Bollywood

Unter den verschiedenen Exportgütern hat eines hierzulande eine eigene Fanggemeinde: Filme aus Indien, in denen Held, Heldin und zahllose Statisten in bunten Kleidern tanzend und singend die Handlung vorantreiben und in denen verlässlich das das Gute siegt, erfreuen sich großer Beliebtheit. Zentrum der indischen Filmproduktion ist die Region Bombay, von der sich auch der Spitzname ableitet, unter dem das Genre inzwischen bekannt ist: Bollywood. Tatsächlich hat Indien das amerikanische Synonym für weltweites Popcorn-Kino wirtschaftlich längst überflügelt. Indien produziert mehr als 500 Kinofilme jährlich und eine unschätzbare Zahl von Fernsehproduktionen. Längst nicht alles davon folgt dem „Bollywood-Schema“, auf internationalen Festivals präsentieren sich immer wieder auch Werke, die anders aufgebaut und erzählt sind, nicht wenige indische und indisch-stämmige Regisseure genießen auch bei westlichen Kritikern hohes Ansehen. Bollywood-Streifen jedoch begeistern Millionen Menschen; sie machen Masse und Kasse. Überwiegend wird in Hindi und Urdu gedreht, immer wieder jedoch sind auch Englisch und verschiedene Regionalsprachen vertreten. Wichtigstes Merkmal des klassischen „Bollywood-.Kinos“ sind die musikalischen und Tanzeinlagen, die für westliche Kinozuschauer oftmals überraschend kommen. Sie machen einen wesentlichen Teil der Unterhaltung aus und dienen unter anderem dazu, Erotik ins Spiel zu bringen. Schon die allerersten indischen Filme, die ab 1913 als Stummfilme die Herzen der Kinozuschauer eroberten nutzten dieses Mittel – welches Feste ihre Vorführung mit musikalischer Live-Begleitung gewesen sein müssen, vermag man sich heute wohl kaum mehr vorzustellen. Nicht zuletzt, weil im Ausland lebende Inder auf diese Weise den Kontakt zu ihrem Land hielten, sind indische Filme heute auch in Europa leicht zu bekommen, klassische Bollywood-Produktionen laufen hin und wieder sogar im deutschen Fernsehen. Und auch abseits des kunterbunten Bollywood-Spektakels gibt es allerhand ältere und neue Perlen indischer Filmkunst zu entdecken.