Luxusgut für Arme

Slum am Fluss_by_Dieter Schütz_pixelio.de

Der Zugang zu sauberem Trinkwasser ist – vorsichtig geschätzt – etwa 1,1 Milliarden Menschen versperrt. Die für Gesundheit und Würde wichtige grundlegende Sanitärversorgung fehlt 2,6 Milliarden Menschen. Typischerweise leben sie in Dörfern ohne Brunnen und zunehmend in den Slums riesiger Metropolen. Verkeimtes Wasser macht sie krank, ebenso die fehlende Grundhygiene. Kleinbauern fehlt Wasser zum Bewässern der Felder.

Viele dieser Menschen sind gezwungen, Gewässer jeder Art zu nutzen, auch wenn diese mit Fäkalien verunreinigt sind. Etwa 80 Prozent aller Krankheiten in Entwicklungsländern gehen auf den Verzehr oder Umgang mit verunreinigtem Wasser zurück, am häufigsten sind Durchfall und Ruhr. Jährlich sterben mindestens 1,5 Millionen Kinder, weil sie kein sauberes Wasser und keine ausreichende Sanitärversorgung haben. Zudem verpassen Kinder, die ständig unter Durchfall leiden, zu viel Schulunterricht und damit ihre meist einzige Chance auf ein besseres Leben. Mädchen bleibt die Schulbildung aus noch einem Grund versagt, der mit dem mangelnder Wasserversorgung zu tun hat: Es ist Frauensache, viele Stunden am Tag Wasser heranzuschaffen – fürs Lernen bleibt da keine Zeit.

Tropfender Wasserhahn_by_piu700_pixelio.de

Eigentlich ist auf der Erde genug Süßwasser für jeden vorhanden. Die Unterversorgung liegt weniger an fehlenden Wasserreserven als an der schlechten Verteilung von Trinkwasser, der zu langsamen Erschließung neuer Quellen und am Raubbau an den Ressourcen. Besonders in China, Indien und Afrika südlich der Sahara nimmt die Knappheit ständig zu. Um zu verstehen, was sauberes Wasser und eine verbesserte Hygiene für den Fortschritt unterentwickelter Regionen bedeuten können, genügt ein Blick in den geschichtlichen Rückspiegel: Metropolen wie Paris oder New York waren Brutstätten für ansteckende Krankheiten, die Kindersterblichkeit war sehr hoch. Nicht der nach der Industrialisierung steigende Wohlstand wirkte unmittelbar lebensverlängernd. Erst die Reformierung der Wasser- und Sanitärversorgung erhöhte damals die Lebenserwartung.

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