Telenovelas

Der weltweite Siegeszug der Seifenopern, der Telenovelas, begann in Lateinamerika, wo sie bereits in den 50er Jahren über die Fernsehschirme flimmerten. Nach dem Vorbild des Fortsetzungsromans im Radio, der Radionovela, wurde mit der brasilianisch-kubanisch-mexikanischen Co-Produktion "Sua vida me pertence" die erste Reihe für Fernsehzuschauer ausgestrahlt. Zuerst ein- oder zweimal in der Woche fortgeführt lockte bereits 1957 die Serie "Senda prohibida" ihre Fans täglich vor die Empfangsgeräte. Neben Mexiko gehört Brasilien zu den Ländern, in denen die erfolgreichsten Telenovelas hergestellt werden. Dort ist das TV-Unternehmen Rede Globo der mit Abstand bedeutendste Produzent.

Telenovelas und Seifenopern sind genau genommen nicht dasselbe, auch wenn die Begriffe oft als Synonyme verwendet werden. Ein Unterschied ist, dass Telenovelas schon nach spätestens einem Jahr enden und die Handlung anders als bei Seifenopern nicht endlos weitergesponnen wird. Zudem sind Telenovelas aufwändiger produziert und es gibt wenige und oft sogar nur eine Hauptfigur, die in klassischen Handlungen weiblich ist. Weltweit finden Telenovelas ein riesiges Publikum und Rede Globo stellte den bisher erfolgreichsten Fernseh-Fortsetzungsroman her: "Die Sklavin Isaura" wurde in 95 Länder verkauft und die Hauptdarstellerin Lucélia Santos wurde nicht nur in China, wo wohl 450 Millionen Menschen die Serie sahen, berühmt.

Die soziokulturelle Bedeutung des oft belächelten Telenovela-Formates ist für Lateinamerika nicht zu unterschätzen, kamen und kommen in den Serien doch auf verständliche Weise politische und soziale Themen wie Landflucht, Alphabetisierung oder Familienplanung zur Sprache. So gesehen sind Telenovelas weit weniger oberflächlich als die US-amerikanischen Soap Operas, die erfunden wurden, um vornehmlich gelangweilte Hausfrauen zu unterhalten. Was Seifenoper und Telenovelas verbindet, ist die Mischung aus Drama, Herzschmerz und Spannung, die den Zuschauer jeden Tag aufs Neue vor den Fernsehschirm locken soll.