"Weniger Rendite? Das Vorurteil ist längst widerlegt"

Christof_LützelGrüne Banken blieben vom Vertrauensverlust der Verbraucher in die Finanzbranche verschont, allen voran die GLS Bank, das älteste grüne Geldinstitut Deutschlands. GLS steht für „Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken“ und die Bank vergibt Kapital nur an ökologische, soziale oder kulturelle Projekte. Zu ihren Grundsätzen gehört, dass Geld Sinn stiften muss und Profit erwirtschaften darf – in dieser Rangfolge. Langjähriger Pressesprecher der GLS Bank ist Christof Lützel, der angesichts glänzender Geschäftszahlen seiner Bank eine in der Branche derzeit wohl seltene Heiterkeit ausstrahlt.

oeko-fair.de: Die milliardenschwere Rettung angeschlagener Banken durch die Allgemeinheit dankt die Finanzbranche zum Ärger vieler Steuerzahler allem Anschein nach mit einem „Weiter wie bisher“. Bankkunden haben also einen guten Grund sich zu fragen, wo ihr Geld überhaupt dauerhaft sicher aufgehoben ist. Inwiefern eignen sich nachhaltige Geldanlagen als sicherer Hafen für das Geld von Sparern und Anlegern?

Christof Lützel: Leider muss ich bestätigen, dass es in der Finanzbranche wohl so weiter geht wie vor der Krise. Die nächste Blase zeichnet sich ab, denn nun stürzt man sich auf Rohstoffe und jongliert dabei schon jetzt mit Zahlen jenseits von Gut und Böse. Der allgemeine Verdruss gegenüber der Branche ist zwar nachvollziehbar, aber man muss auch unterscheiden. So wurden genossenschaftliche Banken, die ja mittelständische Unternehmen finanzieren, kaum von der Finanzmarktkrise berührt. Als Genossenschaftsbank gehört die GLS Bank zum Bundesverband der Volksbanken und Raiffeisenbanken. Für unsere Kunden ist auch das ein Plus an Sicherheit, weil die GLS Bank damit der genossenschaftlichen Sicherungseinrichtung angeschlossen ist, die den höchstmöglichen Einlagenschutz bietet. Erspartes ist bei uns in unbegrenzter Höhe sicher. Dagegen greift bei der Handvoll anderer grüner Banken mit Ausnahme der EthikBank nur die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro.

Nachhaltige Einlagen sind aber natürlich nur eine Möglichkeit, sein Geld anzulegen – es gibt auch sogenannte grüne Fonds. Wie für jeden anderen Fonds gilt auch für sie, dass sie in der Regel höhere Erträge abwerfen, aber dafür niemals so sicher wie Spareinlagen sein können. Schließlich sind sie direkt davon abhängig, wie erfolgreich die im Fonds vertretenen Unternehmen sind. Obwohl nachhaltige Fonds generell erfolgreich sind, konnten sie von der Krise allein wegen des gesamtwirtschaftlichen Abschwungs nicht verschont bleiben. Mit diesem fondstypischen Risiko gehen wir bei der GLS Bank sehr ehrlich um. Wenn wir in einer Beratung merken, dass ein Kunde ein hohes Sicherheitsbedürfnis hat, raten wir ihm zu klassischen und sicheren Einlagen.

oeko-fair.de: Ein häufiges Vorurteil über ethische Geldanlagen ist, dass man für sein gutes Gewissen mit weniger Rendite bezahlt. Wie steht es um die Erträge bei nachhaltigen Geldanlagen im Vergleich?

Lützel: Die GLS Bank-Kunden bekommen marktübliche Zinsen. Wenn es solche Vorbehalte gibt, so sind sie widerlegt. Das hat sich herumgesprochen und deswegen haben wir auch so einen hohen Zulauf. Das gilt übrigens auch im Fondsbereich. Grüne Fonds sind genauso leistungsstark wie und oft sogar einen Hauch besser als konventionelle Fonds. Möglichen Vorbehalten begegnen wir mit Transparenz: So veröffentlichen wir in jeder Ausgabe unserer Zeitschrift Bankspiegel einen Vergleich der GLS Bank-Zinsen mit Referenzzinssätzen, Marktkonditionen und sogenannten Angreiferangeboten anderer Banken. Das sind Aktionsangebote, die oft nicht halten was die Werbung verspricht und bei denen man die Fußnoten lieber sehr genau liest, wenn man wissen will, was sich wirklich dahinter verbirgt. Wir arbeiten grundsätzlich nicht mit solchen Tricksereien. In jedem Fall brauchen wir den Vergleich als sozial-ökologische Bank nicht zu scheuen, zumal wir in der Regel einen etwas besseren als den marktüblichen Zinssatz zahlen. Nicht zuletzt haben unsere Kunden einen zusätzlichen Sinngewinn, weil sie sich an ökologischer Landwirtschaft, an kulturellen oder sozialen Einrichtungen mit innovativen Ideen und Produkten beteiligen.

oeko-fair.de: Lassen sich denn die Verbraucher von den Prinzipen der GLS Bank überzeugen?

Lützel: Der enorme Kundenzulauf ist die beste Bestätigung. Momentan gewinnen wir etwa 1.300 bis 1.400 Kunden im Monat, das ist wirklich bemerkenswert. Besonders wenn man bedenkt, dass wir noch vor zehn Jahren etwa 1.500 Neukunden hatten – im ganzen Jahr. Allein im ersten Quartal dieses Jahres wuchs unsere Bilanz um 15 Prozent. Das ist sensationell, denn der Durchschnitt für Genossenschaftsbanken liegt bei einem bis zwei Prozent Wachstum jährlich. Alles in allem hatten wir Ende letzten Jahres 73.000 Kunden.

oeko-fair.de: Die Solarförderung wird zurückgefahren, der Ausbau Erneuerbarer Energien durch die Debatte zur Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken beschwert. Bedrohen diese Entwicklungen die Erträge ökologisch vertretbarer Investments?

Lützel: Die geplanten Kürzungen bei der Photovoltaik-Förderung halte ich für überschaubar, das kann die Branche verkraften und dem Zukunftsmarkt für regenerative Energien nichts anhaben. Und was die Laufzeitverlängerungen betrifft ist das letzte Wort meiner Ansicht nach noch lange nicht gesprochen. Ich glaube nicht, dass Atomkraftwerke in diesem Land eine Zukunft haben, auch wenn man sich zeitweilig in Sicherheit wiegt und dieser Hochrisikotechnologie einen harmlosen Anstrich gibt. Aber ehe es zum Ausstieg aus dem Atomausstieg kommt, wird die Öffentlichkeit wieder durch einen Zwischenfall in einem Reaktor aufgerüttelt, es gibt einen Regierungswechsel oder neue Skandale wie in Gorleben. In jedem Fall halte ich die Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke für nicht durchsetzbar und natürlich auch für völlig widersinnig. Es gibt also momentan keinen Grund, weshalb der Markt für regenerative Energiequellen von der Debatte beeinträchtigt werden sollte. Vor allem aber sollten wir alle endlich anfangen, wirklich Energie zu sparen. So beleuchten wir in der westlichen Welt nachts unsere Städte immer noch als gäbe kein morgen.

oeko-fair.de: Durch die Finanzmarktkrise haben viele Anleger erkennen müssen, dass sie eigentlich überhaupt nicht wissen, was die Bank mit ihrem Geld macht. Kann die GLS Bank dieser Verunsicherung etwas entgegen setzen wie eine besondere Transparenz?

Lützel: Da brauche ich uns gar nicht selbst loben, denn das hat Öko-Test in seiner März-Ausgabe bereits getan. Beim Vergleich grüner Banken haben wir als transparenteste Bank Deutschlands abgeschnitten, wobei unsere Transparenz als vorbildlich bewertet wurde.

oeko-fair.de: Eine Studie einer „Allianz Global Investors“-Tochter kam zum Schluss, dass selbst eine Beimischung nachhaltiger Aktien oder Fonds in konventionelle Portfolios diese entweder bei gleicher Rendite sicherer oder bei gleicher Sicherheit rentabler machen. Trotz solcher Argumente wissen die meisten Investmentberater mit dem Thema Nachhaltigkeit nicht viel anzufangen und auch viele Investoren schieben die Beschäftigung damit anscheinend auf die lange Bank. Glauben Sie, dass nachhaltig angehauchte Geldgeschäfte dennoch bald „Mainstream“ sind?

Lützel: Grünes Geld ist ein Zukunftsmarkt, davon bin ich überzeugt. Ich schätze, dass es in Deutschland zwischen 15 und 20 Millionen LOHAS gibt, die in allen Bereichen nach nachhaltigen Alternativen gucken, auch beim Geld. Aber es stimmt, dass grünes Geld noch zu wenig bekannt ist. Wenn man zu einer Bank geht, die nicht darauf spezialisiert ist, wissen die Berater damit entweder nichts anzufangen oder die Bank hat etwas Hellgrünes im Portfolio, wo beim Kunden eigentlich eine rote Lampe aufleuchten müsste. Aber im Ernst: Wenn man ein glaubwürdiges, dunkelgrünes Geldprodukt sucht, muss man zum Pionier gehen und das ist die GLS Bank.

oeko-fair.de: Geld hat Einfluss auf jeden Bereich der Wirtschaft und somit auch auf jene Branchen, die den Klimawandel be- oder entschleunigen. Inwiefern berücksichtigt die GLS Bank Aspekte des Klimawandels?

Lützel: Wir waren die erste Bank, die in Deutschland einen Windkraftfonds und einen Bio-Bodenfonds aufgelegt hat und auch im Photovoltaikbereich sind wir sehr stark. Aber auch abgesehen von unseren Produkten, die ohnehin klimaneutral sind, versuchen wir, Fragen des Klimawandels gerecht zu werden. Als vergleichsweise kleine Bank haben wir zwar bloß einen begrenzten Einfluss. Aber wir bieten zum Beispiel den von uns betreuten Firmen eine Beratung an, wie sie CO2-neutral arbeiten können. Und auf unserer Website gibt es einen Rechner, mit dem man seine persönliche Klimabilanz ausrechnen lassen kann. Den können Sie ja gleich mal ausprobieren!

veröffentlicht am 21. April 2010

Foto: GLS

www.gls.de