIVE e. V. gemeinsam im Dialog mit Vertretern von Unternehmen, Verbänden, Wissenschaft und Politik entwickelt. Anhand dieser Kriterien werden auf Label-online mittlerweile rund 600 Labels beschrieben und bewertet. Unterschieden werden vier Bewertungsstufen von „besonders empfehlenswert“ bis „nicht empfehlenswert“. Labels, die ökologische und soziale Aspekte in ihren Zertifizierungsprozess mit einbeziehen, sind mit einem AS Labelgekennzeichnet.

oeko-fair.de: Warum benötigt man Label-online als App?

Anna Stoltenberg: Gerade dort, wo der Verbraucher auf Labels trifft – nämlich am Supermarktregal, in der Drogerie oder im Kaufhaus, braucht er einen schnellen Rat bei seiner Kaufentscheidung. Die App bietet ihm die kostenlose Möglichkeit, sich während des Einkaufens zu informieren. Mit seinem Smartphone kann er das Bildzeichen einfach abfotografieren oder den Namen des Siegels über die Texteingabe eingeben und erfährt sofort, was das Label bedeutet und welches Qualitätsversprechen es gibt. Die gleichnamigen Apps für die Betriebssysteme iOS und Android stehen seit April 2014 auf Label-online oder in den jeweiligen App-Stores kostenlos zum Download zur Verfügung. Ab Herbst 2016 wird es auch die App für das Windows Phone geben.

oeko-fair.de: Wie lange gibt es Label-online schon?

Anna Stoltenberg: Seit dem Jahr 2000 beschreibt und bewertet die VERBRAUCHER INITIATIVE e. V. nach der einheitlichen Bewertungsmatrix Labels. Mittlerweile umfasst die Datenbank rund 600 Labels und Managementstandards in 15 verschiedenen Kategorien. Möchte man sich vor oder nach dem Einkauf informieren, kann man dies jeder Zeit ganz bequem und kostenlos von zu Hause über www.label-online.de.