"Unternehmen müssen glaubwürdig sein"

Die VERBRAUCHER INITIATIVE hat in diesem Jahr zum dritten Mal Unternehmen ausgezeichnet, die sich für das Thema Nachhaltigkeit besonders engagieren. Projektleiterin Melanie Weber-Moritz über Interessen der Unternehmen und Ansprüche der Verbraucher

Melanie Weber-Moritz

oeko-fair.de: Sie haben festgestellt, dass das Engagement der Unternehmen in Bezug auf ihre Umwelt- und Sozialverantwortung gestiegen ist. Wie erklären Sie sich das?

Melanie Weber-Moritz: Ich denke, dass immer mehr Unternehmen erkennen, dass das nachhaltige Engagement Einfluss hat auf die Kunden- und Mitarbeiterbindung, auf das Interesse der Investoren und auf die Risiken, denen sie selbst ausgesetzt sind. Insofern entscheidet dieses Engagement über Marktanteile. Die Umwelt- und Sozialverantwortung bezieht dabei alle Bereiche eines Unternehmens mit ein: die Arbeitnehmerinteressen, den betrieblichen Umweltschutz und den Umweltschutz allgemein, menschenwürdige Arbeitsbedingungen in der Zuliefererkette, eine nachhaltige Produktpolitik und den Verbraucherschutz. Außerdem können sich Unternehmen über ihr Kerngeschäft hinaus sozial engagieren. Entscheidend ist dabei natürlich, dass sie mit ihren Aktivitäten glaubwürdig sind.

Auch Discounter engagieren sich

oeko-fair.de: Was können Handelsunternehmen für den fairen Handel tun?

Weber-Moritz: Dazu gibt es eine ganze Reihe von Möglichkeiten. Zum einen gilt das natürlich für das Produktsortiment: Sie können mehr Waren aus dem fairen Handel listen. Wichtig sind aber genauso faire Vertragsbedingungen für Lieferanten und Vorlieferanten. Dazu gehört unter anderem die Einhaltung der wichtigsten, von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) festgelegten Konventionen, also beispielsweise die Vermeidung von ausbeuterischer Kinderarbeit, angemessene Wohnbedingungen und Arbeitszeiten, Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz.

Gold-Medaille für Einzelhandelsunternehmen_2011

oeko-fair.de: Sie haben Aldi Süd und Penny mit Silber ausgezeichnet. Das widerspricht gängigen Vorurteilen gegen Discounter.

Weber-Moritz: Wir haben die Unternehmen anhand eines Fragebogens geprüft, der insgesamt 370 Nachhaltigkeitskriterien enthält. Sowohl im Bereich Lieferkette, als auch bei der Geschäftstätigkeit und bei der Förderung des nachhaltigen Konsums waren die Ergebnisse so gut, dass sowohl Aldi Süd als auch Penny eine Silber-Medaille bekamen. Natürlich stehen Discounter  aufgrund ihrer günstigen Preise immer wieder in der öffentlichen Kritik. Das heißt aber nicht, dass sie sich nicht engagieren.

Unternehmen müssen an sich arbeiten

oeko-fair.de: Es gibt inzwischen eine unübersehbare Fülle von Labeln, mit denen Unternehmen ihre Waren als ökologisch und sozial wertvoll kennzeichnen. Fügen Sie diesem Dschungel nicht noch ein weiteres Element hinzu?

Weber-Moritz: Der Titel „Nachhaltiges Einzelunternehmen 2011“ ist kein Label, sondern das Ergebnis einer Befragung der Unternehmen. Diese können auch nur zeitlich befristet damit werben.

oeko-fair.de: Können sich die Unternehmen auf ihren Medaillen ausruhen oder müssen sie weiter an sich arbeiten, damit sie auch in Zukunft wieder mit einer Auszeichnung rechnen können?

Weber-Moritz: Gerade Unternehmen, die für ihr nachhaltiges Engagement ausgezeichnet wurden, müssen beweisen, dass sie die Auszeichnung auch zu Recht erhalten haben. Verbraucher und Verbände sind da oft sehr kritisch. Außerdem müssen diejenigen Handelsunternehmen, die in zwei Jahren wieder ausgezeichnet werden sollen, nachweisen, dass sie sich weiterentwickelt haben. Es reicht nicht, einen einmal erreichten Status quo einfach beizubehalten.

oeko-fair.de: Sie sagen, dass der Fragebogen gleichzeitig als Checkliste für ein nachhaltiges Engagement in den Unternehmen ausgelegt ist. Wie ist das gemeint?

Weber-Moritz: Wir wollen Unternehmen, die noch am Anfang einer umfassenden Nachhaltigkeitsstrategie stehen, motivieren weiterzumachen. Sie können anhand des Fragebogens gut und detailliert überprüfen, in welchen Bereichen sie ihre Aktivitäten noch verbessern können. Wir unterstützen die Unternehmen damit bei der Weiterentwicklung ihres Nachhaltigkeitsmanagements.

veröffentlicht am 01. November 2011

Foto: VERBRAUCHER INITIATIVE e. V.

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