Steffi Jones über das Green Goal-Konzept der Frauenfußball-WM

Steffi Jones/Foto: Witters

Steffi Jones, Präsidentin des Organisationskomitees für die Frauenfußball-WM 2011, über umweltfreundliche Stadien, Bio-Bratwürste und das Fifa-Umweltkonzept „Green Goal“

oeko-fair.de: Die Fußball-Frauen-WM 2011 sollte möglichst klimaneutral ablaufen. Für eine Großveranstaltung dieser Art sicher ein großes Ziel. Wie nah sind Sie diesem denn gekommen?

Steffi Jones: Wir sind gerade dabei die konkreten Umweltauswirkungen der WM genau zu berechnen. Dabei blicken wir besonders auf den größten Verursacher von Treibhausgasen: den Verkehr. Hierfür werden derzeit Zuschauerbefragungen, Polizeiberichte und die Ticketverkäufe analysiert. So bekommen wir ein gutes Bild über die genauen Verkehrsemissionen der WM. Die WM-Stadien teilen ebenfalls sehr genau mit, wie viel Strom, Diesel und Wasser verbraucht wurde. Im Vorfeld der WM hatte sich der DFB ja entschieden, Klimaschutzprojekte in Schwellen- und Entwicklungsländern zu unterstützen und so CO2-Zertifikate in einer Höhe von 40.000 Tonnen zu erwerben. Unser Ziel war, mit den tatsächlichen WM-Emissionen unter dieser Menge zu bleiben. Ich denke, das werden wir erreichen.

oeko-fair.de: In welchem Bereich ist es denn am einfachsten, Klimaneutralität zu erreichen? Und wo muss noch mehr getan werden?

Jones: Am einfachsten wäre es, die entstehenden Emissionen zu kompensieren, ohne vorher versucht zu haben, durch Effizienz steigernde Maßnahmen eine Verbesserung der Umweltleistung zu erreichen. Wir haben aber beispielsweise mit den Stadienbetreibern gemeinsam versucht Maßnahmen anzustoßen, die helfen,  CO2-Emissionen zu verringern. Es wurde wirklich viel getan. Insgesamt sind in den WM-Stadien über 700.000 Euro in Maßnahmen zur Reduzierung des Energie- und Ressourcenverbrauchs gesteckt worden.

oeko-fair.de: Bereits vor fünf Jahren gab es ein Green Goal-Konzept. Was haben Sie diesmal anders gemacht?

Jones: Zum einen haben wir neue Bereiche in das Konzept mit aufgenommen. So haben wir versucht, erstmals bei einer FIFA WM ein umweltfreundliches Speiseangebot in die Stadien zu bringen. Natürlich ist die Bratwurst nach wie vor das Maß der Dinge für einen Fußball-Fan, diese kann allerdings auch von regionalen Erzeugern und in Bio-Qualität angeboten werden. Hier haben wir angesetzt und versucht, neue Wege zu gehen.

oeko-fair.de: Wie haben denn die Unternehmenspartner wie Rewe, die Allianz oder die Bahn auf das Konzept reagiert?

Jones: Das Konzept ist mit großem Interesse aufgenommen worden. Allerdings haben unsere Unternehmenspartner ihr Engagement für die WM schon frühzeitig festgelegt. Daher war es nicht leicht, gemeinsame Projekte anzustoßen. 

oeko-fair.de: Kommt das Green Goal-Konzept auch beim Publikum an oder muss noch mehr Öffentlichkeitsarbeit betrieben werden?

Jones: Wir haben uns sehr bemüht die Green Goal Kampagne im Stadion sichtbar zu machen. Verfügt ein Stadion beispielsweise über Wasser sparende Armaturen, dann haben wir an dieser Stelle mittels Aufkleber die Zuschauer darauf aufmerksam gemacht. Ziel war es, den Zuschauern zu zeigen: In diesem Bereich wird etwas unternommen, um Energie oder Ressourcen einzusparen. Dazu gehört auch der Fan selber. Deshalb haben wir uns bei den Zuschauern bedankt, die umweltfreundlich mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln angereist sind. Außerdem haben wir Green Goal im Rahmen der WM-begleitenden Spielfreude-Tour präsentiert. Hier konnten die Fans auf einem Energierad selbst Strom erzeugen. Angeschlossen waren sowohl eine klassische Glühlampe sowie eine Energiesparbirne. Es geht einem das sprichwörtliche „Licht auf“, wenn man spürt, wie viel mehr Energie man erstrampeln muss, um eine klassische Glühlampe zum Leuchten zu bringen.

oeko-fair.de: Sportler sind Vorbilder. Konnten diese auch zu einem aktiven Einsatz für eine klimaneutrale WM bewogen werden? Sprich: Sind sie auch Bahn gefahren und haben vor allem regionale Bio-Produkte gegessen?

Jones: Was die Lebensmittel angeht, so ist die Frauen-Nationalmannschaft schon sehr gut aufgestellt. Der Koch der Mannschaft legt sehr viel Wert auf frische, saisonale Produkte. Diese sind dann meist auch aus der Region und in Bio-Qualität. Die Spielerinnen wissen um das Green Goal Konzept und haben in unserer Green Goal Broschüre zum Teil auch persönlich Statements abgegeben. Auch konnten wir erreichen, dass die Mannschaft während der WM zu einigen Spielen mit der Bahn angereist ist. 

oeko-fair.de: Noch vor fünf Jahren waren Kommentare verschiedener Fußballvereine zu lesen, die lauteten: Wir sind ein Fußballverein, keine Umweltorganisation. Hat sich das verändert?

Jones: Ein Stück weit schon. Zum einen haben sich die Gesellschaft und damit die Fußballvereine gewandelt. Immer mehr Menschen beschäftigen sich mit Fragen eines nachhaltigen Lebensstils. Andererseits sind in den zurückliegenden Jahren die Energiepreise ordentlich in die Höhe  gegangen. Da interessieren sich Fußballvereine auch aus Kostengründen für umweltfreundliche Techniken, die sie richtig Energie einsparen lassen. So ist insgesamt zu beobachten, dass vor allem die großen Profivereine immer mehr ihre ökologische Seite entdecken. Aber es stimmt schon, man geht nach wie vor ins Stadion, um in erster Linie guten Fußball zu sehen. Wenn sich das auf umweltfreundliche Weise machen lässt, umso besser!

oeko-fair.de: Von welcher Seite erwarten Sie noch mehr Unterstützung für ein solches Konzept?

Jones: Wir freuen uns sehr, dass wir neben der Unterstützung durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt auch wieder die FIFA als Partner gewinnen konnten. Es sind gerade die Spitzenverbände, die das Thema Umwelt- und Klimaschutz weiter vorantreiben müssen. Daher bin ich sehr gespannt, welche Ideen die Nachhaltigkeitskommission des DFB zukünftig auf den Weg bringen wird.

oeko-fair.de: Erhält die nächste Fußball-WM auch ein Green-Goal-Konzept?

Jones: Wenn man sich die Entwicklung der Green Goal Idee ansieht - Erst 2006 in Deutschland, dann 2010 in Südafrika und nun 2011 wieder in Deutschland - dann kann ich mir fast nicht vorstellen, dass es bei der kommenden WM kein Green Goal geben wird.

veröffentlicht am 09. September 2011

Foto: Witters

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