Armut

Das Beispiel Indiens, das zwar zu den G 20 gehört, aber 498 Millionen Staatsbürgern keinen Zugang zu Elektrizität gewähren kann, zeigt deutlich, dass Bruttoinlandsprodukt und Pro-Kopf-Einkommen keinen guten Hinweis auf die wirtschaftliche Lebenssituation einer Bevölkerung liefern. Als Maßstab für den Stand der menschlichen Entwicklung eines Landes nutzt das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) daher den Human Development Index, HDI. In diesem Index wird der Entwicklungsstand eines Staates anhand dreier großer Indikatoren bewertet: Gesundheit, Wissen und Lebensstandard. Dabei fließt in den Wert für „Gesundheit“ unter anderem die Lebenserwartung bei Geburt ein, der Indikator „Wissen“ wird anhand des Alphabetisierungsgrades der Bevölkerung und Daten über den durchschnittlichen Schulbesuch (in Jahren) bewertet. Für den Indikator “Lebensstandard“ wird schließlich das Pro-Kopf-Einkommen herangezogen, das jedoch gemäß der tatsächlichen Landesbedingungen gewichtet wird. Mit Hilfe dieses HDI lassen sich alle Länder der Erde nach ihrem Entwicklungsstand sortieren: Die danach am höchsten entwickelten Staaten sind derzeit Norwegen, Australien und Island, das am wenigsten entwickelte ist Niger. Im Jahr 2009 belegte Indien Platz 134 von insgesamt 182 erfassten Staaten. Es ist demnach weniger entwickelt als Deutschland (Platz 22) aber auch Sri Lanka (Platz 102). Die Lebenssituation der Menschen in Pakistan (Pl. 142) und Bangladesch (Pl. 146) ist dagegen durchschnittlich schlechter als die der Inder.

Abseits des noch immer recht abstrakten HDI mögen folgende Zahlen einen Eindruck von den Problemen der Länder Südasiens geben:

70 % der erwachsenen Frauen Pakistans können weder lesen noch schreiben, es gibt keine flächendeckende Gesundheitsversorgung. Weite Teile des Landes sind nicht ans Verkehrsnetz angeschlossen, immer wieder kommt es zu stundenlangen Stromausfällen. Pakistan hat zudem etwa 1,8 Millionen Flüchtlinge aus Afghanistan aufgenommen, die zum Teil seit Jahrzehnten in Auffanglagern nahe der pakistanisch-afghanischen Grenze leben.

In Indien leben etwa 800 Millionen Menschen von weniger als 2 US-Dollar am Tag, 260 – 360 Millionen von ihnen haben täglich weniger als einen Dollar zur Verfügung. Nur 2 % der Unter-30-Jährigen verfügen über eine formale Berufsausbildung, 35% aller erwachsenen Inder sind Analphabeten. Zugleich streben etwa elf Millionen Studenten nach einer guten Ausbildung, Schulen und Hochschulen aber sind aber personell wie materiell längst nicht immer entsprechend ausgestattet. Die religiös fundierte, streng hierarchische Ordnung der Gesellschaft in Kasten erschwert den Aufbau tragfähiger gesellschaftlicher Organisationen und nimmt Millionen Menschen die Möglichkeit, sich selbst zu helfen.

Auch Bangladeschs Bevölkerung lebt überwiegend unterhalb der Armutsgrenze. Hat ein Deutscher durchschnittlich 34 US-Dollar am Tag zur Verfügung, so sind es für Bangladeschis im Durschnitt 1,20 US-Dollar. Das Hauptproblem der insgesamt sehr jungen Bevölkerung Bangladeschs – die Bevölkerung war im Jahr 2006 durchschnittlich zwischen 19 und 24 Jahre alt - ist Arbeitslosigkeit.

Stichwort: Grameen-Bank

Stichwort: Kinderarbeit