Paranüsse und Paranussöl aus dem Amazonasgebiet

Der Paranussbaum lässt sich nicht "zähmen" und gedeiht nur im Amazonas-Regenwald im komplexen Zusammenspiel mit anderen Organismen. Bisher hat es niemand geschafft, die Bäume auf einer grossen Plantage zu kultivieren. Für den Fairen Handel sammeln Bauern in Bolivien Paranüsse im Urwald, die ausgereift zwischen November und März zu Boden fallen. Jeden Tag kommen auf diese Weise je Familie 50 Kilo Paranüsse zusammen, die das Naturland-Zeichen "anerkannt ökologisch - aus Wildsammlung" tragen. Zusammengeschlossen sind die Sammler in der C.A.I. (Cooperativa Agrícola Integral) Campesino, deren Mitarbeiter die Nüsse im von Flüssen durchzogenen Einzugsbereich mit Booten und Lastwagen abholen und zum Hauptsitz bringen, wo sie in der Sonne getrocknet werden.
Normalerweise kaufen grosse Firmen den Sammlern die Nüsse für sehr wenig Geld ab. Und selbst wenn den Bauern das Paranussland gehört, sind sie kaum besser gestellt, als landlose Arbeiter, denen Bäume zur Ernte zugeteilt werden. Die Kooperative Campesino gründete sich 1980 mit Hilfe von katholischen Priestern und bolivianischen Nichtregierungsorganisationen. Seine heute etwa 400 Mitgliedsfamilien leben weit verstreut als Selbstversorger. Sie bauen Reis, Mais, Yuca und Bananen für den Eigenbedarf an und besammeln je 30 bis 40 Paranussbäume im Urwald, wobei ihnen das bewirtschaftete Land in den seltensten Fällen gehört. Der Erlös aus dem Verkauf der Nüsse ist oft das einzige Geld, das sie einnehmen.

Aus dem peruanischen Amazonasgebiet wird ein faires Bio-Paranussöl angeboten. Es stammt von Kleinbauern der Fairhandelsorganisation Candela mit Sitz in  Madre de Dios im Südosten des Landes. Die Provinz ist mit weniger als einem Einwohnern je Quadratkilometer die am dünnsten besiedelte Region Perus. In den weitläufigen und wenig erschlossenen Waldgebieten - nur zwei Straßen führen durch den Landstrich - leben vor allem indigene Bauern als Selbstversorger. Neben ihren Feldern nutzen sie das, was ihnen der Urwald zum Überleben bietet und dazu gehören Paranüsse. Wegen der mangelnden Infrastruktur zählt die Region zu den ärmsten des Landes. Immer mehr Wald wird durch Abholzung, Viehzucht und Goldschürfung zerstört. Vor diesem Hintergrund ist es besonders wichtig, dass den Menschen in der Region nachhaltige Einkommensmöglichkeiten wie durch den Verkauf von Paranüssen zu fairen Bedingungen erschlossen und geboten werden.