"Mangelnde Kontrollen gefährden die Recyclingqualität"

FranziskaMueller_DUHDas Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes wurde im Zuge der letzten Novelle auf mehr Ressourceneffizienz getrimmt. Ein Teil des Regelwerks ist die Verpackungsverordnung, deren Umsetzung unlängst von der Deutschen Umwelthilfe als mangelhaft kritisiert wurde. Dazu und zu anderen Themen befragten wir Diplom-Ingenieurin Franziska Müller, die bei der Umweltorganisation Projektmanagerin für Kreislaufwirtschaft ist:

oeko-fair.de: Es gibt viele Verpackungsmogler, die keine Lizenzgebühr in das duale System zahlen – das Risiko bestraft zu werden ist gering. Wo liegt der Hauptfehler im System?

Franziska Müller: In der mangelnden Kontrolle durch die Behörden: Unternehmen, die ihre Verpackungen gar nicht, unvollständig oder nicht korrekt lizenzieren, handeln ordnungswidrig. Da die möglichen Kosteneinsparungen aber relativ groß sind und das Risiko, von den zuständigen Kontrollbehörden ertappt zu werden in den meisten Bundesländern bislang gering ist, nehmen nicht wenige Unternehmen dieses Risiko in Kauf.

oeko-fair.de: Das Mülltrennen wird von weiten Teilen der Bevölkerung in Deutschland als wichtigster persönlicher Beitrag zum Umweltschutz angesehen. Wer sortiert erwartet, dass Getrenntes wiederverwertet wird. Wie wirkt sich die grassierende Nichtlizenzierung aber auf die Recyclingmengen in Deutschland aus?

Müller: Nach der Verpackungsverordnung müssen die im Rahmen der haushaltsnahen Sammlung, also über gelbe Tonnen und gelbe Säcke sowie Altpapier- und Altglascontainer, gesammelten Verpackungen zu einem Mindestanteil recycelt werden. Dieser Mindestanteil beträgt für Glas 75 Prozent, für Weißblech 70 Prozent, für Aluminium 60 Prozent, für Papier, Pappe und Karton 70 Prozent und für Kunststoffe 36 Prozent. Die dualen Systeme berechnen die jeweiligen Recyclingquoten auf Basis der lizenzierten Menge. Besonders bei Leichtverpackungen, wie beispielsweise Kunststoffbechern oder Getränkekartons, verursacht das Recycling – die Sortierung, Aufbereitung und stoffliche Verwertung – hohe Kosten. Wenn also die lizenzierte Menge an Verpackungen geringer ist als die tatsächlich anfallende Menge an Verpackungen gehen in der Regel wertvolle Sekundärrohstoffe dem Recycling verloren. Durch den erhöhten Kostendruck unter den dualen Systemen ist im Ergebnis auch mit einer sinkenden Recyclingqualität zu rechnen.

oeko-fair.de: Die Deutsche Umwelthilfe ermuntert Verbraucher schon seit Jahren dazu, ungenutzte Handys zu sammeln und für den Umweltschutz zu spenden. Beobachten Sie inzwischen eine größere Bereitschaft, das alte Handy abzugeben statt einzumotten?

Müller: Leider nicht. Im Vergleich mit der verkauften Menge Handys steigt die getrennt gesammelte Menge nur sehr leicht an. Es liegen also immer noch viele ungenutzte Handys in den Schubladen der Verbraucher. Dabei könnten diese Handys noch nützlich sein: Als wertvolle Rohstoffe für die Herstellung neuer Produkte. Durch das Recycling von Handys können Wertstoffe wie Gold und Kupfer zurück gewonnen und die Schadstoffe fachgerecht entsorgt werden. Das spart Ressourcen und schont die Umwelt.

oeko-fair.de: An Energiesparlampen wird immer wieder moniert, dass sie geringe Mengen Quecksilber enthalten. Dabei sind sie harmlos, solange sie nicht zerbrechen. Was aber ist mit der Umwelt? Sind die alten Glühlampen nicht zumindest beim Schwermetallvergleich umweltfreundlicher?

Müller: Nein, Glühlampen verursachen – obwohl sie kein Quecksilber beinhalten – durch ihren höheren Energiebedarf sogar höhere Quecksilberemissionen als Energiesparlampen. Beim deutschen Strommix, mit viel Strom aus Kohleverbrennung, werden nach Berechnungen des Öko-Instituts bei der Stromherstellung pro Kilowattstunde 0,0147 Milligramm Quecksilber emittiert. So verhindert jede gesparte Kilowattstunde auch den zusätzlichen Ausstoß des giftigen Schwermetalls. Hochwertige Energiesparlampen mit einer langen Brenndauer ersparen so der Umwelt mehr Quecksilber als sie selber enthalten. Natürlich muss die Lampe dennoch fachgerecht entsorgt werden. Ein einfaches Rechenbeispiel illustriert die Quecksilberbilanz: eine 60-Watt-Glühlampe verursacht bei einer täglichen Brenndauer von drei Stunden durch ihren Stromverbrauch knapp ein Milligramm Quecksilberemissionen pro Jahr, eine gleich helle 11-Watt-Energiesparlampe dagegen nur 0,2 Milligramm. Der anteilige Quecksilberinhalt der Energiesparlampe mit 10.000 Stunden Brenndauer beträgt zusätzlich maximal ein halbes Milligramm Quecksilber pro Lebensjahr, das allerdings bei der korrekten Entsorgung nicht in die Umwelt gelangt. Selbst wenn die Energiesparlampe nicht ordnungsgemäß entsorgt wird, verursacht sie durch den eingesparten Strom geringere Quecksilberemissionen als die Glühlampe.

oeko-fair.de: Der beste Abfall ist natürlich der, der gar nicht erst entsteht. Was ist Ihre persönliche „Top Drei“ zur Müllvermeidung im Alltag?

Müller: Bereits beim Einkaufen lässt sich viel Müll vermeiden. So sollte man zum einen Getränke in Mehrwegflaschen möglichst aus der Region kaufen und zum anderen zu offener oder verpackungsarmer Ware greifen, sowie einen Stoffbeutel dabei haben.

veröffentlicht am 16. Februar 2011

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