Eroberung durch Europäer

Im 16. Jahrhundert zerschlugen Spanier das Inka-Reich und begannen mit der Ermordung der Andenvölker. Mit nur 150 Gefolgsleuten gelang es Francisco Pizarro dank Feuerwaffen und Pferden, das Imperium der Sonnensöhne auszulöschen. Der letzte Herrscher, Inka Tupac Amaru, wurde 1572 getötet. Die Gier nach Edelmetallen trieb die Eroberer an. Gold- und Silberarbeiten, die sie bei den Ureinwohnern fanden, schmolzen sie umstandslos ein und zerstörten so einen bedeutenden Teil des kulturellen Erbes Südamerikas. Die Metallbarren wurden nach Europa verschifft und ermöglichten zum Beispiel der spanischen Krone ein Leben in Saus und Braus. Während die Landsleute im fernen Südamerika fieberhaft nach El Dorado suchten, ein Land, wo dem Mythos nach alles aus purem Gold bestehen soll. Die Portugiesen erklärten das Gebiet des heutigen Brasiliens als ihr Eigentum und begannen mit dem Anbau von Zuckerrohr, Kaffee und Baumwolle.

Auf den Plantagen, die vor allem in Küstennähe angelegt wurden, zwang man Indianer zur Arbeit und Sklavenjäger trieben ihr Unwesen in der Region. Die Ureinwohner wurden verschleppt, enteignet und niedergemetzelt, mussten Tribut an Kolonialherren zahlen, verarmten, verendeten auf den Haziendas und an von Europäern eingeschleppten Krankheiten. Als die einst Millionen Ureinwohner der Ausrottung nahe waren, wichen die Kolonisten auf afrikanische Sklaven aus, die als robuster galten und unter grausamen Bedingungen nach Südamerika verschifft wurden.

Im Schlepptau der Eroberer machten sich christliche Missionare über die Indianer her und versuchten, sie  spirituell einzufangen. Noch heute dringen religiöse Fanatiker in die entlegendsten Winkel der Urwälder vor, um deren Bewohner zu "bekehren". Was sie aber vor allem einschleppen, sind neue Krankheiten, gegen die die Indigenas keine Abwehrkräfte haben. Wegen staatlicher Schutzmaßnahmen sind manche der stark dezimierten Stämme in den letzten Jahrzehnten wieder gewachsen. Eine neue Bedrohung des indigenen Kulturgutes ist die Landflucht: Tausende Indianer sind bereits in Städte gezogen, wo ihre Traditionen zunehmend verloren gehen.