Einfach, praktisch, günstig: Wassertechnik für Arme

Wenn Äcker und Weiden immer mehr Menschen ernähren sollen ohne dass die Wasservorräte kollabieren, muss der Ertrag pro Tropfen steigen oder umgekehrt der Tropfen pro Ertrag kleiner werden. Landwirte können das erreichen, indem sie auf eine sparsame Bewässerungsmethode umstellen, genügsamere Feldfrüchte anbauen oder marode Zuleitungen reparieren.

Mittellose Menschen sind von passender Technik von vornherein ausgeschlossen, obwohl gerade Kleinbauern sinnvolle Methoden zur künstlichen Bewässerung immer dringender benötigen: Viele betreiben den Regenfeldbau, der zwar ökologisch nachhaltig ist, die Kleinbauern aber zwingt, auf Niederschläge zu hoffen. Ausbleibender Regen bringt besonders Familien in Not, die nur von dem leben, was ihr Feld hergibt und keinen Überschuss erwirtschaften.

Die Vereinten Nationen fordern deswegen, dass auch armenfreundliche Wasser-Technologien entwickelt werden. In der Landwirtschaft sind das Geräte und Anlagen, die einfach gebaut und bezahlbar sind sowie möglichst ohne Strom laufen. Aber große Firmen stellen fast keine Produkte her, die auf die Bedürfnisse armer Menschen zugeschnitten sind. Stattdessen widmen sich immer mehr Produktdesigner, Ingenieure und kleinere Firmen dieser großen Marktlücke. Oft mit wenig Kapital im Rücken entwickeln sie Dinge, die den Alltag von Bewohnern schlecht entwickelter Regionen besser machen. Beispiele sind Wasserpumpen, die ohne Strom laufen und mit Tretbewegungen angetrieben werden sowie ein einfaches, erschwingliches Tröpfchenbewässerungssystem, von dem bereits 600.000 Stück verkauft wurden. Mit diesen Geräten konnten schon viele Kleinbauern ihre Erträge so steigern, dass sie nun einen Teil ihrer Ernte verkaufen können.

Ein anders Beispiel ist die Q-Drum, ein einfacher Behälter, der Frauen und Mädchen die harte Arbeit des Wasserholens bedeutend erleichtert. Das praktische Gefäß ist eine Tonne mit einem Loch in der Mitte, durch das ein Seil gesteckt wird, an dem die rollende Q-Drum nach Hause gezogen werden kann. Sie erspart den Frauen nicht nur die anstrengende Schlepperei und kann außerdem zehnmal mehr Wasser fassen als ein übliches Gefäß. Ein anderes Erfolgsprodukt ist der „Life Straw“ – ein Trinkhalm, der Krankheitserreger zuverlässig aus jedem beliebigen Oberflächenwasser filtert. Der Halm sorgt vor allem unterwegs für Sicherheit, wenn Wasser nicht abgekocht werden kann. Damit das Röhrchen nicht verloren geht, wird es an einer Schnur um den Hals getragen. Bei einem Preis von wenigen Cent reinigt ein Halm mehr als 18.000 Liter Wasser, bevor er ausgetauscht werden muss.

Weitere Ideen und Produkte stellt das Projekt „Design for the Other 90 %“ vor.