Regionen, Klima und Natur

Südamerika ist der viertgrößte Kontinent der Welt. Von seinem nördlichsten Punkt, dem Kap Gallinas auf der kolumbischen Halbinsel Guajira, bis zum Kap Horn im Süden misst das Festland etwa 7.600 Kilometer. Die größte Ost-West-Ausdehnung ergibt eine Strecke von rund 5.000 Kilometern.
Im Westen Südamerikas erstrecken sich die Anden, ein Faltengebirge, dessen Gipfel stellenweise höher als 6.500 Meter sind. Viele Andenberge sind aktive oder verloschene Vulkane. Weitere bedeutende Erhebungen befinden sich im Nordosten und Osten des Kontinents, in Guyana und Teilen Brasiliens. Gemeinsam fassen die Höhenzüge gewaltige Tiefländer ein: Im grünen Amazonasbecken sorgen die Anden als Klimascheide für feuchtheißes Äquatorialklima, während es auf etwa gleicher Höhe westlich der Bergkette zum Beispiel auch Subtropen und Wüste gibt. Südlich des größten Regenwaldgebietes der Erde schließen sich Regionen an mit regenreichen, warmen Sommern und kühlen, niederschlagsarmen Wintern. Im Süden finden sich unter anderem baumlose Grassteppen wie die Pampas sowie die heideartigen Landschaften Patagoniens und Feuerlands. Anders als der Name vermuten lässt, ist es in "Tierra del Fuego" nasskalt und stürmisch.

El Nino
Normalerweise sorgen starke Passatwinde dafür, dass ungeheure Mengen des warmen, nährstoffarmen Meereswassers vor der Westküste Südamerikas in Richtung Asien getrieben werden. Die Winde wälzen so den Pazifik in einem riesigen Gebiet um: Während das warme Wasser nach Westen driftet, wird kaltes, nährstoffreiches Tiefenwasser nach Osten und damit Richtung Südamerika gedrückt. Dort sorgt es als Humboldtstrom für Fischreichtum. Dieses normale Zusammenspiel von Wind und Wasser versagt in El Nino-Jahren verhängnisvoll: Die Passatwinde lassen nach und der lebensspendende Humboldtstrom kommt zum Erliegen. Weil die Fische nicht mehr genug Nahrung finden, ziehen sie ab und es setzt ein Massensterben von Tieren ein, die vom Fisch leben.
Wegen des deutlich wärmeren, vor der Westküste verbleibenden Oberflächenwassers bilden sich dort riesige Wolkenmassen, die sintflutartig über Südamerika abregnen und schwere Erdrutsche in Chile, Peru und Ecuador auslösen. Selbst in Nordamerika macht sich El Nino durch schwere Stürme bemerkbar.
Das komplexe Zusammenspiel von Wind und Meeresströmungen, das El Nino charakterisiert, kann man inzwischen erklären. Weswegen das verheerende Klimaphänomen alle zwei bis sieben Jahre auftritt, ist indes noch rätselhaft. Forscher befürchten jedoch, dass die globale Erwärmung El Nino häufiger werden lässt. Als Este benannten die peruanischen Fischer die seit etwa 150 Jahren auftretende Klimaanomalie. Sie hatten beobachtet, dass das Phänomen immer um die Weihnachtszeit auftritt. Da sie wegen der Abwanderung der Fische schlimme Einbußen erleiden, war es wohl zynisch gemeint, als sie ihm den Namen "El Nino", das Christkind, gaben. 
 
Arten und Amazonas
In Südamerika leben viele Arten, die es sonst - teils mit Ausnahme von Zentralamerika - nirgendwo auf der Welt in freier Wildbahn gibt. Dazu gehören der Ameisenbär, das Guanako, der Jaguar, zahlreiche Kolibri- und Papageienarten oder die furchtlosen Darwinfinken auf den Galapagos-Inseln. Besonders artenreich ist Amazonien, das rund 5,8 Millionen Quadratkilometer große, weitestgehend von Regenwald bedeckte Tiefland auf der nördlichen Hälfte des Kontinents. Es wird vom Amazonas und seinen Nebenflüssen durchzogen, dem größten Stromgebiet der Erde. Der etwa 6.500 Kilometer lange Amazonas wird von drei in den Anden entspringenden Quellflüssen gespeist und mündet auf 250 Kilometern Breite in den Atlantik. Bis zur Höhe von Manaus ist der Amazonas für Seeschiffe von 5.000 Tonnen befahrbar.

Umweltzerstörung