Umweltzerstörung

Zwar entwickeln sich in Südamerika langsam Grundzüge von Umweltbewusstsein, aber im ewigen Konflikt zwischen Ökologie und Ökonomie wird weiterhin unberührte Natur zerstört. Besonders dramatisch ist das ungebremste Schrumpfen der "Grünen Lunge" der Erde: Zwischen 2000 und 2005 wurde in Lateinamerika eine Waldfläche vernichtet, die zwei Drittel Deutschlands bedecken könnte. Unzählige Arten sterben aus, die Brände und Rodungen befeuern den Klimawandel. Vor Ort rächt sich der Raubbau mit Bodenerosion, Erdrutschen und letztendlich mehr Wirbelstürmen, Überschwemmungen und Dürren.
Das Amazonastiefland wird in der Regenzeit in weiten Teilen überschwemmt, aber dennoch schreitet seine Erschließung voran. 1970  begann der Bau der "Transamazonica", einer durch das südliche Amazonien führenden Fernstraße. Im Norden wurde das Straßensystem "Perimetral Norte" errichtet und es kamen einige Nord-Süd-Straßen hinzu. Entlang der Trassen rodete man weite Flächen und immer mehr Urwald musste den gigantischen Rinderherden der Großgrundbesitzer weichen. Weltweit steigt der Bedarf an Fleisch und Soja, so dass die Ausweitung der Äcker und Weiden profitabler denn je ist. In Brasilien ist der Anbau von Zuckerrohr als alternative Energiequelle ein jüngerer Motor der Regenwaldzerstörung.
Seit das Amazonasbecken als Lagerstätte von Eisenerz, Zinn, Gold, Bauxit und Erdöl entdeckt wurde, werden immer mehr Gebiete mit intakter Natur dem schmutzigen Abbau von Bodenschätzen preisgegeben. So wird auch der Lebensraum indigener Völker beschädigt und vernichtet, die den Urwald seit Jahrhunderten nachhaltig nutzen. Zum Beispiel vergiften Goldsucher Gewässer mit Quecksilber, aus denen die Menschen Trinkwasser schöpfen und die ihnen als Fischgründe dienen. Die meisten Amazonasindianer wurden bereits aus ihren angestammten Gebieten verdrängt und viele der kleinen Völker sind mittlerweile vom Aussterben bedroht.
Die Regierung des regenwaldreichen Guyanas verteilt Konzessionen zum Holzeinschlag und den Abbau von Bodenschätzen an internationale Unternehmen und sieht dabei gelegentlich darüber hinweg, dass es sich um Landstriche mit besonders reicher Tier- und Planzenwelt handelt, in denen eigentlich Nationalparks eingerichtet werden sollten. Gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen den Indigenas und Goldgräbern oder Bergleuten sind häufig. Die etwa 200 in Guyana verbliebenen Wai Wai gelten als die am wenigsten mit der Zivilisation in Berührung gekommenen Indianer des Landes. Ihnen gehören etwa 6.500 Quadratkilometer Land, das ihnen vom Militär eingeflogene Goldgräber und Diamantensucher streitig machen.