Religion

Der Glaube steht in Mittelamerika im Zeichen des Kreuzes. Mit der Ankunft der Spanier wurde in Lateinamerika nach Leibeskräften christlich missioniert, oft mit Gewalt. Noch heute ist die katholische Kirche die wichtigste moralische Instanz. Eine kulturelle Besonderheit des praktizierten lateinamerikanischen Katholizismus ist seine starke Vereinnahmung durch das Volk, wobei er mit indigenem Glauben vermischt wurde. Mit der Volksnähe entstanden auch die so genannten Basisgemeinden, die in der ganzen Welt Nachahmer fanden. Von den selbstorganisierten, christlichen Kleingruppen gingen teilweise starke Impulse für politische Bewegungen aus, wie in Nicaragua, wo die Minigemeinden die Revolution unterstützten.

Viele katholische Geistliche in Lateinamerika nehmen nach wie vor offen zu sozialen und ökologischen Problemen Stellung und richten sich wenn nötig damit gegen Politik und Staat. Ein Beispiel ist der internationales Ansehen genießende Kardinal Oscar Rodriguez Maradiage. Der Honduraner beeindruckt bereits durch seine Bildungsvita: Neben seiner Muttersprache Spanisch spricht der Kardinal Englisch, Deutsch, Portugiesisch, Italienisch, Latein und Altgriechisch. Außer katholischer Theologie studierte er Philosophie, Psychologie und Musik sowie Physik, Mathematik und Chemie für den Schulunterricht. Unermüdlich setzt sich Maradiage für die Armen ein und wurde unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Lateinamerikanische Katholiken hegen eine tiefe Beziehung zu Heiligen und Maria wird besonders innig verehrt. Überall kann man Marienfiguren entdecken in regional unterschiedlicher Gestalt, wie zum Beispiel in Mexiko als Jungfrau von Guadalupe. Aber die Katholiken sind längst nicht mehr unter sich: Evangelikale machen der katholischen Kirche besonders in der armen Bevölkerung starke Konkurrenz. In Guatemala beziehen diese protestantischen Kirchen einen Großteil ihres Geldes und ihrer Sachmittel von US-amerikanischen Fundamentalisten. Ihr Werben hat messbaren Erfolg: Gut ein Drittel der Guatemalteken rechnet sich inzwischen dem evangelikalen Christentum zu.