Werte der Dienste der Natur

Für alle möglichen Güter vom Bleistift bis zur Armbanduhr haben wir eine ungefähre Vorstellung von ihrem Wert. Manches empfinden wir als billig, anderes als teuer. Aber was sollte Luft kosten, wenn man sie in Fabriken herstellen würde? Und wie ist die Leistung von Korallen als Baumeister der Kinderstuben vieler Speisefische mit einem Geldbetrag zu bewerten? Solche natürlichen Dienste haben einen sehr hohen ökonomischen Wert. Aber gerade weil der Gebrauch der Umwelt kostenlos ist, werden die natürlichen Ressourcen übernutzt, zerstört und ausgeraubt, dass sie ihre wertvollen Dienste künftig möglicherweise nicht mehr erbringen können. Der „Markt“ gibt falsche Signale.

Mit dem Verbrauch von Natur, wie der Abholzung von Waldflächen, wird Geld verdient. Noch nicht ausreichend beachtet wird, dass diesem Profit Folgekosten gegenüberstehen, die durch den Verlust von Ökosystemdienstleistungen entstehen. Diese Kosten müssen in der Regel nicht von demjenigen getragen werden, der mit der Ausbeutung einer natürlichen Ressource Geld verdient hat, sondern von der Allgemeinheit. Und häufig übersteigen diese Kosten den Profit deutlich. Müsste der Verursacher die Allgemeinheit ganz oder teilweise dafür entschädigen, würde sich eine nichtnachhaltige Umweltnutzung in vielen Fällen von vornherein nicht lohnen.

Damit es für die Allgemeinheit oder Fürsprecher kommender Generationen überhaupt möglich ist, eine „Rechnung“ aufzumachen, versuchen Fachleute, die natürlichen Dienstleistungen mit Geldbeträgen zu bewerten. Die Summen zeigen unter anderem auf, welche finanzielle Last und welcher Wohlfahrtsverlust Kindern und Kindeskindern zugemutet werden, wenn natürliche Lebensgrundlagen verloren gehen. Die Zahlen sind nicht nur für Gedankenspiele gut, sondern verfolgen ganz praktische Zwecke: Sie taugen dafür, die gesellschaftliche Akzeptanz für oft als kostspielig empfundene Umweltschutz- oder Renaturierungsmaßnahmen und die damit verbundenen Ausgaben zu erhöhen. Denn meist sind die Ausgaben für Naturerhalt oder Klimaschutz deutlich geringer als die zu erwartenden Folgekosten der Umweltzerstörung. Deshalb sind solche Zahlen auch gute Argumente in Verhandlungen darüber, in welchem Maß sich zum Beispiel Regierungen für die Klimarettung stark machen werden.

Konkrete Zahlen legte der Bericht des internationalen Projekts TEEB (The Economics of Ecosystems and Biodiversity) vor. Ökologen, Ökonomen und Politikwissenschaftler untersuchten, welche Wirtschaftsleistung hinter Ökosystemen und Biodiversität steht. Ein Ergebnis ist, dass durch eine einmalige Investition von 45 Milliarden US-Dollar in Schutzgebiete natürliche Leistungen von jährlich etwa 5.000 Milliarden US-Dollar gesichert werden könnten. Dazu zählen die Speicherung von Kohlendioxid, die Trinkwasserversorgung und der Hochwasserschutz. Allein Korallenriffe erwirtschaften nach Meinung der Expertengruppe 115 Milliarden Euro im Jahr.

Seit längerem fanden auch ökonomische Effizienzkriterien Eingang in die Ökologie. Effizienz bedeutet in diesem Sinn entweder, dass ein vorher festgelegtes Naturschutzziel mit den geringstmöglichen Mitteln erreicht wird. Oder, dass mit einem vorher festgelegtem Betrag „möglichst viel“ Naturschutz geleistet wird. Dass solche Kriterien Anwendung finden, sorgt auch dafür, dass die begrenzten Mittel für Naturschutz so wirkungsvoll wie möglich eingesetzt werden.