Vorzüge landwirtschaftlicher Vielfalt

Mit der Ausbreitung industrieller Verfahren wird die den Kulturlandschaften eigene Artenvielfalt verdrängt. Dass die Sorten- und Rassenvielfalt abnimmt, zugleich verstärkt auf genmanipuliertes Saatgut gesetzt wird und Züchtungen vor allem auf Leistungsstärke getrimmt werden, kann die Widerstandskraft der Landwirtschaft und damit letztendlich die Ernährungssicherheit jedoch schwächen. Agro-Biodiversität wappnet für die Herausforderungen von sich teils drastisch verändernden Umweltbedingungen, unter denen Landwirtschaft stattfinden muss, von der in weiten Teilen der Welt eine wachsende Bevölkerung lebt. So könnte eine regionale Sorte, die auch mit wenig Wasser genug Erträge bringt, auch in einer anderen niederschlagsarmen Gegend für ausreichend Nahrung sorgen.

Eine vielfältige Landwirtschaft ist im Anbau unter anderem eine Absicherung gegen Schädlings- und Krankheitsanfälligkeit sowie klimabedingte Missernten. Bei konventionellen Nutztieren sorgt vor allem die herrschende Zuchtpraxis für wunde Punkte: Indem das Erbgut von wenigen „Spitzenvererber“ viele tausendmal gestreut wird und die genetische Vielfalt schwindet, besteht die Gefahr von Inzuchtdepression, die das Absinken von Lebenskraft, Fruchtbarkeit und Leistung mit sich bringt.

Auch aus anderen Gründen lohnt es sich, alte Nutzviehrassen und -pflanzen zu schützen, selbst wenn sie die Erträge moderner Hochleistungsarten bei weitem nicht erbringen. Zum einen ist landwirtschaftliche Artenvielfalt ist ein wertvolles Allgemeingut, das über Generationen durch gemeinsame Anstrengungen wie den beharrlichen Austausch von Pflanzen und Tieren entstanden ist. Für Jahrhunderte war Sorten- und Rassenvielfalt die Grundlage für eine anpassungsfähige, erfolgreiche Landwirtschaft. Selbst wenn wir mit den alten Arten momentan nichts anfangen können: vielleicht würden sie von künftigen Generationen bei der Züchtungsarbeit gebraucht werden. Besonders in Ländern auf der südlichen Halbkugel ist das traditionelle, gemeinschaftliche und auf lokale Bedürfnisse abgestimmte Züchten heute noch üblich. Zum anderen hat monotone Landwirtschaft eine Reihe negativer Effekte, wie einen hohen Einsatz von Agrochemie, Kraftfutter und Energie.