Agro-Biodiversität: Alte Sorten und Rassen

Gänse watscheln durch den Herbst, Foto: BMU

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Beim Stichwort Artensterben denkt man meist gleich an exotische Wildtiere. Dass auch die „menschgemachte“ Vielfalt der Nutztiere und -pflanzen drastisch schrumpft wird hingegen kaum wahrgenommen. Doch auch die über Generationen in bäuerlichen Gemeinschaften entstandenen Züchtungen sind unnachahmlich und können aussterben. Felder und Ställe werden bereits von Artenmonotonie beherrscht: Im Wesentlichen stützt sich die Welternährung auf gerade einmal zehn Kulturpflanzenarten, vom globalen Süden ausgehend nach Norden nimmt die Vielfalt ab. Von den mehr als 30.000 essbaren Pflanzen nutzt die Menschheit vor allem drei – Weizen, Reis und Mais. In Industrieländern sind alte Nutzarten praktisch verschwunden: Von den weltweit 6.400 anerkannten Nutztierrassen sind im letzten Jahrhundert 1.000 ausgestorben, weitere 2.000 sind laut Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) akut vom Exitus bedroht.

An die Stelle traditioneller Vielfalt in der Landwirtschaft treten zunehmend Sorten, Linien und Rassen, die mit technologischer Hilfe entstanden sind. Sie fördern den Verlust von Artenvielfalt auf den Äckern unter anderem, weil sie weite Verbreitung finden und so regionale, an den Standort angepasste Nutzarten verdrängen. Wegen der Konzentration auf recht einseitige Zuchtziele wie Ertragssteigerung wird das Erbmaterial bezüglich weniger Eigenschaften gleichgeschaltet und ist genetisch nicht sehr abwechslungsreich. Solche extrem homogenen Arten sind anfällig und es besteht zudem die Gefahr, dass zunächst unbemerkte Erbanlagen unabsichtlich mit vermehrt werden.

Rechtlich wird der Schutz landwirtschaftlicher Artenvielfalt gehemmt, weil gesetzliche Vorgaben eher auf Standardisierungen und Ertragssteigerungen abzielen. Der größte Unterschied zur wilden Artenvielfalt ist, dass der Erhalt der landwirtschaftlichen Biodiversität in erster Linien von der Nutzung durch den Menschen abhängt, einfach gesagt: Was nicht auf den Teller des Verbrauchers kommt, macht sich vom Acker.