Zum Beispiel: Basmati-Reis

Der aromatische und in Europa beliebte Duftreis gedeiht allein in Nordindien und einer bestimmten Region Pakistans. In Indien wird er in den nördlich gelegenen Bundesstaaten Punjab, Haryana und Uttar Pradesh an den Ufern des Ganges angebaut. In Pakistan sind es überwiegend Kleinbauern in der Region von Lahore, die Basmati-Reis anbauen. Infolge der Subventionspolitik der USA und Europas drängen große Mengen Reis zu niedrigen Preisen auf den Weltmarkt. Während Bauern mit großen Flächen in diesem Handel durchaus profitabel wirtschaften können, haben Kleinbauern, wie sie im Norden Indiens und in Pakistan die Mehrheit sind, kaum eine Chance. Sie sind gezwungen, ihre Ernten an Zwischenhändler zu verkaufen und sich von ihnen die Preise diktieren zu lassen. Auch ausländische Einkäufer wenden sich direkt an die Zwischenhändler, so dass die Bauern als eigentliche Erzeuger vom lukrativen Geschäft mit dem weltweit gefragten Duftreis ausgeschlossen bleiben.

Dies ändert sich für jene, die ihren Reis an Organisationen des Fairen Handels verkaufen können. So zum Beispiel für die Mitglieder des Reisprojektes Khaddar im nordindischen Bundesstaat Uttaranchal. Schon langfristige Lieferverträge und die Möglichkeit, eine Vorauszahlung auf die kommende Ernte zu erhalten, verbessern die wirtschaftliche Situation der Bauern wesentlich. Bei Verkauf der Ernte erhalten Sie zudem garantiert mindestens den vorab vertraglich vereinbarten Preis, der die Produktionskosten und die Kosten für menschenwürdige Lebens- und Arbeitsbedingungen deckt. Steigt der reguläre Marktpreis im Verlauf der Ankaufsperiode über den im Fairen Handel vereinbarten Mindestpreis, so erhalten die Reisbauern selbstverständlich den Marktpreis. Zusätzlich zahlen die Abnehmer im Fairen Handel eine so genannte Fairtrade-Prämie an die Bauernorganisation, über deren Einsatz für die Gemeinschaft die Bauern gemeinsam entscheiden können. Die Mitglieder des Reisprojektes Khaddar setzten die Prämie für den Bau einer Brücke ein, über die sie ihre Ernten nun trockenen Fußes transportieren können.

Auch die Bauern, die ihren Basmati-Reis über die indische Stiftung Navdanya an den Fairen Handel verkaufen, profitieren von dessen Regeln. Die Stiftung setzt sich darüber hinaus für den Erhalt der traditionellen indischen Reissorten und gegen gentechnische Veränderungen und Patente auf Saatgut ein. Für Navdanya werden traditionelle Reissorten nach den Regeln des ökologischen Landbaus angebaut, gentechnisch veränderte Sorten sind tabu. Damit versucht die Stiftung einer besorgniserregenden Entwicklung entgegen zu steuern: Von den ehemals vielen hundert Reissorten, die an ihre Standorte angepasst in Indien verbreitet waren, werden heute nur noch fünf kommerziell angebaut. Infolge des intensiven und oftmals rücksichtslosen Marketings international agierender Saatgutkonzerne, die höhere Erträge und sichere Ernten versprechen, entscheiden sich Bauern für den Anbau hochgezüchteter, teurer Reissorten. Die versprochenen Ertragsmengen erreichen sie jedoch nur unter hohem Einsatz von Düngemitteln, gegen Krankheiten und Schädlinge helfen den nicht an die jeweiligen Standorte angepassten Pflanzen nur Pflanzenschutzmittel – beides müssen die Bauern ebenfalls teuer kaufen. Weil sich viele Bauern für die Anschaffung Geld leihen müssen, sind sie darauf angewiesen, dass die hohen Erntemengen tatsächlich Wirklichkeit werden. Neue Ausgaben und neue Schulden sind nötig, um die alten Schulden für Saatgut, Dünge- und Pflanzenschutzmittel zu begleichen und halten die Bauern in dieser, die Böden auslaugenden Anbauform gefangen. Diese Spirale will Navdanya durchbrechen und stellt den Reisbauern Saatgut und Werkzeuge für den Neuanfang im ökologischen Reisanbau zur Verfügung. Die Bauern, die nicht selten völliges Neuland betreten, werden in seinen Methoden unterrichtet und lernen zum Beispiel, organischen Dünger herzustellen und Schädlinge auf natürliche Weise zu bekämpfen. Die wirtschaftliche Situation der beteiligten Bauern verbessert sich dadurch gleich doppelt: Zum einen werden ihre Ernten gut und verlässlich bezahlt und zum anderen müssen weder teures konventionelles Saatgut noch Dünge- und Schädlingsbekämpfungsmittel kaufen. Für ihr Engagement für den Erhalt der Artenvielfalt erhielt die Gründerin der Stiftung Navdanya, Dr. Vandana Shiva, im Jahr 1993 den Alternativen Nobelpreis („Right Livelihood Award“).