"Sukuma bedeutet anstacheln. Der Name ist bei unseren Projekten Programm."

Sascha Komek_SukumaDer Verein Sukuma arts e.V. setzt sich für die globalen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen ein. Diese „Millenium Development Goals (MDG)“ sind ambitioniert: Die Staaten der Welt wollen demnach bis zum Jahr 2015 den Anteil der Weltbevölkerung, die unter extremer Armut und Hunger leidet, halbieren, allen Kindern eine Grundschulausbildung ermöglichen, die Gleichstellung der Geschlechter fördern, die Kindersterblichkeit verringern, die Gesundheit von Müttern verbessern, HIV/Aids. Malaria und andere übertragbare Krankheiten bekämpfen und den Schutz der Umwelt deutlich verbessern. Das wird nur zu schaffen sein, wenn jeder Einzelne dabei hilft. Sukuma arts e.V. will zeigen, wie diese Hilfe aussehen kann und nutzt dafür die Kinoleinwände der Republik. Sascha Komek hatte die Idee, durch bewegte Bilder zu bewegen.

oeko-fair.de: Wie ist der Sukuma arts e. V. entstanden?

Sascha Komek: Die Idee entstand im Jahre 2004 nach einem Vortrag zum Buch "Schwarzbuch Markenfirmen" im Dresdner Rathaus. Der Autor Klaus Werner beklagte, wie wenig zu den enorm wichtigen Themen Unternehmensverantwortung und Nachhaltiger Konsum in den Medien zu finden sei. Oftmals sind diese einfach zu abhängig von den Werbegeldern der Privatwirtschaft, so dass all zu kritische Berichterstattung teuer werden kann. Mit der Idee, eigene kleine Filmspots für Programmkinos zum Thema "Nachhaltiger Konsum" zu drehen, wollte ich damals mit meiner Schwester zumindest einen Beitrag für mehr Öffentlichkeit leisten. Nachdem wir selber nur wenige gute Ideen für Filmspots hatten, kam ich irgendwann darauf, auch andere Menschen mit in die Ideensuche einzubeziehen. Ich fing an, kleine Zettelchen an Bahnhaltestellen zu kleben und erhielt sofort erste Reaktionen (nicht nur vom Ordnungsamt!). Der erste richtige Filmpreis wurde dann im Jahr 2007 ausgeschrieben. Heute haben wir bereits ein breites gesellschaftliches Unterstützer-Netzwerk aus Spitzenpolitikern, prominenten Künstlern, einer Vielzahl NGOs und renommierter Unternehmen, wie z.B. dem Hauptsponsor Dr.Hauschka. 

oeko-fair.de: Was bedeutet das Wort „Sukuma“?

Komek: „Sukuma“ bedeutet in der ostafrikanischen Verkehrssprache Swahili so viel wie „aufstehen“, „sich sträuben“ oder auch „anstacheln“. Der Name ist bei unseren Projekten Programm, wir möchten die Menschen anregen, sich kreativ mit Ihrer Rolle in der globalisierten Welt auseinander zu setzen.

oeko-fair.de: Der Sukuma Millenium Award ist ein europäischer Bürgerfilmpreis. Jeder kann mitmachen, denn man braucht noch nicht mal eine Kamera. Wie geht das?

Komek: Man benötigt 15 Minuten Zeit, eine Idee für einen Filmspot und ein Blatt Papier bzw. einen PC. Wir geben bei jeder Ausschreibung des Awards ein Fokusthema vor, z.B. „You buy more than you expect...!“. Zu diesem Thema finden sich dann Hintergrundinfos auf unserer Webseite www.millennium-award.com. Diese Informationen, z.B. über die Ausbeutung im Rahmen der Textilproduktion und die Bedeutung von nachhaltigen Konsumalternativen, müssen dann von den Teilnehmern zu einer Filmspotidee verarbeitet werden. Einfach die Idee auf höchstens einer Din-A4-Seite beschreiben und via Mail absenden. Fertig! Mit etwas Glück kann man diese Idee dann mit Prominenten ins Kino bringen und erhält auf einer festlichen Preisverleihung den Sukuma Millennium Award (vgl. www.millennium-award.com/preisverleihung).

oeko-fair.de: Was bringt eine gute Idee mit und wer entscheidet, welche am besten ist?

Komek: Eine gute Idee sollte insbesondere kurz und mit einfachen Mitteln ihre Message an den Zuschauer vermitteln. Dabei sind es in der Regel die simplen Ideen, die besonders eingängig sind. Das Schöne ist, dass man für solche Ideen nicht Film studiert haben muss. Jeder kann so einen Einfall für einen tollen Filmspot haben.

Beim Sukuma Millennium Award entscheidet eine internationale Jury, bestehend aus den Partner-NGOs im In- und Ausland, welche Idee gewinnt. Unterstützt werden wir dabei von Filmprofis wie dem Regisseur Thomas Frick.

oeko-fair.de: Wer setzt die beste Idee um und wo wird der fertige Spot gezeigt?

Komek: Die beste Idee wird vom Ideengeber selbst mit umgesetzt. Unterstützung erhält er dabei vom erfahrenen Filmregisseur Thomas Frick, den Experten der RTL-Produktionsfirma „Broadcasting Center Europe“ in Luxemburg und prominenten Künstlern. Der fertige Spot wird anschließend in möglichst vielen Kinos und Medien in Europa verbreitet. Der aktuelle Siegerspot läuft z.B. gerade in Luxemburg in allen Kinos. In Deutschland haben wir bisher ein Netzwerk aus über 120 unterstützenden Kinos, die den Siegerspot ausstrahlen. Wir arbeiten ständig am Ausbau dieses Netzwerkes, damit die Spots mit Ihrer Message auch möglichst viele Zuschauer erreichen.

oeko-fair.de: Die Filmmusik für den aktuellen Film wurde vom amerikanischen Künstler MOBY beigesteuert. Wie ist es dazu gekommen?

Komek: Ein zentrales Versprechen an unsere Teilnehmer am Award ist, dass sie ihre Ideen mit prominenter Unterstützung verwirklichen können. Wir fragen dazu einfach bei den Agenturen und Künstler-Büros vorab an und bitten um diese Unterstützung. Es ist nicht einfach, an die Stars heranzukommen, aber bisher hatten wir Glück, was natürlich auch für die Themen der Spots eine wichtige Sache ist. Ein Spot zum Thema „Ausbeutung in der Textilindustrie“ ist mit MOBY-Musik einfach besser zu verbreiten. Wir freuen uns, dass uns dies gelungen ist.

oeko-fair.de: Den letzten Award hat der junge Pole Michal Wilczek gewonnen. In wie vielen verschiedenen Ländern haben sich schon Bürger am Wettbewerb beteiligt?

Komek: Wir haben mittlerweile Partner in Polen, Italien, Spanien, Österreich, Luxemburg und in Deutschland. Menschen aus 11 Ländern haben Ideen zum 2. Sukuma Millennium Award eingereicht. Wir hoffen, in den kommenden Jahren ein breites Netzwerk zur Unterstützung des Bürger-Filmpreises für die UN-Millenniumsziele aufbauen zu können. Dazu brauchen wir jedoch dringend weitere engagierte ehrenamtliche Unterstützer, Sponsoren und Spender. Ohne das Engagement des Einzelnen ist eine solche basis-gesellschaftliche Initiative nicht möglich.

veröffentlicht am 18. März 2011

Foto: Sukuma arts e. V.

www.sukuma.net