Biopatente: Leben als geistiges Eigentum

Der gesetzliche Schutz geistigen Eigentums gilt als Voraussetzung dafür, dass Unternehmen überhaupt in teure Forschung und Entwicklung investieren. Zugleich gelten Patente auf Leben vielen als ethisch fragwürdig. Die skeptische Haltung der Öffentlichkeit steht im Widerspruch zum Ausmaß, in dem Lebewesen oder Teile von Lebewesen amtlich zu geistigem Eigentum erklärt wurden. Seit Gentechnologie kommerziell betrieben wird, ist die Zahl der Biopatent-Anmeldungen stark gestiegen: Schon Ende 2007 wurden allein beim Europäischen Patentamt mehr als 65.000 Gentechnologie-Patente angemeldet, davon bezogen sich nahezu 20.000 auf menschliche Gene, rund 5.500 auf Tiere und 6.000 auf Pflanzen.

Neben der Patentierung von Erbgutabschnitten können nach europäischem Patentrecht auch gentechnisch veränderte Lebewesen zu geistigem Eigentum erklärt werden. Da noch nicht eindeutig geregelt ist, wie hoch der Technologieanteil sein muss, um ein Biopatent vergeben zu können, bewegt man sich dabei teilweise in einer Grauzone: Wie dann, wenn es sich nicht um eindeutig technisch manipuliertes Erbgut handelt, sondern um Pflanzen, Tiere oder Gensequenzen, die bei Licht betrachtet normale Zuchtergebnisse sind. Der Unterschied zu klassischen Zuchtverfahren besteht dann darin, dass das genetische Material entschlüsselt und selektiert wird. Durch die gezielte Auswahl wird das gewünschte Ergebnis lediglich deutlich schneller zutage gefördert. Schlussendlich kann so auch „normalen“ Zuchttieren oder -pflanzen ein Patentschutz übergestülpt werden.

Eine häufige Kritik an der Bio-Patentierung ist, dass genetische Informationen allenfalls entdeckt, aber keinesfalls „erfunden“ werden können. Da die Abläufe in der Gentechnologie sehr teuer sind, besteht außerdem ein hoher Verwertungsdruck, der sich mitunter negativ auf die Artenvielfalt auswirken kann: Konzerne, die genverändertes Saatgut verkaufen möchten, sind so riesig, dass sie ihre Produkte mit großer Marktmacht vertreiben können. Und wo beispielsweise Gentech-Pflanzen angebaut werden, denen chemische Unkrautvernichter nichts anhaben, können mehr Herbizide versprüht werden, was Umwelt und Artenvielfalt schädigt. Andererseits wurden mit Hilfe von Biotechnologie viele wichtige Medikamente entwickelt, wie zum Beispiel menschliches Insulin. Insgesamt wirft Biotechnologie hohe Summen ab: 2006 stieg der weltweite Branchenumsatz im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent auf geschätzte 60 Milliarden US-Dollar.