Ecuador

Seit sich die Republik Ecuador 1824 nach der Unabhängigkeit von Spanien auch von Groß-Kolumbien abgelöst hatte, befand sich ihr politisches System in Unruhe. Praktisch ununterbrochen wurden Regierungen gestürzt oder ergriff das Militär die Macht. Niedergeschlagen haben sich die häufigen Führungswechsel in einer stattlichen Reihe von Verfassungen: Im Oktober 2008 trat die ecuadorianische Verfassung Nummer 20 in Kraft.
Obwohl sich Ecuador seit einigen Jahren um mehr Dezentralisierung der politischen Macht bemüht, sind die Belange der Nation überwiegend Sache des Präsidenten. Seit 2007 bekleidet der Wirtschaftswissenschaftler Rafael Correa das einflussreichste Amt Ecuadors. Seine "linksnationalistische" Politik fand bisher die Zustimmung der breiten Bevölkerung. Populär ist zum Beispiel Correas Entschluss, nicht mehr 100 Prozent der Erlöse aus den Erdölverkäufen in die Tilgung der Kredite von Weltbank und Währungsfonds fließen zu lassen. Der Präsident will einen Teil des Geldes stattdessen in die Entwicklung Ecuadors investieren. Correa begründet die Richtungsänderung damit, dass die Armutsbekämpfung wichtiger als die Rückzahlung der Kredite sei. Sein Bestreben, den politischen und wirtschaftlichen Einfluss der beim Volk ungeliebten internationalen Geberinstitutionen sowie der USA zu beschneiden, findet Anklang. Die Beziehungen zu südamerikanischen Ländern möchte Correa hingegen verdichten.