Umwelt- und Sozialverantwortung im Mittelstand

Corporate Social Responsibility (CSR) meint das freiwillige unternehmerische Engagement, sich über gesetzliche Vorgaben hinaus sozial und umweltgerecht auszurichten. Die VERBRAUCHER INITIATIVE hat seit dem Jahr 2008 wiederholt branchenspezifisch entsprechende Aktivitäten großer Einzelhandelsunternehmen und Produkthersteller untersucht. Aktuell hat sich der Bundesverband mit klein- und mittelständischen Unternehmen (KMU) untersucht. Wir sprachen darüber mit Projektleiterin Dr. Melanie Weber-Moritz.

oeko-fair.de: Bei immer mehr großen Unternehmen ist die Umsetzung von freiwilligen CSR-Maßnahmen ein Thema. Die VERBRAUCHER INITIATIVE hat jetzt das entsprechende Engagement von klein- und mittelständischen Unternehmen in Bezug auf deren Umwelt- und Sozialverantwortung untersucht. Welche Idee lag diesem Projekt zugrunde?

Melanie Weber-Moritz: Der Mittelstand ist mit knapp 40% aller Umsätze und rund 3,5 Millionen Betrieben das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Für das Thema Nachhaltigkeit haben KMUs deshalb eine erhebliche Hebelwirkung. In unserem Projekt haben wir konkret drei ganz unterschiedliche Branchen, nämlich Friseure, Kfz-Betriebe und Pflegedienste, untersucht. Dies sind Branchen mit einem eher geringen Engagement in Bezug auf die Umwelt- und Sozialverantwortung. Unser Projekt stand also vor einen doppelten Herausforderung. Das beginnt schon damit, dass sich rund die Hälfte aller Mittelständler nicht mit nachhaltiger Unternehmensführung beschäftigen. Was meist an einem mangelnden Informationsstand liegt.

oeko-fair.de: Was spricht denn Ihrer Meinung nach dafür, das Unternehmen sich entsprechend engagieren?

Weber-Moritz: Unternehmerische Umwelt- und Sozialverantwortung nutzt doch nicht nur allein der Gesellschaft. Unternehmen haben selbst erhebliche Vorteile, wenn sie entsprechende Maßnahmen dauerhaft in ihre Geschäftsstrategie einbauen. So wächst beispielsweise die Attraktivität für qualifizierte Fachkräfte, Mitarbeiter werden motiviert, neue Märkte lassen sich erschließen, Marktnischen besser besetzen und die Reputation bei Kunden, Nichtregierungsorganisationen sowie der Politik wächst. Gerade für lokal und regional agierende Unternehmen sind Kunden- und Mitarbeiterbindung besonders wichtig.

oeko-fair.de: Wie sah denn das Vorgehen konkret aus?

Weber-Moritz: Wir haben uns zunächst bundesweit die jeweilige Branche angesehen und zum Beispiel untersucht, ob es Leitlinien gibt oder welche guten Praxisbeispiele schon realisiert werden. Wir haben viele Gespräche u. a. mit Innungen geführt und dann in jeder Branche Unternehmen in der Region Berlin direkt angesprochen. Anschließend haben wir mehrere Unternehmen konkret betrachtet und nach ihren Erwartungen und Einstellungen befragt. Mitunter wurden auch die Kunden des Unternehmens einbezogen. Am Ende standen mögliche konkrete CSR-Maßnahmen für das einzelne Untenehmen. Interviews, Praxisbeispiele und Kundenbefragungen wurden branchenbezogen dokumentiert, Checklisten ermöglichen bundesweites Nachahmen.

oeko-fair.de: Werfen wir einen kurzen Blick auf die Friseurbranche. Kunden haben hier vereinfacht formuliert die Wahl zwischen Unternehmen, die allein auf den Preis oder eben auch auf Naturprodukte setzen. Was zeigen Ihre Projektergebnisse?

Weber-Moritz: Die Friseur-Branche zeichnet sich durch eher geringes Engagement im Bereich Nahchaltigkeit/CSR aus. Für einige Betriebe sind die Themen Naturprodukte und Energie auch in der Kundenkommunikation wichtig. Es gibt in der Branche Sponsoring („Friseure der Welt gegen Aids), Weiterbildungsmaßnahmen von Herstellern und auch individuelle Kooperation (L’Oréal und Renault bei der Elektromobilität). Unser Kundenbefragung zeigt, günstige Preise sind wichtig, dennoch überwiegen die Punkte Qualität der Arbeit und die Zeit für Beratung. Wichtig sind auch das Angebot an gesundheitlich unbedenklichen und umweltfreundlichen Produkten und eine faire Bezahlung. Energiesparmaßnahmen sind für Kunden etwas weniger wichtig. Maßnahmen über das Kerngeschäft hinaus, wie Bio- und Fairtrade-Produkte und Spenden für gemeinnützige Zwecke, werden eher selten genannt.

veröffentlicht am 13. Februar 2015

Die Ergebnisse der Recherchen stehen als kostenloser Download unter: www.nachhaltig-einkaufen.de/gute-unternehmensbeispiele/csr-im-mittelstand bereit.