Politik

Im 19. Jahrhundert errangen die Kolonien ihre politische Unabhängigkeit, aber an Frieden war in den folgenden Jahrzehnten in den meisten Teilen Südamerikas nicht zu denken. Die Entstehung der Republiken wurde von blutigen Bürgerkriegen und Kriegen begleitet. In vielen Ländern kamen Tyrannen an die Macht, deren Herrschaft als brutaler angesehen wurde als die der Kolonisten. Trotz der politischen Unruhen änderte sich an der Verteilung von Boden und Einkommen nicht viel: Großgrundbesitzer verfügten nach wie vor über die Ländereien und sorgten dafür, dass die extreme Exportabhängigkeit erhalten blieb. Die erwirtschafteten Gewinne kamen vor allem der hauchdünnen Oberschicht zugute. Es entstanden Guerillaarmeen, wie der "Leuchtende Pfad", durch dessen Aktionen und das Handeln der Militärs etwa 27.000 Peruaner starben, darunter vorwiegend zivile Landbewohner.

Nach Jahrzehnten unter konservativen Regierungen oder Militärdiktatoren wählen die Südamerikaner dieser Tage regelmäßig linksgerichtete Parteien bzw. Präsidenten. Der hohe Anteil linker und Mitte-linker Regierungen verdeutlicht die positive Entwicklung, dass die Bürger heute die Freiheit haben, sich gegen die bei vielen unpopuläre neoliberale Wirtschaftspolitik zu entscheiden und neue Modelle zu probieren. Zumal die Abhängigkeit von den USA angesichts neuer bedeutender Handelspartner aus Asien oder Lateinamerika gesunken ist.
Einige linksgerichtete Regierungen, wie von Brasiliens Präsident Lula, haben die anfänglichen Unkenrufe der Skeptiker durch eine solide Wirtschaftspolitik weitgehend verstummen lassen. Die Politik weiter links stehender Präsidenten, wie Venezuelas Hugo Chávez und Boliviens Evo Morales, die zum Beispiel der international isolierten kubanischen Führung die Hände reichen, wird hingegen weiterhin misstrauisch beäugt. So gelten die Verstaatlichungen von Erdgas- und Erdölförderung als schlechter und typischer Zug linker Führungen. Außer Acht gelassen wird dabei aber, dass auch konservative lateinamerikanische Regierungen wichtige Ressourcen wie Erdöl und Erdgas in staatliche Hand genommen haben, wie in Mexiko, Brasilien, Venezuela vor Chávez und Chile. Bei der Verstaatlichung handelt es sich demnach zumindest in Südamerika eher um eine regionaltypische als eine typisch linke Politik.

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