Die Roten Listen der bedrohten Arten

Rund 70 Prozent aller Pflanzenarten sind bedroht. Foto: BMU

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Rote Listen der bedrohten Arten zeigen, wie es um die darin erfassten Lebewesen oder ihre angestammten Lebensräume steht. Aus ihnen wird ersichtlich, wie sich Populationen entwickelt haben und welche Arten gefährdet oder ausgestorben sind. Die bekannteste ist die renommierte Internationale Rote Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN). Jede Rote Liste hat ein Aktualitätsproblem: Weil es sehr aufwändig ist nachzuweisen, dass eine Art in der freien Natur ausgestorben ist, kann es Jahrzehnte dauern bis ein lange nicht gesichtetes Lebewesen schlussendlich als ausgerottet geführt wird. Trotz der Sorgfalt, mit der die Internationale Rote Liste geführt wird, gibt sie noch aus einem weiteren Grund nur ungefähren Aufschluss über den wirklichen Zustand der Artenvielfalt: von den rund zwei Millionen bisher überhaupt wissenschaftlich beschriebenen Arten wurden erst etwas mehr als zwei Prozent nach den neuen Kriterien der Weltnaturschutzunion bewertet. Alles in allem sind inzwischen 48.000 Arten auf dem Radar der Internationalen Roten Liste, von denen rund 17.000 als bedroht gelten: etwa jede vierte Reptilien- und Säugetierart, fünfte Hai- und Rochenart, achte Vogelart und 70 Prozent der Pflanzenarten.

Rote Listen in Deutschland

In Deutschland gibt es unterschiedliche Rote Listen, die sowohl bundesweit als auch in den einzelnen Bundesländern gepflegt werden. Ein Großteil der dafür unabkömmlichen Daten wird von engagierten Ehrenamtlichen gesammelt. Sofern es die Datenlage zulässt, beurteilen Experten den Zustand einer Art mit einer von neun Gefährdungskategorien. Beispielsweise gilt eine Art als stark gefährdet, wenn der Bestand im größten Teil ihres einstigen Verbreitungsgebietes deutlich zurückgegangen und regional bereits erloschen ist. Die deutschen Roten Listen werden nach Tieren, Pflanzen, Pflanzengesellschaften und Biotoptypen getrennt und sollen möglichst alle zehn Jahre eine Aktualisierung durchlaufen haben. Da auch die Vielfalt von Nutzpflanzen und -tierrassen gefährdet ist, gibt es für den landwirtschaftlichen Bereich eigene Rote Listen.

Für die deutschen Roten Listen gilt ähnliches wie für die Internationale Rote Liste: Erst 16.000 der schätzungsweise 48.000 heimischen Tierarten und rund 13.900 der vermutlich 28.000 hiesigen Pflanzenarten wurden hinsichtlich ihrer Gefährdung bewertet. Dennoch gelten mehr als 5.700 Tierarten und fast 4.000 Pflanzenarten als bedroht. Damit möglichst viel Biodiversität trotz wirtschaftlicher Interessen oder begrenzter finanzieller Mittel erhalten werden kann, müssen im Naturschutz Prioritäten gesetzt werden. Sie richten sich auch danach, ob eine Art nur in Deutschland heimisch und vom Aussterben bedroht ist oder ob ihre Bestände außerhalb deutscher Grenzen noch stabil sind. Trifft letzteres zu, hat ihr Schutz hierzulande nicht höchste Wichtigkeit. In den Roten Listen wird deshalb auch eingetragen, inwiefern zum Beispiel Deutschland für den Erhalt einer Art verantwortlich ist.