Leben & Kultur

Südamerika hat viele Gesichter: Mitglieder der indianischen Urbevölkerung werden zwar oft pauschal Amerindians genannt. Hinter diesem Sammelbegriff verbirgt sich aber eine große ethnische Vielfalt. Allein in Südamerika gibt es mindestens 82 unterschiedliche indigene Sprachgruppen. Bekanntlich blieben die Amerindians nicht unter sich: In den vergangenen 500 Jahren wanderten zahlreiche Menschen aus anderen Teilen des Globuses nach Südamerika und vermischten sich untereinander und mit denen, die bereits dort lebten. Einwanderer waren keineswegs nur Europäer und Afrikaner. Auch Asiaten fanden in Südamerika eine neue Heimat: Zum Beispiel stellen Koreaner in Paraguay, Japaner in Peru und Inder in Guyana bedeutende Gruppen dar.

Mit der Zeit bildeten sich neue ethnische Identitäten heraus. So werden in Brasilien Menschen mit indigenen und europäischen Vorfahren Mestizen genannt. Mulatten hingegen haben afrikanische und europäische Wurzeln, während Cafusos amerindianischer und afrikanischer Abstammung sind. Es bildeten sich einige Gemeinschaften heraus, die sich keinen nationalen Grenzen verpflichtet fühlten, wie die Gauchos in Argentinien, die südamerikanischen Cowboys. Einst in der Pampa lebende Nomaden, die von entflohenen Kriminellen, Sklaven und Soldaten abstammten, waren sie als Symbol für das chaotische und rückständige Argentinien bald verhasst und verfolgt. Heute erinnert nur noch ihre schwarze Tracht, die von manchen Farmarbeitern getragen wird, an die früheren Gauchos. Bizarr erscheinen Kleingesellschaften wie die deutschstämmigen, fundamentalistisch protestantischen Mennoniten, die in Paraguay leben, Altdeutsch sprechen und sich im Stil des 19. Jahrhunderts kleiden. Sie betreiben eigene Banken, Schulen, Krankenhäuser und bäuerliche Kooperativen. Südamerika bot als Einwanderungsregion auch kleinen Randgruppen Raum und es entstanden seltsame Projekte wie die deutsche Siedlung Nueva Germania, die 1886 von Elisabeth Nietzsche gegründet wurde, der fanatischen Schwester des Philosophen, und ihrem wie sie wahnhaft antisemitischen Ehemann. Sie wollten eine "rein arische Kolonie" errichten, aber der Plan des Duos scheiterte an den unerwartet schwierigen natürlichen Bedingungen vor Ort.

Für Außenstehende zeigt sich die ethnische Vielfalt des Subkontinents vor allem in der südamerikanischen Küche, am verschiedenen Zungenschlag, mit dem Spanisch gesprochen wird, und daran, auf Unerwartetes zu stoßen, wie auf Lederhosenträger an der Karibikküste. In manchen Gegenden gibt das Aussehen kaum noch Aufschluss über den ethnischen Mix, dort haben sich die verschiedenen Gruppen zu einer homogenen Bevölkerung vermischt. Dennoch ist Hautfarbe und Abstammung gemeinhin immer noch entscheidend für den gesellschaftlichen Status und Menschen mit heller Hautfarbe werden nicht nur als Nachrichtensprecher im Fernsehen bevorzugt.

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