Klimawandel

Indiens Wirtschaft wächst mit atemberaubender Geschwindigkeit, doch ein Großteil der Bevölkerung hat nichts vom Boom. Der größte Teil der Gesellschaft lebt nach wie vor unter ärmlichen und ärmsten Bedingungen. Dies muss im Kopf behalten, wer sich die Daten zum Energieverbrauch und Kohlendioxid-Ausstoß des Landes ansieht. Im Moment haben über 400 Millionen Inder keinen Stromanschluss, doch das wird sich ändern. Mit der geplanten Steigerung der industriellen Produktion und durch den erhofften wachsenden Wohlstand, wird Indien im Jahr 2020 seinen Energieverbrauch voraussichtlich verdoppelt haben. Zudem ist Indien einer der am schnellsten wachsenden Märkte für Kraftfahrzeuge aller Art. Damit einher geht eine dramatische Steigerung der Treibhausgas-Emissionen. Im Moment liegt der CO2-Ausstoß durchschnittlich bei 1,2 Tonnen pro Kopf und Jahr. Das ist im Weltvergleich nicht viel, bildet aber auch nur das Ausgangsniveau einer rasanten Steigerung. Schon heute ist der CO2-Ausstoß durch die oberen Einkommensschichten Indiens schätzungsweise 4,5-mal höher als der der niedrigsten Schichten. In den nächsten Jahren wird in Indien mehr Energie verbraucht werden und das Land zu einem der größten CO2-Emissionäre werden. Indien wird damit seinen Beitrag zum Klimawandel leisten. Seine Folgen werden sich in Indien deutlich zeigen: Die Monsunwinde und mit ihnen die Regenfälle werden durch steigende Erdtemperaturen beeinflusst. In einigen Regionen wird es zu stärkeren, in anderen zu schwächeren Niederschlägen kommen und so die Ernteerträge vermindern, auch Dürren und Fluten sind vermehrt zu erwarten. Die Folgen treffen zunächst die arme Landbevölkerung und Landlose, infolge einer zu erwartenden vermehrten Landflucht werden auch die Metropolen direkt betroffen sein. Einige der größten, Kalkutta, Neu Delhi und Bombay, liegen zudem am Meer, dessen Spiegel seit einigen Jahren jährlich weiter steigt.

Auch die Bevölkerung Bangladeschs bekommt die Folgen des Klimawandels heute schon zu spüren: Weil der Meeresspiegel im indischen Ozean ansteigt, drängt Meerwasser aus dem Golf von Bengalen in die Böden der Küste. Das Salz geht ins Grundwasser und ruiniert so die landwirtschaftlichen Flächen und das Trinkwasser der ansässigen Bevölkerung. Weil die althergebrachte Landwirtschaft auf versalzten Böden nicht mehr möglich ist, züchten einige Bauern dort nun Garnelen für den Export. Weil dafür erheblich weniger Arbeitskräfte gebraucht werden als für die Bestellung der Felder, bleiben Tausende ohne Einkommen. Weil das Land für den Anbau von Lebensmitteln des täglichen Bedarfs verloren ist, wird Bangladeschs Versorgung mit Nahrungsmitteln gefährdet. Der steigende Meeresspiegel, das Nachdrücken salzigen Meerwassers, der Schlamm, den die Flüsse von den Deichen mitspülen – das alles ist eine ernste Gefahr für die Sundarbans, den weltgrößten zusammenhängenden Mangrovenwald an der Küste Bangladeschs. Mit ihm verschwände nicht nur ein einzigartiges Ökosystem und Lebensraum zahlreicher Tierarten sondern auch der Schutz Tausender Bangladeschis vor den häufigen Sturmfluten am Golf von Bengalen.

Ändern sich infolge des Klimawandels Zeit und Verlauf des Monsuns und schmelzen die Gletscher des Himalaya, wird dies nicht nur Indien sondern auch Pakistan schwer treffen. Klimamodelle sagen voraus, dass es unter einem veränderten Klima heißer und trockener werden könnte. Im Juli 2009 setzte die pakistanische Regierung gemeinsam mit Umweltorganisationen ein Zeichen gegen die klimaschädliche Abholzung von Wäldern und hunderte Freiwillige pflanzten am Indus-Delta über 500.000 junge Mangrovenbäume.