Cricket

Zu den Relikten der britischen Kolonialherrschaft in Südasien gehört die Leidenschaft für Cricket. Außerhalb des Mutterlandes England ist dieses Schlagball-Spiel für die meisten Europäer wohl ein Buch mit sieben Siegeln, in Indien, Pakistan und Sri Lanka ist es jedoch Nationalsport. Viele der besten Spieler der Welt sind hier geboren und aufgewachsen, sie genießen wie der Sport selbst über alle gesellschaftlichen Schichten hinweg hohes Ansehen. Der terroristische Angriff auf das Cricket-Team Sri Lankas im Frühjahr 2009 im pakistanischen Lahore traf daher die gesamte Region ins Mark.

Wie beim Baseball wechseln sich beim Cricket Angriff und Verteidigung streng ab: Abwechselnd greift je eine Mannschaft an, um Punkte zu erzielen und die andere verteidigt, in dem sie versucht, das Punkten der Angreifer zu verhindern. Die beiden Mannschaften treffen sich auf einem ovalen Spielfeld, das in mehrere Zonen eingeteilt ist. In seiner Mitte befindet sich ein 20 m langes und 3 m breites Rechteck (Pitch), an dessen schmalen Enden je ein „Wicket“, eine brückenähnliche Konstruktion aus drei langen und zwei kurzen Holzstäben, steht. In jedem Spiel-Durchgang (Innings) stehen sich auf dem Spielfeld zwei Batsmen (Schlagmänner) der Schlagmannschaft und die elf Spieler der Feldmannschaft gegenüber. Die beiden mit an Paddel erinnernden Schlägern ausgestatteten Batsmen stehen dabei jeweils vor einem der Wickets. Hinter einem von ihnen postiert sich der Wicket-Keeper der Feldmannschaft, auf der anderen Seite des rechteckigen Pitchs bezieht der Werfer (Bowler) der Feldmannschaft Position. Die anderen neun Feldspieler verteilen sich im ovalen Spielfeld. Grob skizziert verläuft so ein Innings wie folgt: Mit der für das Spiel charakteristischen Wurftechnik, dem so genannten Bowlen, versucht der Werfer, die Holzstäbe auf der anderen Seite des Feldes hinter dem Batsmen zu treffen und ihn so ausscheiden zu lassen. Unterdessen ist es Ziel der beiden Batsmen, den roten Ball möglichst weit vom Wicket wegzuschlagen und ihre Position zu tauschen, also jeweils (mindestens) einmal über die komplette Länge des Pitchs auf die andere Seite zu gelangen. Jeder erfolgreiche gemeinsame Seitenwechsel beschert ihrer Mannschaft einen Punkt. Scheidet ein Schlagmann aus, kommt der nächste seiner Mannschaft ins Spiel. Am Ende des Innings wechseln die Mannschaften ihre Rollen – wer gerade noch verteidigte wird nun zum Angreifer.

Dem unerfahrenen Beobachter fallen eher die Skurrilitäten als die – erheblichen - sportlichen Herausforderungen des Spiels ins Auge: So ist eine Tee-Pause fester Bestandteil eines Cricket-Spiels. Traditionell treten zudem alle Spieler in weiß an. Mit Rücksicht auf die (Fernseh-) Zuschauer ist jedoch heute bei den meisten Profi-Spielen farbige Spielkleidung üblich. Rückennummern und Vereinsnamen sind gänzlich unüblich. Erst seit den 1970er Jahren gibt es das „Ein-Tages-Cricket“, bei dem ein Spiel auf einen Tag beschränkt wird. Ursprünglich wurde ein einziges Spiel über zwei und mehr Tage ausgetragen, was bei einigen Traditionsturnieren auch heute noch der Fall ist.

Seit 1975 findet alle vier Jahre die Weltmeisterschaft im „Ein-Tages-Cricket“ statt. Heute ist dieser Cricket World Cup der wichtigste Wettkampf der Sportart, die zum ersten und letzten Mal im Jahr 1900 zu den olympischen Disziplinen gehörte. Je einmal gewannen Indien, Pakistan und Sri Lanka den begehrten Pokal, je zweimal standen ihre Nationalmannschaften im Finale.