Literatur

Die literarische Geschichte Mittelamerikas reicht zurück bis zu den Maya, die bereits über schriftliche Aufzeichnung verfügten. Leider sind diese Schriften nur noch bruchstückhaft erhalten, ihre Zerstörung ist eines der dunklen Kapitel der christlichen Missionsgeschichte: Nicht nur Forscher und Indigenas trauern den Büchern nach, die auf dem Marktplatz von Mani 1562 verbrannt wurden: Der katholische Eiferer Diego de Landa sah in den Maya-Schriften nichts als Aberglauben und „Teufelswerk“ und ließ unzählige Werke zusammen mit anderen Kulturgütern des Volkes öffentlich verbrennen sowie „dem Teufel“ anhängende Maya züchtigen. Lediglich vier Manuskripte konnten vor den Flammen bewahrt werden. 

Bekanntlich misslang diese völlige „Austreibung“ der Mayakultur – auch was die Literatur betrifft. Deutlich wurde das gleich am ersten mittelamerikanischen Literaturnobelpreisträger: Der Guatemalteke Miguel Ángel Asturias erhielt 1967 als „Vater des Magischen Realismus“ die hohe Auszeichnung. Der Sohn einer Maya-Indianerin und eines Mestizen schrieb mit „Die Maismenschen“ einen seiner bedeutendsten Romane. Darin vermischt er Mythen der Maya mit der Geschichte und Realität Lateinamerikas: Die Maya im Buch glauben, dass der Mensch aus Mais geschaffen wurde und betrachten das gelbe Korn als heilig. Sie prallen auf Menschen, die den Mais als ganz normale Ware ansehen und aus ihm Profit schlagen wollen. Zwischen den beiden Gruppen entspinnt sich ein dramatischer Konflikt, an dem das Aufeinanderprallen der Lebenswelten von Indigenen und Weißen abzulesen ist.