Zum Beispiel: Tee

Anders als viele andere landwirtschaftliche Produkte, wird Tee in aller Regel nicht von Kleinbauern sondern auf Plantagen angebaut. Die weltberühmten Teeplantagen in Indien und Sri Lanka sind ein Erbe der Kolonialherrschaft: Die Briten ließen im großen Stil Teeplantagen anlegen, um mehr von diesem für sie lukrativen Handelsgut produzieren zu können. So zum Beispiel in Assam, wo bis heute weltweit einzigartige Teearten beheimatet sind. Dort wo nur ein schmaler Landstreifen, die zwischen China, Myanmar (Burma), Bhutan, Bangladesch und dem Golf von Benaglen gelegenen „Nordost-Staaten“ des Landes mit dem kompakten Kern-Indien verbindet, gedeihen die besten Tees der Welt.

In der Absicht, das chinesische Monopol für den Anbau und den Handel mit Tee zu brechen, brachten die Briten die Teepflanze zu Beginn des 19. Jahrhunderts von Assam nach Darjeeling, in der heute etwa 25 % der indischen Teeproduktion erzeugt werden. Die Teeplantagen prägen den Landstrich nahe der Grenze zu Bhutan und Nepal und sind der Ursprungsort einiger der besten Teesorten der Welt. Auch einige der Plantagen, die Tee für den Fairen Handel herstellen, sind in Darjeeling gelegen. In einem anderen Ursprungsort fair gehandelten Tees, dem kleinen Bundesstaat Tripura im Nordosten Indiens, wurde dagegen der Teeanbau nie von britischen Kolonialherren betrieben. Hier ließen stattdessen indische Unternehmen Teegärten anlegen.

Aufgrund der besonderen Anbausituation fördert der Faire Handel im Teesektor nicht Kleinbauern sondern Plantagenarbeiter, Pflücker und ihre Familien. Dafür müssen die Plantagen und Betriebe, die ihren Tee an Organisationen des Fairen Handels verkaufen wollen, sämtliche, in ihren Ländern geltenden gesetzlichen und tariflichen Regelungen einhalten. Ganz besonders die nationalen Mindeststandards für die Höhe der Löhne, betriebliche Sozialleistungen und Arbeitsschutzbestimmungen dürfen nicht unterwandert werden. Je nach Anbauregion, Art und Verarbeitungsmethode variiert der Marktpreis für Tee erheblich. In vertraglichen Vereinbarungen mit den Plantagen werden daher die Fairhandels-Preise festgelegt, die in der jeweiligen Region die Kosten für Produktion und menschenwürdige Lebens- und Arbeitsbedingungen decken. Auch mit den Teeplantagen werden selbstverständlich langfristige Lieferverträge angestrebt, auch sie erhalten wenn nötig, eine Vorfinanzierung der kommenden Ernten. Das Management der jeweiligen Plantagen arbeitet dafür eng und offen mit der internationalen Siegelorganisation des Fairen Handels, FLO (Fairtrade labelling organizations international) zusammen. Die Fairtrade-Prämie für gemeinschafltiche Projekte wird auf ein separates Konto abgeführt, über ihre Verwendung entscheidet ein unabhängiges Komitee aus Vertretern der Belegschaft und des Plantagenmanagements.

Das Adivasi-Tee-Projekt ist ein ganz besonderer Partner im Fairen Handel. Als Adivasi werden die Ureinwohner Indiens bezeichnet, die vielfach außerhalb der indischen Gesellschaft stehen und kaum Zugang zu Land, Bildung, Gesundheitsversorgung und gesellschaftlichem Lebens haben. Langsam droht ihre besondere Kultur zu verschwinden. Im südindischen Gudalur-Tal erwarb ein Zusammenschluss von Adivasi eine Plantage mitten im Urwald. Seither werden dort Tee, Kaffee und Pfeffer angebaut und unter anderem in den Fairen Handel verkauft. Die Gewinne der Plantage fließen in Gemeinschaftsprojekte wie etwa ein Krankenhaus und eine Schule. Auf diese Weise haben sich die beteiligten Familien Arbeit, Einkommen und Ansehen geschaffen und ein Stück ihrer Selbstbestimmung zurückerlangt.