Jungbrunnen Musik und Tanz

Jung sein und jung bleiben gilt viel in Südamerika. Dabei geht es nicht unbedingt um Schönheitsoperationen, sondern um innere Werte wie jugendliche Lebensfreude. Tanz und Musik gehören zum beschwingten Leben dazu wie ein teils bis ins hohe Alter jugendlicher Kleidungsstil. Romantik ist allgegenwärtig und die Worte "mi corazon" - mein Herz - kommen in etlichen populären Liedern vor. Lebensfreude und gemeinsamer Spaß eine hohe Bedeutung in Südamerika und verwischen religiöse, ethnische, soziale und politische Grenzen. Die Begeisterung für die schönen Seiten den Lebens vereint die unterschiedlichen Menschen auf dem Kontinent und das gemeinsame Feiern kommt trotz aller Unterschiede nicht zu kurz.

Musik ist für Südamerikaner eine Art Seelennahrung, die den Härten des Lebens etwas Positives entgegensetzt. Oft gefühlsbetont geht sie nicht nur zu Herzen, sondern ist häufig zugleich aufgeladen mit Nostalgie und Geschichte. Die berühmten Tänze und Musikstile Südamerikas wurden überwiegend in den gesellschaftlichen Unterschichten erfunden. Anders als in vielen Ländern des Nordens ist der Tanz in Südamerika keine Freude, die verschämt hinter geschlossenen Diskothekentüren ausgelebt wird. Vielmehr scheint in Südamerika so gut wie kein Ort unpassend für einen Tanz und erst recht kein Alter.
 
Die südamerikanische Tanz- und Musikkultur entstand aus zahlreichen kulturellen Einflüssen. Tausende Kilometer von ihren Herkunftsländern getrennt pflegten die Einwanderer ihre Tänze und Lieder als Erinnerung an ihre Heimat. Je nach lokalen Eigenarten der Bevölkerung entstand daraus Neues wie der Tango in Argentinien, Samba in Brasilien und Cumbia in Kolumbien. Tango ist für viele der Inbegriff getanzter Leidenschaft und Melancholie. Ende des 19. Jahrhunderts wurde das rassige Duett in den Slums von Buenos Aires erfunden von einer überwiegend männlichen Migranten aus verschiedenen Ländern, die die Einsamkeit des Exils in Bars und Bordellen teilten. Angeblich wurden die ersten Tangoschritte von Männern vorgeführt, die sich und den anderen Herren in der Schlange vor dem Freudenhaus mit der Darbietung die Wartezeit verkürzten. Einem Mann kam dabei der Part der koketten Dame zu. Kurz darauf war der Tango in der ganzen Arbeiterklasse beliebt. Das Tangofieber griff um sich, nur die hochnäsige argentinische Oberschicht verachtete den Tanz ausdauernd und nahm ihn erst an, als er in europäischen Salons schick wurde.