Wasser als Privatbesitz?

Wenn ein öffentliches Versorgungsnetz existiert, gibt es drei wesentliche Gründe dafür, dass Menschen dazu keinen Zugang haben: Entweder können sie sich die Anschlussgebühr nicht leisten oder besitzen keinen Grundtitel für ihre Bleibe, ohne den in vielen Ländern kein Wasseranschluss genehmigt wird. Oder der öffentliche Wasserversorger hat kein Geld für die Sanierung und Ausweitung des Netzes. Private Unternehmen verfügen dagegen oft über Kapital und bringen häufig überlegenes Know-how mit. Wenn private Unternehmen mit ins Boot geholt werden, kann sich daran die Hoffnung knüpfen, dass sie auch einen großen Teil der armen Bevölkerung in das Versorgungsnetz einbinden. In der Realität werden die Erwartungen an private Betreiber aber oft enttäuscht.  

Ein Knackpunkt ist die Besonderheit der Infrastruktur: Netze zur Wasserversorgung bilden natürliche Monopole, ihre Betreiber können teure Tarife schmieden. Damit Wasser auch für Arme erschwinglich ist, müsste die Preispolitik privatwirtschaftlicher Versorger beaufsichtigt und unter Umständen reguliert werden. Ob die geschäftliche Ehe mit privaten Wasserversorgern so gesehen gut gehen kann, hängt also vor allem von der Durchsetzungskraft der zuständigen Behörden ab. Aber sogar in den USA, wo solche Einrichtungen ein vergleichsweise starkes Rückgrad haben, gelingt es häufig nicht, die Interessen der Armen gegenüber den privaten Wasserbetrieben zu schützen. In Entwicklungsländern ist die Gefahr noch größer, dass der Markt das Trinkwasser ungehindert an den Bedürftigsten vorbeileitet. Befürworter von Privatisierungen entgegnen, dass viele Arme ohnehin schon überteuertes Wasser von privaten Händlern wie Zapfstellenbetreibern, fliegenden Wasserverkäufern oder Tankwagenfahrern kaufen müssen, das obendrein von fragwürdiger Qualität ist. Die Vereinten Nationen bewerten Privatisierungen dennoch sehr verhalten und sehen die öffentlichen Versorger nach wie vor in der Schlüsselrolle.

Auch in anderen Bereichen hat Wasser längst Begehrlichkeiten privater Unternehmen geweckt, wie im Zusammenhang mit Energie aus Wasserkraft. Auch Agrar- und Industriebranchen wollen sich den Zugang zu Wasser sichern. Interessenkonflikte zwischen Wirtschaft, Bevölkerung und Umweltschutz lassen sich kaum vermeiden. Den Gebrauch von Wasser auf einer umweltfreundlichen Basis zum "Nutzen allen Lebens auf der Erde" hat sich unter anderem der Weltwasserrat auf die Fahnen geschrieben. Als privat organisierte Institution veranstaltet er alle drei Jahre das Weltwasserforum. Dazu eingeladen werden Wirtschaftsvertreter und Regierungsdelegationen sowie Wissenschaftler und Gesandte von Organisationen und Einrichtungen wie der Weltbank. Nach dem letzten Treffen im März 2009 kristisieren Menschenrechts- und Umweltschützer erneut, dass das vornehmliche Ziel des Weltwasserforums das Vorantreiben der Privatisierung von Wasser ist.